Wissenschaftler: Neue Therapie kann Ängste komplett auslöschen

Alexander Stindt
Können Ängste wirklich dauerhaft entfernt werden?
Bestimmte Situationen im Leben können zu psychischen Problemen und tiefen Ängsten führen. Solche Ängste können Menschen ein Leben lang verfolgen. Forscher fanden nun heraus, dass eine durch bestimmte Methoden die Erinnerungen komplett gelöscht werden können.

Die Wissenschaftler der University of California stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass verschiedene Töne dazu in der Lage sind, Erinnerungen auszulösen. Es gibt allerdings eine Möglichkeit, solche Erinnerungen auch wieder zu löschen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neuron“.

Viele Menschen leiden unter starken Ängsten. Die Gründe hierfür sind meist ganz verschieden. Forscher entwickelten jetzt eine Methode, welche bei Mäusen die Erinnerungen an Ängste dauerhaft entfernen kann. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Erinnerungen können verstärkt oder abgeschwächt werden
Die Ergebnisse der neuen Studie könnten in Zukunft dazu verwendet werden, um bestimmte Erinnerungen zu stärken oder abzuschwächen, ohne andere Erinnerungen dabei zu verändern, erläutern die Autoren. Die Methode könne potenziell dazu verwendet werden, um Menschen mit einem kognitiven Abbau oder posttraumatischen Belastungsstörungen zu helfen, indem bestimmte negative Erinnerungen gelöscht werden, ohne die nützlichen Erinnerungen zu beeinflussen, fügen die Forscher hinzu.

Können Erinnerungen an pathologische Ängste manipuliert werden?
Wir können den gleichen Ansatz nutzen, um nur die Erinnerung an pathologische Ängste zu manipulieren, ohne die für den Alltag nützlichen Erinnerungen zu betreffen, erklärt Autor Jun-Hyeong Cho von der University of California, Riverside. Die Untersuchung ist die neuste in einer Reihe von Studien mit Blick auf die Möglichkeiten, um unangenehme Erinnerungen zu löschen.

Mediziner untersuchten Wege zur Verarbeitung von Klängen
Bei seiner Untersuchung nutzte das Forscherteam genetisch veränderte Mäuse, um die Wege im Gehirn zu untersuchen, welche an der Verarbeitung eines bestimmten Klanges beteiligt sind. Außerdem wurde noch der Bereich im Gehirn untersucht, der an den emotionalen Erinnerungen beteiligt ist, erläutern die Wissenschaftler.

Mäuse erhielten Stromschläge, wenn sie hohe Töne hörten
Mäuse können besonders gut dazu verwendet werden, um spezifische Pfade zu markieren, welche der Amygdala bestimmte Signale übermitteln, sagen die Experten. So konnten die Wissenschaftler identifizieren, welche Wege modifiziert werden, wenn Mäuse bestimmte Klänge fürchten. Im ersten Teil des Experiments spielte das Team den Mäusen sowohl einen hohen Ton, als auch einen tiefen Ton vor. Als der hohe Ton gespielt wurde, gaben die Forscher den Mäusen einen kleinen elektrischen Stromschlag. Wenn dann später der hohe Ton ohne einen Stromschlag gespielt wurde, erstarrten die Mäuse vor Angst. Wenn der tiefe Turm gespielt wurde, konnte keine solche Reaktion beobachtet werden.

Bisher kehrten die Ängste nach einer bestimmten Zeit zurück
Die Forscher untersuchten dann, ob es Unterschiede zwischen den hohen und niedrigen Tonpfaden im Gehirn der Mäuse gab. Dabei konnten die Experten feststellen, dass bei den Elektroschocks ausgesetzten Mäusen die Verbindungen, die an der Verarbeitung der hohen Töne beteiligt sind, verstärkt waren. Wenn die Mäuse später wiederholt hohen Tönen ausgesetzt wurden, ohne Elektroschocks zu erhalten, bauten sich die Ängste langsam wieder ab, sagen die Mediziner. Dieser Abbau von Ängsten ist die psychologische Grundlage der sogenannten Expositionstherapie bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen, erklären die Wissenschaftler. Allerdings kehrten die Ängste nach einem gewissen Zeitraum nach der Therapie wieder zurück. Die neue Studie könnte jetzt die Erklärung für diese Auswirkung gefunden haben. Der neuronale Weg für den hohen Ton blieb in den Mäusen auch weiterhin verstärkt, sagen die Experten.

Ermöglicht die Optogenetik die endgültige Löschung von Erinnerungen?
Ängste können normalerweise nicht vollständig ausgelöscht werden, sondern nur vorübergehend unterdrückt werden, erläutern die Forscher. Die neue Technik mit der Bezeichnung Optogenetik ermöglicht es jetzt aber, dass unangenehme Erinnerungen wirklich gelöscht werden können. Diese Technik verwendet einen Virus, um Gene in bestimmte Neuronen in die Gehirne der Mäuse einzuführen, welche an den Wegen zur Übermittlung der hohen Töne beteiligt waren.

Behandlung mit niederfrequenten Licht kann tatsächlich dauerhaft Erinnerungen löschen
Wenn die Zellen in den Genen sind, führt dies zur Produktion von Proteinen, welche auf Licht reagieren. So konnten die Forscher die Aktivität der Neuronen kontrollieren. Um den Mäusen ihre Ängste zu nehmen, setzten die Mediziner die Neuronen, die an der Übermittlung von hohen Tönen beteiligt waren, einem niederfrequenten Licht aus. Das Ergebnis war, dass die Mäuse nicht mehr ängstlich erschienen, wenn sie einen hohen Ton hörten. Die Behandlung löschte dauerhaft die Erinnerung an ihre Ängste, erklären die Wissenschaftler. (as)