Zähne aus menschlichem Urin gezüchtet

Alfred Domke

„Tissue Engineering“: Wissenschaftler züchten Zähne aus Urin

25.08.2013

Menschen werden immer älter und daher seien zunehmend „Ersatzteile“ für den Körper gefragt. Künstliche Gelenke oder künstliche Haut hat die Medizin bereits entworfen. Forschern in China sei es jetzt gelungen, auch Zähne zu züchten – aus menschlichem Urin.

Künftiger Zahnersatz
Wissenschaftlern des chinesischen Guangzhou-Instituts für Biomedizin und Gesundheit ist scheinbar eine kleine Sensation gelungen. Aus menschlichem Urin züchten sie Zähne. In einem Bericht im „Cell Regeneration Journal“ lässt die Forschergruppe keinen Zweifel daran, dass es eines Tages möglich sei, künftig auf diese Weise Zahnersatz zu produzieren. Die vollständige Wiederherstellung eines menschlichen Zahns sei das Ziel ihrer Arbeit.

Etwas weicher als normale Zähne
Möglich gemacht werden soll dies durch sogenannte induzierte Pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die aus Urin gewonnen werden könnten. Die chinesischen Wissenschaftler hätten daraus kleine zahnähnliche Bildungen gezüchtet, die zwar etwas weicher als normale Zähne seien, aber sonst fast die gleichen Eigenschaften besitzen würden. So bestehe den Angaben der Forscher zufolge das Gewebe aus Zahnmark, Dentinschicht und Zahnschmelz. Die Wissenschaftler hatten aus Urin gewonnene Stammzellen verwendet und diese zunächst mit Bindegewebszellen, die aus Mäusezähnen gewonnen wurden verbunden und das Ganze dann in die Tiere implantiert. Derzeit seien die Zahn-Züchtungen noch nicht im „Einsatz“. Es bestehe noch eine Gefahr der Verschmutzung durch im Urin enthaltene Bakterien.

„Tissue Engineering“
Allerdings zeigen sich die Wissenschaftler aus China überzeugt, dass ihren Ergebnissen weitere Studien folgen und künftig die vollständige Wiederherstellung eines menschlichen Zahns möglich sein werde. Die Methode des „Tissue Engineering“ (TE) wird als großer Fortschritt in der Medizin angesehen. Mit TE ist die künstliche Herstellung biologischen Gewebes durch die gerichtete Kultivierung von Zellen gemeint, damit krankes Gewebe bei einem Patienten ersetzt oder regeneriert werden kann. Zahnärztin Dr. Diana Svoboda erläuterte gegenüber „Bild.de“: „Das Tissue Engineering ist auf dem besten Wege, die Zahnmedizin zu revolutionieren. Es wurden hervorragende Fortschritte in der Forschung gemacht, sodass Zähne in vitro, also in einem Reagenzglas, als konventionelles Tissue Engineering, aber auch bereits in vivo – im Kiefer eines Tieres – im Rahmen einer Zahnregeneration gezüchtet werden konnten.“ Noch gebe es jedoch keine Erfahrungen, ob die bislang nur in Tierversuchen gewonnenen Ergebnisse auf den Menschen übertragbar seien. Dr. Svoboda meint, dass in schätzungsweise zehn bis 20 Jahren der erste biologische Zahn beim Menschen eingesetzt werde. (ad)

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Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de