Zahl 100-Jähriger in Deutschland steigt massiv

Fabian Peters

Immer mehr Menschen werden 100-Jahre oder älter

21.01.2013

Die Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland steigt rasant. Eine demografische Studie von Forschern der Universität Rostock verdeutlicht einen unerwartet schnellen Anstieg der Zahl der 100-Jährigen. Das Forscherteam um Professor Roland Rau führt diesen Anstieg der Lebenserwartung auf die „rapide sinkende Sterblichkeit ab dem 80. Lebensjahr zurück.“

Ab einem Alter von 100-Jahren sprechen die Wissenschaftler heute von „Höchstaltrigen“, was sich in Zukunft möglicherweise jedoch ändern könnte. Denn eine derartige Lebenserwartung ist den Ergebnisse der aktuellen Studie zufolge bei heute Geborenen durchaus nichts Ungewöhnliches. „Es gibt von uns Modellrechnungen, die besagen, dass nicht nur eine Vielzahl der heutzutage Neugeborenen das nächste Jahrhundert erleben wird, sondern auch die Hälfte davon ausgehen kann, 100 Jahre alt zu werden“, erläutert Professor Rau in einer aktuellen Pressemitteilung.

Sterblichkeit der über 80-Jährigen hat sich halbiert
Den Ergebnisse der Demografie-Forscher zufolge hat sich „seit 1960 in vielen Ländern die Sterblichkeit der 80-Jährigen mehr als halbiert.“ Dies bedeute konkret, dass vor 50 Jahren noch elf von 100 achtzigjährigen Frauen vor ihrem 81. Geburtstag starben, heute seien „es gerade mal vier.“ Eine wesentliche Rolle in Bezug auf die steigende Lebenserwartung schreiben die Wissenschaftler der „kardiovaskulären Revolution“ zu. Laut Aussage von Professor Rau können Ärzte heute Krankheiten am Herzen (z. B. Koronare Herzkrankheit) und an den Blutgefäßen (z. B. Arterienverkalkung) in vielerlei Hinsicht besser behandeln. Entsprechend geringer fällt die Anzahl der Todesfälle durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aus. Auch habe sich das „Wissen um die eigene Gesundheit“ in der Bevölkerung erhöht. Für die Lebenserwartung des Einzelnen spiele weiterhin der individuelle Lebensstil eine entscheidende Rolle. Insgesamt betrachtete lasse sich festhalten, dass die Deutschen so alt werden wie nie zuvor und „ein Ende nicht in Sicht“ ist, betonte Professor Rau.

Alterungsprozesse setzen immer später ein
Der zu beobachtende Trend einer stetig steigenden Lebenserwartung führt „auch dazu, dass der Alterungsprozess erst später einsetzt“, berichteten die Rostocker Wissenschaftler. Wird die Sterblichkeit als ultimativer Gesundheitsindikator herangezogen, so haben Frauen im Alter von 86 Jahren heute die Gesundheit einer 80-jährige Frauen vor 50 Jahren, erläuterte Prof. Rau. Den Angaben der Forscher zufolge steigt die höchste jährlich gemessene Lebenserwartung weltweit seit „mehr als 160 Jahren jedes Jahrzehnt um 2,5 Jahre oder um knapp sechs Stunden pro Tag.“ Diesem Trend sei auch die Bundesrepublik seit den 1950er Jahren gefolgt. Seit der Wiedervereinigung habe sich zudem eine Angleichung der Lebenserwartung in Ost- und Westdeutschland ergeben.

Angleichung der Lebenserwartung in West- und Ostdeutschland
Registrierten die Forscher um 1990 noch einen deutlichen Abstand in der Lebenserwartung von westdeutschen zu ostdeutschen Frauen (79 Jahre Westdeutschland; 76 Jahre Ostdeutschland), so liegen die Frauen bundesweit seit 2005 etwa auf gleichem Niveau. Heute werde ein gesamtdeutscher Durchschnittswert von 82,5 Jahren gemessen, berichten Professor Rau und Kollegen. Die interessante Frage sei, wieso die Lebenserwartung bei den ostdeutschen Frauen seit 1990 entsprechend schneller gestiegen ist als in Westdeutschland. Hier verfolge die Wissenschaft „zwei Haupt-Hypothesen: Es liegt am Geld, um sich gesünder ernähren zu können und (oder) an der Medizin.“ Um die persönliche Lebenserwartung möglichst zu maximieren, empfiehlt Professor Rau: „Das machen, was Mutter schon immer riet: ernähre Dich gesund, trink nicht so viel Alkohol und rauche nicht, treibe Sport, halte Dich geistig fit.“ Allerdings seien die großen Sprünge in der Lebenserwartung nicht auf derartige Maßnahmen, sondern auf „die enormen Fortschritte in der Medizin zurückzuführen“, so das Fazit des Rostocker Demografie-Forschers. (fp)