Zahnarzt: Wann ist eine Wurzelbehandlung wirklich notwendig?

Hat sich das Zahnmark stark entzündet, ist eine Wurzelbehandlung oft die einzige Alternative zum Zahn ziehen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Nina Reese
Wurzelbehandlung kann bei Zahnentzündung die letzte Chance sein
In den meisten Fällen ist Karies dafür verantwortlich, wenn die Zahnwurzel behandelt werden muss. Denn wenn sich die zerstörenden Bakterien einen Weg ins Zahninnere gebahnt haben, droht eine Entzündung des Zahnnervs. Damit der der Nerv nicht abstirbt oder sich die Entzündung auf den umgebenden Zahnhalteapparat ausbreitet, wird normalerweise eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Im Gespräch mit der „dpa“ erklären Experten, wie diese durchgeführt wird und welche Erfolgsaussichten bestehen.

Richtige Zahnhygiene schützt vor Karies
Eine sorgfältige Zahnhygiene ist der beste Schutz vor Karies, Parodontose und anderen Zahnerkrankungen. Denn wird vorhandener Zahnbelag (Plaque) durch regelmäßiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide möglichst vollständig entfernt, hilft dies, Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten. Wer es mit der Mundhygiene nicht so genau nimmt, riskiert hingegen unangenehme Folgen. Gleiches gilt, wenn man nicht regelmäßig zum Zahnarzt geht und die Zähne auf Veränderungen kontrollieren lässt.

Hat sich das Zahnmark stark entzündet, ist eine Wurzelbehandlung oft die einzige Alternative zum Zahn ziehen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Hat sich das Zahnmark stark entzündet, ist eine Wurzelbehandlung oft die einzige Alternative zum Zahn ziehen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Bakterien können ins Zahninnere gelangen
Werden die kariesauslösenden Bakterien (Plaque) nicht regelmäßig entfernt, können diese die Zahnsubstanz zerstören und dadurch ins Zahninnere vordringen. Hier können sie sich ausbreiten und zu starken Schädigungen der Zahnpulpa führen, die den inneren Teil des Zahnes ausfüllt. Die Pulpa – auch als „Zahnmark“ oder „Zahnnerv“ bekannt – besteht aus empfindlichem Bindegewebe, Nervenfasern, Blut- und Lymphgefäßen. Sie reicht von der Zahnkrone bis zur Wurzelspitze, wo die Gefäße und Nerven austreten und in den Kieferknochen münden.

Typisch sind starke Schmerzen und erhöhte Empfindlichkeit
Dringen Bakterien in die Pulpa ein, entsteht eine Entzündung. „Bemerkbar macht sich das durch akute und meist stechende Schmerzen“, erklärt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin, gegenüber der „dpa“. Neben den starken Zahnschmerzen kann es durch den kranken Zahn zu Heiß- und Kaltempfindlichkeiten, Beschwerden beim Beißen und starker Druckempfindlichkeit kommen. Ist die Entzündung bereits weiter fortgeschritten, kann sie auf den Kieferknochen und das umliegende Gewebe übergehen. Es entsteht ein Abszess, der von außen als Gesichtsschwellung bzw. „dicke Backe“ erkennbar ist.

Zahn droht abzusterben
Wird nicht spätestens jetzt behandelt, können sich die Keime über den Blutkreislauf weiter im Körper ausbreiten. Im schlimmsten Fall können sie sogar in Richtung Herz wandern oder ins Gehirn vordringen und zu schweren Erkrankungen führen, warnt die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Zudem kann das Zahnmark in Folge der Entzündung absterben und ein „toter Zahn“ zurück bleiben.

