Zahl der HIV-Neuinfektionen geht nicht zurück

Nina Reese

Rückgang der HIV-Infektionen nur bei homo- und bisexuellen Männern

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im vergangenen Jahr ist gegenüber denen in 2015 konstant geblieben. Wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Robert Koch-Institut (RKI) in einer gemeinsamen Pressemitteilung berichten, infizierten sich Schätzungen nach im Jahr 2016 etwa 3100 Menschen neu mit dem Virus. Rund 460 Menschen starben im letzten Jahr mit oder an HIV. Da nach wie vor viele Betroffene nichts von ihrer Infektion wissen, sei es ein wichtiges Ziel, die hohe Zahl von nicht diagnostizierten HIV-Fällen zu senken, so der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar H. Wieler.

Mehr als 3.000 Neuinfektionen

Etwa 3.100 Menschen haben sich hierzulande im Jahr 2016 neu mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) infiziert. Laut der gemeinsamen Pressemitteilung des Robert-Koch-Instituts und des Bundesministeriums für Gesundheit, bleibe die Zahl der Neuinfektionen damit insgesamt gegenüber dem Jahr zuvor konstant. Ende 2016 lebten demnach etwa 88.400 Menschen mit HIV in Deutschland – darunter 56.100 Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), circa 11.200 Heterosexuelle und etwa 8.200 intravenöse Drogengebraucher.

Die Zahlen der HIV-Neuinfektionen sind insgesamt konstant geblieben. Doch viele Betroffene wissen gar nichts von ihrer Ansteckung, da sie noch nicht getestet wurden. (gamjai/fotolia.com)

Sinkende Zahlen bei homosexuellen Männern

Die Trends würden in diesen Gruppen jedoch unterschiedlich verlaufen, erläuterte Lothar H. Wieler. „Die sinkende Infektionszahl bei der größten Gruppe von Betroffenen, den Männern, die Sex mit Männern haben, ist eine gute Nachricht“, so der Präsident des RKI. Hier ist die Zahl der neuen Ansteckungen von 2.500 im Jahr 2013 auf 2.100 im vergangenen Jahr gesunken, informiert das RKI im Epidemiologischen Bulletin (Ausgabe 47/2017).

„Aber bei Heterosexuellen steigen die geschätzten Neu-Infektionszahlen seit 2010 auf jetzt 750 im Jahr 2016“, unterstreicht Wieler. Etwa 490 Frauen (15,8%) und 260 Männer (8,4%) steckten sich dem RKI nach im letzten Jahr auf heterosexuellem Weg mit dem HI-Virus an. Die Übertragung des Virus erfolge dabei im Wesentlichen über sexuelle Kontakte zu Menschen aus den am stärksten betroffenen Gruppen (Männer, die mit Männern Sex haben, Menschen, die intravenös Drogen injizieren sowie im Ausland mit HIV infizierte Personen).

Auch bei Drogenkonsumenten sei dem RKI nach seit 2010 ein Anstieg auf etwa 240 Neuinfektionen in 2016 erkannbar. Einer der Gründe für diese Entwicklung liege in der steigenden Zahl von HIV-Infektionen unter Drogenkonsumierenden in Osteuropa infolge von mangelnder Prävention und neuen Drogen, die häufig injiziert werden. Aufgrund der erhöhten Mobilität wirke sich dieser Zuwachs auch auf das Infektionsgeschehen in Deutschland aus.

Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Infektion

Ein weiteres Problem: Viele der Infizierten wissen gar nicht, dass sie sich mit dem HI-Virus angesteckt haben. Dies betreffe der Mitteilung zufolge schätzungsweise 12.700 der 88.400 Menschen mit HIV. Zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 10.900 Betroffene, deren Infektion noch nicht diagnostiziert wurde. „Die hohe Zahl von nicht diagnostizierten Menschen mit HIV zu senken ist ein wichtiges Ziel“, betonte Wieler.

Späte Diagnose erhöht das Sterberisiko

Wird die Infektion erst spät erkannt, treten bei vielen Betroffenen durch das immer schwächer werdende Immunsystems verschiedene Krankheitsbilder auf, die zusammen genommen als „AIDS-Erkrankung“ bezeichnet werden. Dazu zählen beispielsweise Lungen­entzündungen durch Pilze, Tuberkulose oder durch Toxoplasmose ausgelöste Hirnentzündungen. Durch die späte Diagnose erhöhen sich folglich nicht nur die Behandlungs­kosten, sondern auch das Sterberisiko, so die Mitteilung.

Virus wird unwissentlich weitergegeben

Weiterhin besteht die Gefahr, dass das Virus ohne Wissen weitergegeben wird. Gerade heterosexuelle Personen schätzen ihr Ansteckungs-Risiko oft falsch ein oder verdrängen es, was dazu führt, dass sie sich seltener testen lassen und eventuelle Neuinfektionen – wenn überhaupt – erst spät diagnostiziert werden.

Um die Zahl der nicht-diagnostizierten Fälle einzudämmen, sollten niedergelassene Ärzte daher einen Test auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen entsprechend den Leitlinien anbieten, fordern das RKI und BMG.

Ängste und Unsicherheiten abbauen

„Die Zahlen zeigen, dass wir mit unserer erfolgreichen Präventionsarbeit und den guten Behandlungsangeboten auf dem richtigen Weg sind. Deutschland gehört zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Diese Anstrengungen müssen kraftvoll fortgesetzt werden mit dem Ziel, die Zahl der Ansteckungen weiter zu senken“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Dies schließe auch die Information über die Erkrankung ein, um „Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit HIV-infizierten Menschen abzubauen, damit ein vorurteilsloses Zusammenleben zur Selbstverständlichkeit wird“, so der CDU-Politiker. (nr)