19.000 Klinik-Tote: Hat die AOK stark übertrieben?

Fabian Peters

Angaben im AOK-Krankenhausreport fehlerhaft? – DKG widerspricht der Zahl von 19.000 Todesfällen durch fehlerhafte Krankenhausbehandlungen

25.01.2014

Nachdem die AOK in ihrem aktuellen Krankenhausreport zu dem Schluss kam, dass in den Kliniken deutschlandweit knapp 19.000 Todesfälle aufgrund von Behandlungsfehlern pro Jahr eintreten, reagiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) empört. Die Zahlen sind nach Einschätzung der DKG völlig übertrieben. „Ich fordere den AOK-Bundesverband auf, sich für die Behauptung im aktuellen Krankenhausreport, zu entschuldigen“, betonte Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Der „Abschluss einer zwischenzeitlich vorgenommenen, ausführlichen Prüfung aller verfügbaren Daten über Schadenshäufigkeiten bei Krankenhausbehandlungen“, ergab laut Angaben der DKG, dass die maximal anzunehmende Zahl der Klinik-Todesfälle aufgrund von Behandlungsfehlern deutlich unter den angegebenen 18.800 liegt. Tatsächlich seien bei den Anträgen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammern lediglich 82 auf Todesfälle bezogen und selbst bei Berücksichtigung der Schadendatenbanken von Haftpflichtversicherern komme die Hochrechnung auf maximal rund 1.200 Schadensansprüche mit Todesfallhintergrund.

Unseriöse Berechnung der tödlichen Behandlungsfehlern
Der Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) habe insgesamt nur 8.600 Fälle vermuteter Behandlungsfehler für den Krankenhausbereich gelistet, wohingegen die AOK von 188.000 Fällen ausgeht, berichtet die DKG weiter. Hinzu komme die fehlerhafte Annahme, dass jeder zehnte dieser behaupteten Behandlungsfehler so gravierend sei, dass die Patienten in der Folge versterben. Nach Einschätzung des DKG-Präsidenten eine äußerst unseriöse Berechnung. Zumal kleinere Behandlungsfehlern wie Medikamentenverwechslungen oder leichte Infektionen in der Regel kein lebensbedrohliches Risiko darstellen. Außerdem hätten für den AOK-Krankenhausreport die Daten der Schlichtungsstelle, der Haftpflichtversicherer und des MDK berücksichtigt werden müssen. Stattdessen seien der Hochrechnung fortgeschriebene Schätzungen aus den Jahren 1996 bis 2006 zugrunde gelegt worden. Hier hätten unter anderem die fundamentalen „Weiterentwicklungen bei der Installierung von Vorkehrungen und Instrumenten zur Verbesserung der Patientensicherheit und der Qualität der Krankenhausleistungen“ keine Berücksichtigung gefunden, berichtet die DKG. Alfred Dänzer kommt zu dem Schluss, dass „die im Report behauptete Zahl von Toten nur eine wissentliche Falschangabe sein“ kann.

Entschuldigung der AOK gefordert
Die Faktenanalyse ergibt laut Mitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dass die Angaben der AOK zu den Todesfällen infolge von Behandlungsfehlern in Krankenhäuser „absolut unseriös“ sind. DKG-Präsident Dänzer betonte, dass hier in unverantwortlicher Weise die Leistungen der Krankenhäuser und ihrer über eine Million engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verunglimpft und die Patienten verunsichert würden. Er erwarte daher von der AOK eine Entschuldigung für die Falschbehauptungen in dem Krankenhausreport. (fp)

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