Zecken lieben mildes Wetter

Alfred Domke

Zecken lieben mildes Wetter

13.07.2013

Der Sommer ist zurück und viele Menschen verbringen ihre Zeit im Freien. Doch Vorsicht: Das feuchte Wetter der letzten Monate hat die Gefahr erhöht, durch Zeckenstiche schwer zu erkranken.

FSME-Erreger in der Nähe des Polarkreises
Monatelang feuchtes Wetter hierzulande und der daraus folgende ziemlich späte Sommerbeginn haben die Zecken-Population explodieren lassen und so dazu beigetragen, dass in vielen Gegenden Deutschlands die Gefahren einer Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME) oder einer Borreliose deutlich gestiegen sind. Hierzulande sind Zecken oft den gesamten Winter hindurch aktiv. In Europa könne man laut Experten von mehr als 15.000 FSME-Erkrankungen pro Jahr ausgehen. FSME-befallene Zecken sind inzwischen in Finnland auch schon 200 Kilometer südlich des Polarkreises gefunden worden.

Starke regionale Unterschiede
In Deutschland kommt es zu starken regionalen Unterschieden. So warnte etwa das Gesundheitsamt im niedersächsischen Uelzen, dass mittlerweile fast jede dritte Zecke mit dem Borreliose-Erreger infiziert sei. Für den Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt konnte Amtsarzt Dr. Peter Wiesner der Altmark-Zeitung gegenüber solche Zahlen nicht bestätigen. Laut Wiesner ist für 2013 nur ein Fall von Borreliose und kein Fall von FSME in der Region bekannt. Dr. Daniel Ecker, Oberarzt der Neurologie in der Kreisklinik Biberach in Baden-Württemberg erklärt zur Lage im Süden: „Beide Erkrankungen spielen in Biberach eine Rolle, wir hier gehören zum Risikogebiet.“

FSME-Schutzimpfung
Selbst in Regionen in denen Infektionsrisiken eher gering sind, gilt es sich zu schützen, da die Folgen verheerend sein können. Der Neurologe Frank Erbguth vom Klinikum Nürnberg erklärte, dass sich im Gegensatz zur Borreliose, die sich mit Antibiotika behandeln lasse, bei FSME nur die Symptome gelindert werde können. Lediglich eine Impfung biete einen nahezu vollständigen Schutz. Erbguth rät deswegen: „Wer sicher gehen will, sollte es tun.“ Bei den über 50-Jährigen biete eine Impfung einen Schutz von bis zu drei Jahren und bei jüngeren Menschen bis zu fünf. Und auch obwohl bei älteren Menschen die Impfmoral eher sinkt, haben in Bayern und Baden-Württemberg rund 16 bis 20 Prozent der Menschen damit vorgesorgt. In den beiden Bundesländern besteht deutschlandweit mit die höchste Gefährdung.

Helle Kleidung hilft
Borreliose kann lange ohne Symptome bleiben, sodass auftretende Beschwerden nicht mehr unbedingt mit dem Zeckenbiss in Verbindung gebracht werden. Es kann zu typischen Grippesymptomen kommen: Kopfschmerzen, Fieber, Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit. Da eine Gegenimpfung nicht möglich ist, rät Amtsarzt Wiesner zur Prävention: „Helle Kleidung hilft, weil Zecken besser erkennbar sind und weil helle Kleidung nicht so viel Wärme produziert. Wärme lockt Zecken magisch an.“

Schnelligkeit hilft nicht bei FSME
Entdeckt man einen Zeckenstich, sollte schnell gehandelt werden. Wiesner empfiehlt: „Die Zecke sollte so früh und so vollständig wie möglich entfernt werden.“ Denn nach frühestens acht und spätestens nach 30 Stunden habe die Zecke ausreichende Mengen an Bakterien in den Körper injeziert. Der Krankheitsverlauf bei Borreliose könne sich über Monate hinziehen. Teilweise treten die Symptome erst nach Jahren auf. Laut Wiesner helfen dann nur noch „chemische Grundreinigungen.“ Durch hochdosierte Antibiotika könne die Krankheit besiegt werden. Er betonte jedoch: „Das hat natürlich starke Nebenwirkungen.“ Im Gegensatz dazu hilft das rasche Entfernen jedoch nicht gegen FSME. Die Erreger sitzen in den Speicheldrüsen der Zecken und gelangen bei einem Stich sofort in den menschlichen Körper.
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Bild: Bernd Lang / pixelio.de