Wilde Ehe macht glücklicher als der Trauschein

Astrid Goldmayer

Unverheiratete, in wilder Ehe lebende Paare sind laut einer Studie glücklicher

19.01.2012

US-amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Paare durchschnittlich glücklicher und gesünder als Singles sind. Jedoch bringt ein Trauschein keinen Vorteil im Vergleich zur wilden Ehe. Das Gegenteil ist der Fall: Unverheiratete Paare sind glücklicher.

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Paare haben weniger Kontakt zu Familie und Freunden
In die Studie von zwei US-amerikanischen Wissenschaftlern der Cornell University in Ithaca, US-Staat New York, und der University of Wisconsin-Madison wurden 2737 alleinstehende Frauen und Männer einbezogen, von denen 896 innerhalb von sechs Jahren mit ihrem Partner zusammenzogen oder heirateten.

Laut einem Bericht im„Journal of Marriage and Family“ fanden die Wissenschaftler heraus, dass Paare glücklicher und gesünder als Singles sind. In wilder Ehe lebende Paare seien sogar noch glücklicher als Verheiratete. Das ergab eine Auswertung eines nationalen Gesundheitsregisters. Die Forscher Kelly Musick und Larry Bumpass berichten jedoch, dass sich der Vorteil von Paaren in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden nach der „Honeymoon-Phase“ rasch wieder legen würde. Lediglich eine Auswirkung von Partnerschaften halte sich langfristig: Paare hätten durchschnittlich weniger Kontakt zu Freunden und Familie als Singles.

Verheiratete sind gesünder
Nachdem die Testpersonen entweder mit ihren Partnern zusammengezogen waren und geheiratet hatten, fühlten sich die Paare im Schnitt wohler und waren gesünder als Alleinstehende. „Diese Phase hielt aber nicht lange an“, berichten die Wissenschaftler. Während verheiratete Paare gesünder waren als Unverheiratete – möglicherweise aufgrund von Vorteilen wie einer gemeinsamen Krankenversicherung – fühlten sich unverheiratete Paare im Schnitt flexibler, selbstbestimmter und in ihrer Persönlichkeit gestärkter als Ehepaare.

Kelly Musick erklärt: „Die Hochzeit war lange eine wichtige soziale Einrichtung, aber in den letzten Jahren ist in den westlichen Gesellschaften die Zahl der Lebensgemeinschaften – vor oder anstelle einer Hochzeit – gestiegen. Auch die Zahl der unehelich geborenen Kinder hat zugenommen.“ Die Ehe habe aber in den USA noch immer einen höheren Stellenwert als andere Beziehungsformen.

„Die Studie zeigt, dass eine Partnerschaft einer Ehe ebenbürtig ist“, wenn die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand und das Gemüt mit einbezogen werden. Man müsse zudem bedenken, dass eine Ehe heutzutage nicht mehr bis ans Lebensende halte, wie die Scheidungszahlen zeigten, resümieren die Forscher.

Eine glückliche Partnerschaft führt zur Gewichtszunahme
Im letzten Jahr hatte der Heidelberger Soziologieprofessor Dr. Thomas Klein vom Max-Weber-Institut im Rahmen einer repräsentativen Befragung von rund 2000 Personen herausgefunden, dass es einen Kontext zwischen einer glücklichen Partnerschaft und einer Gewichtszunahme gibt. Er stellte fest, dass Menschen, die in einer harmonischen Partnerschaft lebten, an Gewicht zunahmen, während Alleinstehende häufig Gewicht verloren, um wahrscheinlich attraktiver zu sein. Der Soziologie Professor kam zu dem Schluss, dass der fehlende Konkurrenzdruck maßgeblich dafür verantwortlich war, dass glückliche Paare nach Herzenslust schlemmten. Alleinstehende auf Partnersuche hingegen fühlten sich einem großen Konkurrenzdruck ausgesetzt. Sie nahmen ab, in der Hoffnung, dass eine bessere Figur ihre Chancen beim anderen Geschlecht verbesserte. Die Schlemmerei von Paaren höre laut Klein aber dann auf, wenn die ersten Krisen in der Beziehung auftauchten.

Klein hatte darüber hinaus auch untersucht, warum Mann und Frau innerhalb einer Partnerschaft häufig einen ähnlichen Körperumfang aufweisen. Er kam zu dem Ergebnis, dass dies nicht die Folge eines bestimmten Ess- oder Anpassungsverhaltens sei, sondern an der Partnerwahl liege. So würden schlanke Menschen in der Regel auch dünne Partner aussuchen und dicke Menschen einen korpulenteren Lebenspartner wählen. (ag)