Zeugungszeitpunkt bestimmt Baby-Gesundheit

Nina Reese

Zeitpunkt der Zeugung beeinflusst Gesundheit des Babys

09.07.2013

Hat der Zeitpunkt der Zeugung Einfluss auf die Gesundheit des Babys? Laut US-amerikanischen Forschern durchaus – so würde beispielsweise das Risiko einer Frühgeburt steigen, wenn die Befruchtung im Mai stattgefunden hat, der Grund dafür könnten möglicherweise Grippeviren sein.

Grippe-Viren verantwortlich für erhöhte Anzahl an Frühgeburten?
Sind Kinder, die im Juli geboren werden, gesünder, als Dezember-Babys? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler bereits seit knapp hundert Jahren. Nun haben US-Forscher der Princeton University sich erneut diesem Thema angenommen und sind dabei unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass bei Kindern, die im Mai gezeugt werden, die Wahrscheinlichkeit steige, zu früh auf die Welt zu kommen – und damit einhergehend ein größeres Risiko für verschiedene Krankheiten bestehe. Der Grund für diesen Zusammenhang könne den beiden US-Forschern Janet Currie und Hannes Schwandt nach die Influenza sein: Denn diese könne bei schwangeren Frauen unter Umständen zu einer Frühgeburt führen – und da der errechnete Geburtstermin nach einer Befruchtung im Mai im Januar oder Februar liegt, falle dieser damit exakt mitten in die jährliche Grippe-Saison der USA.

US-Forscher analysieren Daten von mehr als 1,4 Millionen Kindern
Die Forscher hatten für ihre Untersuchung „die Saisonalität der Gesundheit bei der Geburt mit einer großen Stichprobe von 647.050 US-Gruppen von Geschwistern mit insgesamt 1.435.213 Kindern analysiert“, so der Bericht von Janet Currie und Hannes Schwandt im Fachmagazin "PNAS". Dabei hatten die Forscher zum Zwecke einer genauen Untersuchung möglicher Zusammenhänge bewusst nur die Daten von Frauen verwendet, die mehr als ein Kind zur Welt gebracht hatten – denn bei zwei zu unterschiedlichen Jahreszeiten geborenen Kindern sei es „weniger wahrscheinlich, dass der Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Geburt mit der Mutter selbst zu tun habe“, so die Erklärung der Wissenschaftler. Die Idee hinter dieser Methode: Verzerrungen der Ergebnisse vermeiden – denn „neue Arbeiten zeigen, dass Mütter mit niedrigerem sozioökonomischen Status ihre Kinder tendenziell eher in Monaten zur Welt bringen, die mit vermehrten Komplikationen während und nach der Geburt in Verbindung gebracht werden“, so die beiden Forscher.

„Zunahme von Frühgeburten von mehr als 10 Prozent“ bei im Mai gezeugten Kindern
Durch die Auswertung der Daten kamen die Forscher zu interessanten Ergebnissen: So zeigte sich zum einen „ein deutlicher Tiefpunkt bei der Schwangerschaftslänge unter Babys, die im Mai gezeugt worden waren, was einer Zunahme von Frühgeburten von mehr als 10 Prozent entspricht“ und möglicherweise eine Folge des Grippe-Effekts sein könne, wie Currie und Schwandt in ihrem Artikel schreiben. Darüber hinaus fanden die beiden Wissenschaftler aber noch einen weiteren Zusammenhang: So hatten „Kinder, deren Zeugung im Sommer stattgefunden hatte, acht bis neun Gramm zusätzliches Gewicht bei der Geburt“ im Vergleich zu den anderen Kindern, was vermutlich mit einer höheren Gewichtszunahme der Mütter während der Schwangerschaft zusammenhänge – Rauchen oder der Familienstand würden hingegen diese Zusammenhänge nicht erklären können, schreiben die Forscher.

Grippe als mögliche Erklärung für Frühgeburten bisher nicht ausreichend beachtet
Frühere Studien hatten bereits ähnliche Erkenntnisse gebracht, doch hier sei nach Ansicht der Forscher die Influenza als mögliche Erklärung für vermehrte Frühgeburten nicht ausreichend berücksichtigt worden. Allerdings sei laut den Autoren des Artikels auch zu berücksichtigen, dass eine Influenza-Erkrankung der Mutter in den ersten Schwangerschaftsmonaten erhöhte Risiken – zum Beispiel in Hinblick auf geistige Schädigungen – für ungeborene Kinder bedeuten würde. Dennoch würden die Ergebnisse der aktuellen Studie darauf hindeuten, dass Kinder, die im Sommer geboren werden, einen gesundheitlichen „Vorteil“ gegenüber im Winter geborenen Babys haben könnten, so die Forscher in ihrem Artikel. (nr)

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Bild: Melling liudmila / pixelio.de