Wissenschaft: Aspirin kann den Zahnverfall umkehren und Zähne regenerieren

Alexander Stindt
Wird Aspirin in Zukunft auch zur Behandlung von Zahnproblemen verwendet?
Viele Menschen nehmen Aspirin ein, um beispielsweise gegen ihre Kopfschmerzen vorzugehen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Aspirin die Auswirkungen von auftretendem Zahnverfall umkehren könnte. Durch diesen Effekt würden in Zukunft weniger Füllungen benötigt und es wäre eine deutliche Kostenreduzierung im Gesundheitssystem möglich.

Die Wissenschaftler der Queen’s University Belfast stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Einnahme von Aspirin zur einer Umkehrung von Zahnverfall führen kann. Sogenannter Zahnverfall ist die häufigste Erkrankung der Zähne weltweit. Die Experten veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

(Bild: Nobilior/fotolia.com)

Nachteile von synthetischen Füllungen
Zahnverfall führt zur Zerstörung der Zahnstruktur, der Bildung von Hohlräumen und der anschließenden Entzündung des Zahnnervs, was bei den Betroffenen dann zu Zahnschmerzen führt, erläutern die Mediziner. Durch Zahnverfall entstehen große Kosten für das Gesundheitssystem. Die gegenwärtige Behandlung für den Zahnverfall beinhalte Füllungen, bei denen Zahnärzte den Hohlraum oder das Loch unter Verwendung eines synthetischen Materials wiederherstellen. Dieses Material ähnelt nicht der natürlichen Zahnstruktur und muss während der Lebensdauer des Zahnes viele Male ersetzt werden, sagen die Experten.

Aspirin kann die Regeneration verlorener Zahnstruktur unterstützen
Forscher von der Queen’s University Belfast haben entdeckt, dass Aspirin eine alternative Lösung zur Wiederherstellung eines Zahnes sein kann, welcher bereits vom Verfall betroffen ist. Die Forschungsergebnisse werden auf der British Society for Oral and Dental Research Annual Conference präsentiert. Aspirin kann die Funktion der in Zähnen vorhandenen Stammzellen verbessern und so die Selbstreparatur durch die Regeneration der verlorenen Zahnstruktur unterstützen, erläutern die Wissenschaftler.

Aspirin stimuliert Stammzellen in den Zähnen
Die Experten kombinierten bei ihrer Untersuchung Genomik und neuartige Bioinformatik, um ein Medikament mit Eigenschaften zu identifizieren, welches die vorhandenen Stammzellen im Zahn stimuliert und so die Regeneration der beschädigten Zahnstruktur verbessert. Dabei fiel ihre Aufmerksamkeit auf Aspirin. Die Behandlung von Stammzellen aus den Zähnen mit niedrig dosiertem Aspirin erhöht signifikant die Mineralisierung und die Expression von Genen, welche verantwortlich für die Bildung von Dentin sind, eräutern die Wissenschaftler. Diese harte Zahnstruktur wird in der Regel durch den Verfall beschädigt, fügen die Experten hinzu.

Aspirin zur Behandlung von Zahnnervenentzündungen?
Diese neuartige Entdeckung, gepaart mit der bekannten entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung von Aspirin, könnte eine einzigartige Lösung zur Bekämpfung von Zahnnervenentzündungen und Schmerzen darstellen, sagen die Mediziner. Gleichzeitig werde die natürliche Zahnreparatur gefördert.

Aspirin ist eine innovative Lösung zur Zahnreparatur
Aspirin habe großes Potenzial, die Herangehensweise an eine der größten zahnärztlichen Herausforderungen der heutigen Zeit zu verändern, erklärt Autor Dr. El Karim. Die anfänglichen Forschungsergebnisse im Labor deuten darauf hin, dass Aspirin eine sofortige innovative Lösung bieten könnte, die es den Zähnen ermöglicht, sich selbst zu reparieren, fügt der Experte hinzu.

Für weitere Studien wird ein geeignetes Abgabesystem benötigt
„Unser nächster Schritt wird sein, ein geeignetes Abgabesystem zu entwickeln, um die Arzneimittelwirksamkeit in einer klinischen Studie zu testen“, sagen die Autoren. Dieser neuartige Ansatz könnte nicht nur das langfristige Überleben der Zähne erhöhen, sondern auch zu großen Einsparungen für die NHS und andere Gesundheitssysteme weltweit führen, erklären die Wissenschaftler. (as)