Wissenschaft: Down-Syndrom auch bei Schimpansen – Schon der zweite Fall entdeckt

Dr. Utz Anhalt
Das Down-Syndrom ist ein Chromosomendefekt bei Menschen. Menschliche Zellen enthalten gewöhnlich 23 Paar von Chromosomen, insgesamt 46. Beim Down-Syndrom haben die Betroffenen eine dritte Kopie des Chromosoms 21 – deshalb heißt der Defekt auch Trisomie 21.

Die Schimpansin mit Trisomie 22
Schimpansen und andere Menschenaffen haben normalerweise 24 Paare von Chromosomen, insgesamt also 48. Die Schimpansin Kanako allerdings hat drei Kopien des Chromosoms 22 statt zwei.

Schimpansen sind nahe mit Menschen verwandt. Sie bekommen auch ähnliche Krankheiten und Defekte wie Menschen. (Ronnie Howard/ fotolia.com)

Nahe Verwandte
Schimpansen sind nach Bonobos unsere nächsten Verwandten. Im Sozialverhalten zeigen Schimpansen große Ähnlichkeiten mit Menschen. Sie stellen mit einem gewissen planvollen Vorgehen Werkzeuge her, können viele Begriffe der Symbolsprache lernen und besitzen, manchen Forschern zufolge, die Vorstellung eines Selbst.

Empathiefähige Primaten
Insbesondere verfügen sie über die Fähigkeit zur Empathie in dem Sinne, dass sie sich die Gefühle von anderen vorstellen, sich also zu einem gewissen Grad in andere hinein versetzen können, was bis zu den Forschungen von Jane Goodall als explizit menschlich galt.

Ähnliche Krankheiten
Durch ihre enge Verwandtschaft zu Menschen haben sie auch viele Krankheiten, Störungen und Gendefekte, die denen unseren gleichen oder sehr ähnlich sind.

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Infektionsgefahr
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Welche Symptome hat die Schimpansin?
Kanako leidet an einer Herzerkrankung, schlecht entwickelten Zähnen und sieht schlecht. Im Alter von einem Jahr schielte sie und erblindete mit sieben. Die Forscher wissen allerdings zu wenig über die Chromosomen bei Menschenaffen, um diese Symptome eindeutig auf den Defekt zurückzuführen.

Der Forscher Satoshi Hirata betont auch, dass sie als Baby keine wesentlichen Störungen in der Entwicklung ihres Verhaltens zeigte.

Soziales Verhalten
Kanako bleibt gewöhnlich von anderen Schimpansen getrennt, weil ihre Wärter fürchten, dass sich Artgenossen ihr gegenüber aggressiv verhalten könnten. Allerdings ist die Schimpansin Roman, die mit Kanako aufwuchs, zu ihr sehr freundlich.

Erst der zweite Fall
Erst einmal zuvor belegten Wissenschaftler eine dreifache Kopie des Chromosoms 22 bei Schimpansen, nämlich 1969. Bis heute ist unbekannt, wie verbreitet der Defekt bei wild lebenden Schimpansen ist.

Ähnlich häufig wie bei Menschen?
Laut Hirata kommt Trisomie 21 bei Menschen in einer von 600 Geburten vor, und die Wahrscheinlichkeit der Störung bei Schimpansen könnte genauso hoch sein. (Dr. Utz Anhalt)