Wissenschaftler: Kleine Männer und dicke Frauen werden beim Einkommen oft benachteiligt

Übergewichtige Frauen und kleine Männer haben laut einer aktuellen Studie Nachteile beim Einkommen. (Bild: Piotr Wawrzyniuk/fotolia.com)
Alexander Stindt
Größe und Gewicht wirken sich auf unsere Ausbildung und unser Einkommen aus
Frauen und Männer scheinen Vorteile im Leben zu haben, wenn sie größer sind. Menschen, die groß gewachsen sind, haben im späteren Leben ein höheres Einkommen, stellten Forscher von der Exeter University fest. Kleine oder dicke Menschen haben demnach Nachteile einen guten Job oder eine Ausbildung zu finden. Aus diesem Grund steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie später auch weniger Geld verdienen und einen geringeren Lebensstandard haben, berichten die Forscher.

Die Wissenschaftler von der Exeter University haben in ihrer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass kleine und dicke Menschen in vielen Fällen weniger Geld verdienen. Großgewachsene Menschen haben indes ein höheres Einkommen und einen besseren Lebensstandard. Dies sei besonders gut bei Männern zu erkennen, berichten die Forscher. Bei Frauen sei eher der BMI ausschlaggebend für das Einkommen. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“.

Übergewichtige Frauen und kleine Männer haben laut einer aktuellen Studie Nachteile beim Einkommen. (Bild: Piotr Wawrzyniuk/fotolia.com)
Übergewichtige Frauen und kleine Männer haben laut einer aktuellen Studie Nachteile beim Einkommen. (Bild: Piotr Wawrzyniuk/fotolia.com)

BMI und Größe wirken sich auf unseren sozioökonomischen Status aus
Haben Menschen einen finanziellen Vorteil im Leben, wenn sie größer gewachsen oder nicht übergewichtig sind? Die Ergebnisse der neuen britischen Studie zeigen, dass große Menschen tatsächlich eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, im späteren Leben mehr Geld zu verdienen und somit einen besseren Lebensstandard zu entwickeln. Für kleine oder dicke Menschen ist es schwerer eine gute Ausbildung zu finden, womit es später problematisch werde, einen gut bezahlten Job zu bekommen. Die Mediziner hatten für ihre Studie 120.000 Menschen untersucht. Dabei stellten sie fest, dass es beim Erfolg offenbar auch auf die Größe und das Gewicht ankommt. Ein hoher BMI und Kleinwuchs können mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einem niedrigeren sozioökonomischen Status zugeordnet werden, erklären die Wissenschaftler. Größe und BMI spielen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung von mehreren Aspekten des sozioökonomischen Status. Bei Frauen beeinflusst vor allem der BMI das Einkommen. Bei Männern beeinflusst die Größe die Ausbildung, das Einkommen und die Art der Arbeit, erläutern die Mediziner.

Studie wertet Daten von 120.000 Menschen aus
Die Forscher untersuchten die Größe und deren Auswirkungen bei etwa 400 genetischen Varianten. Bei 69 genetischen Varianten untersuchten die Experten den Einfluss des Body Mass Index (BMI). Hierfür werteten die Forscher die Daten von 120.000 Menschen aus. Die Probanden waren im Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Die Daten stammten aus der UK-Biobank, einer Datenbank für biologische Informationen. Die Studie fand heraus, dass kleine Menschen oft eine schlechtere Ausbildung durchlaufen, eine niedrigere Auftragslage und weniger Einkommen haben, sagen die Experten. Dies gelte vor allem bei Männern. Ein höherer BMI führe zu einem geringerem Einkommen bei Frauen und sei somit eine großer sozioökonomischer Nachteil für die Betroffenen. Wenn die gleiche Frau, mit dem gleichen Intellekt und dem gleichen Hintergrund, ihr Leben nochmal mit etwa sechs Kilogramm mehr Gewicht durchlaufen würde, wäre ihr jährlicher Verdienst wahrscheinlich um etwa 1.300 Euro geringer, erläuterte Professor Frayling von der Exeter University. Bei Männer sei die Größe ausschlaggebender als der BMI. Wenn der gleiche Mann, nochmal sein Leben durchlaufen würde und dabei etwa zehn Zentimeter kleiner wäre, würde er wahrscheinlich im Jahr 1.300 Euro weniger verdienen, fügt der Mediziner hinzu.

Kleine und dicke Menschen verdienen weniger und haben meist ein geringeres Selbstwertgefühl
Diese Ergebnisse sind der beste Beweis dafür, dass die Größe und das Gewicht einen direkten Einfluss auf unser Einkommen haben können, erklärt Professor Frayling. Unabhängig von der Erziehung, haben es dünne Frauen und große Männer einfacher im Leben. Schlanke Frauen verdienen meist mehr, wahrscheinlich wegen der Diskriminierung von übergewichtigen Kandidaten, vermutet der Experte. Die Forscher spekulieren, dass kleinere Männer und übergewichtige Frauen auch eher Probleme mit einem geringem Selbstwertgefühl oder Depression haben. Ebenso könnte es sein, dass die Arbeitgeber eher größere Männer anstellen. Viele Studien hätten gezeigt, dass männliche, politischen Führer meist viel größer sind, als der durchschnittliche Mann, sagen die Forscher.

Dicke Männer verdienen nicht weniger Geld als ihre dünnen Kollegen
Große Frauen verdienten meist mehr, als kleinere Frauen, aber die Ergebnisse waren nicht signifikant, erläutert Prof. Frayling weiter. Allerdings verdienen dickere Männer laut Aussage der Forscher nicht schlechter als ihre dünneren Kollegen. Weitere Effekte der Größe und des Gewichts seien aus anderen Studien bekannt. So habe eine aktuelle Untersuchung der Universität Edinburgh herausgefunden, dass kleine Männer eher an Demenz leiden. Allerdings zeigen größere Menschen dafür eine höhere Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, erläutert die Co-Autorin Dr. Jessica Tyrrel. Kleinere Erwachsene haben eine rund fünfzig Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine Herzerkrankung zu erleiden. (as)

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