Aufwändiger Eingriff durch gebogene Wurzelkanäle
Durch eine Wurzelbehandlung können solch bösen Folgen jedoch verhindert und der natürliche Zahn erhalten werden. Zu Beginn des Eingriffs erfolgt die Betäubung, „dann bohrt der Zahnarzt ein Loch in den Zahn und ortet die Hauptkanäle der einzelnen Wurzel“, so der Zahnarzt Joachim Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Initiative proDente in Köln. Mit winzigen Instrumenten wird anschließend das schmerzhaft entzündete oder auch abgestorbene Gewebe in dem betroffenen Wurzelkanal entfernt. Eine mitunter komplizierte Angelegenheit, denn die Kanäle können stark gebogen sein, betont Hoffmann.

Oft sind mehrere Behandlungsschritte nötig
Anschließend werden die Hohlräume gereinigt und desinfiziert, um sie von möglichen Keimen zu befreien, so die Information der KZBV. Dann erfolgt die Füllung der Wurzelkanäle, wobei hier unter Umständen mehrere Behandlungsschritte erforderlich sein können. Denn liegt eine bakterielle Infektion vor, wird meist zunächst eine medikamentöse Einlage in den Wurzelkanal eingebracht. Sind die Wurzelkanäle frei von Bakterien, können sie dann mit einer speziellen Masse abgedichtet werden. Nach der Wurzelbehandlung sollte der Zahn zum besseren Schutz mit einer Krone oder Teilkrone versehen werden.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig
Wichtig ist ein nach dem Eingriff eine regelmäßige Kontrolle durch den Arzt. Mittels Röntgenaufnahmen wird dabei der Knochen auf eine mögliche Entzündung hin geprüft. „Grundsätzlich gibt es keine Erfolgsgarantie bei einer Wurzelbehandlung“, betont Hoffmann. Denn der Dentist kann nicht alle Risikofaktoren wie z.B. Vorschädigungen des Zahns beeinflussen. Daher sollte der Patient im Vorhinein über mögliche mögliche Komplikationen aufgeklärt werden.

„Nach einer Wurzelbehandlung können im Schnitt mehr als 90 Prozent der behandelten Zähne auch nach zehn Jahren noch funktionsfähig in der Mundhöhle erhalten werden“, erläutert Christian Gernhardt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. Gernhardt ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) in Leipzig. Alternativ besteht die Möglichkeit, den betroffenen Zahn zu ziehen – doch das bedeutet unter Umständen hohe Kosten für einen Zahnersatz.

Krankenkassen übernehmen nicht in jedem Fall die Kosten
Ob die Kosten für die Wurzelbehandlung von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Müssen die Frontzähne sowie kleine Backenzähne behandelt werden, übernehmen die Kassen normalerweise die Kosten. Anders sieht es hingegen bei großen Backenzähnen aus: „Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine Wurzelbehandlung in der Regel dann, wenn abzusehen ist, dass der Zahn auch tatsächlich erhalten werden kann“, so Oesterreich.

Die Patienten sollten daher vor dem Eingriff von ihrem Zahnarzt schriftlich über die Kosten informiert werden. Diese können jedoch nicht immer exakt kalkuliert werden. Ist z.B. ein Wurzelkanal stärker verzweigt als zuvor angenommen, kann die Behandlung aufwändiger werden und dadurch unter Umständen mehrere hundert Euro pro Zahn kosten.

Auch Sportverletzungen oder Zähneknirschen können Entzündungen verursachen
Neben Karies können auch mechanische Auslöser wie zum Beispiel ein Schlag auf den Zahn beim Sport oder Zähneknirschen eine Entzündung des Zahnmarks auslösen. Weitere mögliche Ursachen sind schief gewachsene Weisheitszähne oder eine nicht ausreichend behandelte Parodontitis. Um eine aufwändige Wurzelbehandlung zu vermeiden, sollte man daher z.B. bei risikoreichen Kampfsportarten einen Mundschutz verwenden. Generell gilt es natürlich, auf die richtige Zahnhygiene zu achten und seine Zähne regelmäßig vom Zahnarzt auf Karies kontrollieren zu lassen. (nr)

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