Zeigen Frauen eine viel bessere Ausdauer als Männer?

Alexander Stindt
Männer sind stärker, Frauen haben aber eine stark erhöhte Ausdauer
Generell würden die meisten Menschen wahrscheinlich annehmen, dass ihr Geschlecht körperlich stärker ist und auch eine erhöhte Muskelausdauer aufweist. Forscher fanden jetzt jedoch heraus, dass Frauen nach dynamischen Muskelübungen erheblich weniger erschöpft sind als Männer.

Die Wissenschaftler der University of British Columbia stellten bei ihrer aktuellen Studie fest, dass Frauen eine höhere Ausdauer aufweisen, verglichen mit männlichen Pendants. Die Experten veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Im besten Fall macht Sport Spaß und ist gesund für den Körper. Es ist schon lange bekannt, dass Männer generell kräftiger sind und so bei einigen Sportarten einen Vorteil gegenüber Frauen haben. Mediziner konnten jetzt feststellen, dass Frauen dafür eine stark verbesserte Ausdauer gegenüber Männern aufweisen. (Bild: Sabine Hürdler – fotolia)

Frauen besitzen eine stark erhöhte Muskelausdauer
Die Ergebnisse der neuen Forschungsarbeit deuten darauf hin, dass Männer zwar körperlich stärker sind als Frauen, Frauen aber dafür eine stark erhöhte Muskelausdauer besitzen. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, nachdem sie feststellten, dass Frauen nach natürlichen, dynamischen Muskelübungen erheblich weniger erschöpft waren als Männer, welche ein ähnliches Alter und vergleichbare sportliche Fähigkeiten hatten.

Haben Frauen eine erhöhte Ausdauer bei dynamischen und praktischen Bewegungen des Alltags?
„Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass Frauen bei sogenannten isometrischen Muskelversuchen weniger ermüden als Männer“, sagen die Mediziner. Bei diesen statischen Übungen bewegen sich die Gelenke nicht, wenn ein Gewicht gehalten wird. Wir wollten herausfinden, ob dieses Ergebnis auch bei dynamischen und praktischen Bewegungen des Alltags bestehen bleibt, so Autor Professor Brian Dalton. Die Antwort scheint ziemlich eindeutig zu sein: Frauen haben auch hier ein stark erhöhte Ausdauer, verglichen mit Männern.

Mediziner untersuchten Geschwindigkeit, Kraft und die elektrische Aktivität der Muskeln
Für die Studie wurden acht Männer und neun Frauen untersucht, welche alle auf einem ähnlichen Niveau der körperlichen Fitness waren. Die Teilnehmer wurden von den Experten gebeten, eine Übung durchzuführen, bei der sie möglichst schnell 200 mal ihren Fuß gegen eine Reihe von Sensoren beugen sollten. Geschwindigkeit, Kraft, die elektrische Aktivität der Muskeln und das Drehmoment der Bewegungen wurden im Laufe der Untersuchung erfasst und aufgezeichnet, erläutern die Wissenschaftler.

Männer sind anfangs stärker, ermüden dann jedoch viel schneller
„Wir haben uns entschieden diese Fußbewegungen zu messen, weil bei der Bewegung die Wadenmuskeln auf der Rückseite des Beines gebraucht werden“, sagen die Experten. Diese Muskeln seien für praktische, alltägliche Aufgaben wie das Stehen und das Gehen wesentlich, erklärt Professor Dalton weiter. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Männer anfangs schneller und stärker waren, dann aber viel schneller ermüdeten als Frauen.

Es wurde nur eine isolierte Muskelgruppe untersucht
Obwohl nur eine isolierte Muskelgruppe untersucht wurde, ist es zu erwarten, dass ähnliche Ergebnisse bei anderen Muskelgruppen auftreten. Dies würde im Einklang mit Beobachtungen stehen, die schon zuvor von Experten gemacht wurden, sagt Dalton. Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass bei Ereignissen wie den sogenannten Ultra-Trail-Läufen Männer zwar schneller sind, aber Frauen dafür am Ende deutlich weniger Erschöpfung aufweisen, fügt der Experte hinzu.

Spezielle Fähigkeiten von beiden Geschlechtern müssen unterstützt werden
Die Ergebnisse könnten zum Entwerfen von Trainingsprogrammen genutzt werden oder zu einer Anpassung der Arbeitsumgebung. So könnte die arbeitsbedingte Müdigkeit minimiert und die allgemeine Produktivität verbessert werden, erläutern die Forscher. „Beide Geschlechter haben wertvolle körperliche Fähigkeiten und es macht nur Sinn, dass wir Möglichkeiten untersuchen und entwickeln, um ihnen die bestmögliche Unterstützung zu bieten“, fügt Professor Brian Dalton hinzu. (as)