Wissenschaftliche Studie: Stall-Staub schützt uns vor Allergien und Asthma

Sebastian
Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, leiden seltener an Allergien und Asthma
Kinder, die in der Stadt leben, leiden häufiger an Allergien und Asthma als Kinder vom Bauernhof. Das ist bereits seit Langem bekannt. Bei der Suche nach der Ursache tappten Wissenschaftler jedoch lange im Dunkeln. Ein internationales Forscherteam, zu dem auch Münchner Wissenschaftler gehören, hat nun ein Enzym im Körper entdeckt, dass dabei eine wichtige Rolle spielen könnte. Demnach aktivieren bestimmte Inhaltsstoffe von Stallstaub das Enzym A20, das in den Atemwegen Allergien unterdrücken kann, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

Gesunde Luft im Stall: Endotoxine aktivieren Enzyme in den Atemwegen, die vor Allergien schützen
„Man wusste immer, dass der Schutz vor Allergien mit dem Stallaufenthalt zu tun hat, aber man wusste nicht, warum“, berichtet Erika von Mutius, Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“. „A20 ist ein ganz neu entdecktes Enzym, das offenbar eine unterdrückende Funktion hat.“

In Versuchen mit Mäusen, die täglich bestimmte Bestandteile von Stallstaub aufnahmen, zeigte sich, dass die Tiere weniger stark auf allergieauslösende Stoffe reagierten und seltener an Asthma erkrankten als ihre Artgenossen, die nicht dem Einfluss von Stallstaub ausgesetzt wurden. Der schützende Effekt sei auf das Enzym A20, das Entzündungsreaktionen im Körper beeinflusst, zurückzuführen, so von Mutius. „Das Enzym selber muss aktiviert werden – und das tut auf irgendeine noch unbekannte Weise der Stallstaub.“ Bei Menschen, die an Asthma litten, trete A20 in geringerem Maß in der Schleimhaut auf. „Das Enzym wird von einem Gen produziert und wenn dieses Gen nicht ganz in Ordnung ist, dann gibt es ein Risiko für Asthma“, erläutert die Ärztin.

Der Pulmologe Bart Lambrecht und der Immunologe Hamida Hammad von der Universität Gent in Belgien hatten gemeinsam mit ihren Kollegen Mäusen über einen Zeitraum von 14 Tagen täglich Endotoxine – Bestandteile von Bakterien, die das Enzym A20 aktivieren – in geringen Dosen verabreicht. Zum Versuch gehörten auch unbehandelte Tiere, die als Kontrollgruppe fungierten. Anschließend wurden die Mäuse beider Gruppen Staubmilben ausgesetzt, auf die auch Menschen allergisch reagieren können. Wie sich herausstellte, zeigten die Tiere, die zuvor mit Endotoxinen behandelt wurden, keine Anzeichen einer Allergie. In der Kontrollgruppe litten die Mäuse dagegen an allergischen Reaktionen.

Demnach führen Endotoxinen zur einer Aktivierung des Enzyms A20 in den Atemwegen, das wiederum allergische Reaktionen unterdrückt. Bislang waren Forscher meist davon ausgegangen, dass Prozesse im Immunsystem die entscheidende Rolle dabei spielen. Aber: „Es geschieht nicht im Immunsystem. Vielmehr sind es Strukturzellen der Atemwege“, wird Lambrecht im Fachmagazin zitiert. „Wir brauchen diesen Umwelteinfluss, um das Zellgewebe zu beruhigen, damit es erkennen kann, was gefährlich ist und was nicht.“ (ag)