Wissenschaftler: Ängste vergrößern das Demenz-Risiko

Fabian Peters
Große Angst kann unser Gehirn schädigen
Besteht ein Zusammenhang zwischen Ängsten und Demenz? Entwickeln wir schneller eine Demenzerkrankung, wenn wir in unserem Alltag öfter Ängsten ausgesetzt sind? Eine aktuelle Studie von amerikanischen Forschern behauptet, dass durch hohe Angst ein Stresshormon freigesetzt wird. Dieses Hormon ist in der Lage, Teile des menschlichen Gehirns zu schädigen. Die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in dem Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association“.

Die aktuelle Studie der „University Southern Californian“ (USC) stellt fest, dass Menschen die häufig große Ängste durchleben, eine eineinhalbmal größere Wahrscheinlichkeit aufweisen, in ihrem Leben eine Demenzerkrankung zu entwickeln. Es gab schon frühere Untersuchungen, die eine Verbindung zwischen Demenzerkrankungen und psychischen Probleme festgestellt hatten. Jetzt wurde allerdings erstmals eine direkte Verbindung zwischen Ängsten und Demenz untersucht.

Ängste können das Demenz-Risiko erhöhen. Bild: Alexander Raths - fotolia
Ängste können das Demenz-Risiko erhöhen. Bild: Alexander Raths – fotolia

Angst kann schnell zu einer chronischen lebenslangen Erkrankung werden
In der Vergangenheit wurde Angst im Vergleich zu Depressionen vor allem bei älteren Menschen relativ wenig untersucht. Depressionen scheinen deutlich häufiger im Erwachsenenalter aufzutreten, aber in der Regel kommen solche Beschwerden nur episodisch vor. Im Gegensatz dazu sei krankhafte Angst ein Problem, das dazu neige, zu einer chronischen lebenslangen Erkrankung zu werden, erklärten die Wissenschaftler in ihrer Studie. Aus diesem Grund würden viele Menschen auch dazu neigen, Angst als Teil ihrer Persönlichkeit anzusehen.

Stresshormon Cortisol schädigt Hippocampus und frontalen Kortex
Für die aktuelle Studie wurden die Ergebnisse der älteren „Swedish Adoption Twin Study of Ageing“ genutzt. Die Daten umfassten einen Beobachtungszeitraum von 28 Jahren und an den Untersuchungen hatten 1.082 Probanden teilgenommen. In der Studie sollten Zwillinge alle drei Jahre Fragebögen ausfüllen. Zusätzlich wurden die Testpersonen auf Anzeichen von Demenz untersucht, erläutern die Mediziner. Um festzustellen, ob Ängste im Alltag und das Risiko für Demenz korrelieren, verglichen die Forscher die Probanden mit großen Ängsten mit den Testpersonen mit geringen Ängsten. Dabei konnte festgestellt werden, dass bei Probanden mit großen Ängsten höhere Konzentrationen von Stresshormonen wie beispielsweise Cortisol auftraten. Cortisol könne Teile des Gehirns wie den Hippocampus und den frontalen Kortex schädigen, erklärte der Hauptautor Andrew Petkus. Die amerikanischen Wissenschaftler fanden auch heraus, das eine Angst-Demenz-Beziehung stärker bei zweieiigen Zwillingen ausgeprägt ist als bei eineiigen Zwillingen. Dieser Befund könnte bedeuten, dass vielleicht die genetischen Faktoren von Angst und Demenz geteilt werden.

Depression ohne Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Angst und Demenz
Probanden bei denen später eine Demenzerkrankung ausbrach, seien Menschen, die in ihrem Leben häufig unter starker Angst litten, vermutete die Co-Autorin Professor Margaret Gatz. In früheren Studien wurde bereits der Zusammenhang zwischen Demenz und psychologischen Variablen wie beispielsweise Depression und Neurotizismus erforscht. In der aktuellen Studie konnte jedoch festgestellt werden, dass der Zusammenhang zwischen Angst und Demenz unabhängig von dem Risikofaktor Depression ist. Bei Patienten, die sich im Laufe ihres Lebens wegen auftretender Ängste hatten behandeln lassen, trat ein geringeres Demenz-Risiko auf im Vergleich zu Probanden, die niemals ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hatten.(as)