Wie lassen sich vermehrte medizinische Notfälle im Alter vermeiden?

Fabian Peters

Notfall-Risiko im Alter lässt sich minimieren

Alte Menschen unterliegen einem deutlich erhöhten Risiko medizinischer Notfälle. Durch Aufklärung über die Risiken ließen sich viele dieser Notfälle vermeiden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in einer aktuellen Mitteilung anlässlich ihres diesjährigen Patiententages in Wiesbaden. Auch helfe es zu wissen, wie im Fall des Falles schnell und richtig reagiert wird.


Mit zunehmendem Alter steigt laut Angaben der DGIM das Risiko für einen medizinischen Notfall: Im Schnitt seien 21 Prozent der in die Notaufnahme eingelieferten Patienten Senioren, die unter Herzproblemen leiden oder einen Sturz hinter sich haben. Zwar könne man sich gegen medizinische Notfälle nur bedingt schützen, doch umfassende Aufklärung helfe, das Risiko für einen Notfall zu minimieren, erläutern die Experten der DGIM im Vorfeld ihres Patiententags in Wiesbaden.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko medizinischer Notfälle. (Bild: pressmaster/fotolia.com)

Wie ist mit dem erhöhten Notfall-Risiko umzugehen?

Auf dem diesjährigen Patiententag der DGIM werden die Referenten der Altersmedizin und der Frage, wie man im Alter angemessen mit medizinischen Notfällen umgeht, besondere Aufmerksamkeit widmen. Wesentliche Aspekte sind dabei beispielsweise das Erkennen der Symptome eines Herzinfarkts oder das Vermeiden von Stürzen. Ziel ist es, das Risiko eines Notfalls bei älteren Patienten zu minimieren und das richtige Vorgehen bei einem solchen Notfall zu vermitteln.

Viele Senioren leiden unter einem Altersherz

Insbesondere das Herz bereitet vielen älteren Menschen Schwierigkeiten. „In Deutschland leiden zwei bis drei Millionen Menschen unter einem sogenannten Altersherz, das heißt, das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen“, berichtet die DGIM. Dabei werde zwischen einer chronischen und einer akuten Herzinsuffizienz unterschieden. Während die chronische Form über mehrere Jahre hinweg entstehe, entwickele sich eine akute Herzschwäche binnen kurzer Zeit, zum Beispiel infolge eines Herzinfarkts.

Bluthochdruck ein verbreiteter Risikofaktor

Die häufigste Ursache für eine chronische Herzschwäche ist der DGIM zufolge „andauernder Bluthochdruck, worunter über 63 Prozent der älteren Bevölkerung in Deutschland leiden.“ Hier sei die richtige Behandlung bzw. Medikation unabdingbar, um bei einem Altersherz Notfälle zu vermeiden. Es sei zwingend erforderlich, regelmäßig vom Arzt die Dosierung und Einnahme der verschriebenen Medikamente überprüfen und ggf. anpassen zu lassen.

Anzeichen eines Herzinfarkts erkennen

„Wichtig ist zudem, dass Patienten mit Herzschwäche Anzeichen für einen Herzinfarkt kennen und richtig deuten können“, so der Hinweis der DGIM. Diese Anzeichen seien zum Beispiel Schmerzen, Engegefühl und Brennen in der Brust und in den Armen sowie unter Umständen auch Übelkeit und Erbrechen, unübliche Schweißbildung und ein fahler Hautton. Laut Dr. med. Philipp Bahrmann, Chefarzt Medizinische Klinik II − Allgemeine Innere Medizin, Geriatrie und Frührehabilitation der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden, können „die Anzeichen für einen Herzinfarkt vielfältig sein“ und nicht immer trete ein stechender Schmerz in der Brust auf. Daher sei es entscheidend, sich mögliche weitere Symptome bewusst zu machen und bei diesen umgehend zu reagieren und den Notruf zu verständigen, so der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Geriatrie, Notfall- und Intensivmedizin, der auf der Pressekonferenz der DGIM zu dem Thema referieren wird.

Stürze sind für ältere Menschen ein besonderes Risiko. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Steigende Sturzgefahr im Alter

Auch die Vermeidung von Stürzen bekommt mit zunehmendem Alter eine steigende Bedeutung. „Laut aktuellen Studien stürzt jeder Dritte ab dem 65. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr“, so die Mitteilung der DGIM. Bei den über 80-Jährigen sei es sogar jeder Zweite. Jeder dieser Stürze stelle ein Warnsignal dar und ängstige die Betroffenen oftmals zutiefst, da die Verletzungsgefahr sehr hoch ist. Mit zunehmender Angst steige zudem die Unsicherheit. Insbesondere in den eigenen vier Wänden seien viele Patienten von der Sorge geplagt, dass nach einem Sturz nicht schnell genug Hilfe vor Ort ist.

Haltegriffe senken das Sturz-Risiko

Um nach einem Sturz schnellstmöglich Hilfe zu bekommen, gibt es spezielle Notrufsysteme, welche von den Patienten direkt am Körper getragen und betätigt werden, berichtet die DGIM. Deren Bedienung sei auch möglich, wenn ein Aufstehen nicht mehr gelingt. Zusätzlich können auch Griffe und Geländer, die beispielsweise an Treppen und im Badezimmer angebracht werden, Halt geben und schwere Stürze vermeiden, erläutern die Experten.

Training von Kraft und Balance

Durch frühzeitiges Training von Kraft und Balance lässt sich den Stürzen ebenfalls entgegenwirken. „Effektive Trainingsprogramme helfen, die Anzahl der Stürze um bis zu 20 Prozent zu senken“; berichtet die DGIM. Außerdem sei es Fakt, dass Inaktivität ein wesentlicher Einflussfaktor für die Entstehung chronischer Erkrankungen und den Verlust von Funktion oder Mobilität im Alter bilde. Die Gerontologin und Sportwissenschaftlerin vom Institut für Biomedizin des Alterns in Nürnberg , Dr. Ellen Freiberger, wird auf dem Patiententag über das Thema „Sturzprävention im Alter“ berichten und effektiven Trainingsprogramme sowie deren Umsetzung in der Praxis vorstellen. Darüber hinaus wird Dr. Freiberger auch das kongressbegleitende PROACTIVO-Programm präsentieren, welches zeigen soll, wie Bewegung im Alter mühelos in den Alltag integriert werden kann, so die Mitteilung der DGIM. (fp)