Wildwuchs der Osteopathen?

Fabian Peters

Verband der Osteopathen beklagt Wildwuchs in der Branche

05.10.2012

Die alternativmedizinische Behandlungsmethode der Osteopathie erfreut sich in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit. Da der Beruf des Osteopathen hierzulande bislang jedoch nicht anerkannt ist und kein Berufsgesetz zur Sicherung einheitlich geregelter Ausbildungs- und Ausübungsstandards besteht, sei ein regelrechter „Wildwuchs“ bei den Osteopathie-Angeboten zu beobachten, erläuterte die Justitiarin des Verbands der Osteopathen Deutschlands (VDO), Dr. Sylke Wagner, anlässlich des 15. Internationalen Osteopathie-Kongresses des VOD in Weimar.

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Auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des heute gestarteten VOD-Kongresses zeigte sich die Verbandsjuristin angesichts der aktuellen Entwicklung bei den Osteopathie-Angeboten wenig begeistert. In Folge der stark gestiegenen Nachfrage nach diesem alternativen Behandlungsverfahren herrsche ein schwer durchschaubarer „Wildwuchs bei den Angeboten.“ Hierzu tragen auch die gesetzlichen Krankenkassen bei, die Osteopathie zunehmend als Zusatzleistungen anbieten, erläuterte die Rechtsexpertin des VOD zum Auftakt des internationalen Kongresses mit rund 400 Teilnehmern aus 14 Ländern. Die Verbandschefin des VOD, Marina Fuhrmann, verlangte daher eine staatliche Qualitätssicherung für die Osteopathie auf Basis eines entsprechenden Berufsgesetzes, das verbindliche Ausbildungsstandards festschreibt.

Osteopathie: Behandlung mit den Händen
Als Behandlungsmethode der Alternativmedizin basiert die Osteopathie ausschließlich auf der Behandlung mit den Händen. Sie dient in erster Linie zur Therapie von Funktionsstörungen des Skelett- und Bewegungsapparates Durch spezielle Grifftechniken werden dabei bestehende Blockaden gelöst. Neben den Beschwerden des Bewegungsapparats lassen sich jedoch auch andere Problematiken wie beispielsweise Schwindel, Inkontinenz oder Sodbrennen auf Basis der Osteopathie mitunter erfolgreich therapieren. Bis heute ist die Wirksamkeit der Behandlungsmethode in der Fachwelt jedoch umstritten. Die Bundesärztekammer kam bei einer Bewertung der osteopathischen Verfahren im Jahr 2009 zu dem Schluss, dass einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Wirksamkeit nur bei wenigen Krankheitsbildern vorliegen. Dies gelte zum Beispiel für chronische Schmerzsyndrome der Wirbelsäule beziehungsweise chronischen Rückenschmerzen. Nachgefragt werde die Osteopathie vor allem von Menschen mit langer Krankengeschichte, die erfolglos schulmedizinisch behandelt wurden, erläuterte die VOD-Präsidentin Marina Fuhrmann.

Krankenkassen Mitschuld am Wildwuchs der Osteopathen
Angesichts der nachweislichen Erfolge osteopathischer Behandlungen werden die Kosten heute auch von einigen gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) übernommen. So tragen beispielsweise die Techniker Krankenkasse (TK) und einige Betriebskrankenkassen unter bestimmten Bedingungen die Kosten für eine osteopathische Therapie. Das Problem des „Wildwuchses“ beim Osteopathie-Angebot werde durch die völlig uneinheitlichen Qualitätskriterien für die Kostenübernahme der Krankenkassen jedoch weiter verschärft, erläuterte die Verbandsjuristin Dr. Sylke Wagner. Hier seien dringend einheitliche Standards erforderlich. Allerdings ergeben sich durchaus auch positive Entwicklungen aus der vermehrten Nachfrage der Osteopathie. So erläutertet der Präsident der Landesärztekammer Thüringen, Matthias Wesser, dass Teile der Osteopathie heute bereits in die ärztliche Aus- und Weiterbildung integriert werden, zum Beispiel bei Fachärzten für physikalische und rehabilitative Medizin. Für die Patienten ist diese Erweiterung um das alternativmedizinische Behandlungskonzept sicher ein Gewinn. (fp)

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Bildnachweis: Thomas Siepmann / pixelio.de