Zahl der Grippe-Fälle steigt rasant

Heilpraxisnet

Grippewelle im Anmarsch: Vor allem Süden und Osten von Influenza-Infektionen betroffen

13.02.2015

Die Grippe könnte Experten zufolge in diesem Jahr deutlich heftiger als im Vorjahr ausfallen. Bis Anfang Februar wurden bereits knapp 11.000 Influenza-Infektionen registriert. Aufgrund von Problemen mit dem Impfstoff könnten sogar gegen Grippe Geimpfte erkranken. Grund zur Panik gibt es aber laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) nicht. Zwar gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor den Influenza Viren, Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und sich nicht anhusten lassen, können das Risiko aber reduzieren.

Mehr Grippe-Fälle als im Vorjahr
Eine Grippe kommt meist plötzlich und unerwartet. Die Patienten fühlen sich von einem auf den anderen Moment schlapp und krank, wobei das Krankheitsgefühl den gesamten Körper betrifft. Hinzu kommen Schüttelfrost, hohes Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, trockener Husten, geschwollene Nasenschleimhaut und Augentränen. Auch Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall treten bei einigen Betroffenen auf.

In den vergangenen Wochen litten vielen an den Beschwerden. Mittlerweile hat sich die Virusinfektion bundesweit ausgebreitet, wobei die meisten Fälle im Osten und Süden gemeldet wurden. Bis zum 10. Februar erkrankten knapp 11.000 Menschen in Deutschland an der Grippe. Nur eine Woche zuvor waren es noch 6.400 Grippe-Kranke. „Stark erhöhte Influenza-Aktivität“, heißt im aktuellen Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des RKI.

„Insgesamt hat die Grippewelle etwas früher begonnen als in der vergangenen Saison, schon in der zweiten Kalenderwoche“, berichtet AGI-Leiterin Silke Buda gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Ob uns tatsächlich eine sehr heftige Grippewelle bevorsteht, ist aber nicht absehbar. „Wir spekulieren nicht", so Susanne Glasmacher vom RKI gegenüber der Agentur. „Wie lang und schwer eine Grippewelle verläuft, lässt sich einfach nicht prognostizieren." Derzeit sei nur sicher, dass die saisonale Grippe heftiger ist als im vergangenen Jahr. Das belegen die Fallzahlen: Während 2014 in der 12. Kalenderwoche am Höhepunkt der Grippewelle lediglich 702 Grippe-Fälle registriert wurden, waren es in diesem Jahr in der 6. Kalenderwoche bereits mehr als 4.500.

Impfstoff gegen Grippe könnte zu schwach sein
Untersuchungen des RKI haben ergeben dass der Influenza-A Subtyp H3N2 derzeit am weitesten verbreitet ist. Der Grippeimpfstoff enthält zwar eine Komponente gegen H3N2, jedoch könnte diese nicht ausreichend wirksam sein. Grund ist die Veränderung des Virenstamms seit der WHO-Empfehlung für die Impfstoffzusammensetzung im Frühjahr 2014, da das im Impfstoff enthaltene Eiweiß nicht mehr dem Oberflächeneiweiß der Viren entspricht. „Hier muss mit einer möglicherweise reduzierten Impfwirkung gerechnet werden“, erläutert Buda. Dies hätten auch Zahlen aus den USA, Kanada und Großbritannien gezeigt. Auch die WHO hatte im Januar darauf hingewiesen, dass Unterschiede zwischen dem Impfstoff und dem Erreger bestehen. Dennoch ist die Impfung die einzige effektive Möglichkeit der Vorbeugung vor einer Grippe. „Denn gegen die anderen Subtypen wirkt er ja“, so Buda.

Grippeimpfung wird kontrovers diskutiert
Ob eine Grippeimpfung sinnvoll ist oder nicht, wird kontrovers diskutiert. Während die einen den Pharmaherstellern Geldmacherei vorwerfen, betonen die anderen die Wichtigkeit der Grippe-Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI gibt zu diesem Thema eine Impfempfehlung heraus, die jedoch nur bestimmte Personengruppen betrifft. Demnach sollten sich ältere Menschen, Personen mit Grundkrankheiten wie Diabetes oder Asthma, Schwangere, medizinisches Personal und Betreuer von Risikopatienten gegen Influenza impfen lassen. Ob sich auch junge und gesunde Menschen impfen lassen sollten, muss jeder selbst entscheiden. Zwar ist das Risiko für Impfkomplikation gering, aber in sehr seltenen Fällen kann eine Impfung sogar lebensbedrohliche Folgen haben. Ebenso kann aber auch eine Grippe einen so schweren Verlauf nehmen, dass der Patient im schlimmsten Fall verstirbt.

Etwa 30 Prozent der Bevölkerung nehmen eine Grippeimpfung in Anspruch. Buda zufolge sind rund die Hälfte der Älteren und nur ein Viertel der Schwangeren geimpft, obwohl beide zu den Risikogruppen zählen. „Die bisherige Impfquote ist immer noch nicht zufriedenstellend“, so die Expertin. (ag)

Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de