Zika-Virus: Forscher weisen Zusammenhang der Infektion mit Schädelfehlbildungen nach

Eine Infektion mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft kann zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. (Bild: airdone/fotolia.com)
Fabian Peters
Seit Monaten breitet sich das tropische Zika-Virus immer weiter in verschiedenen Ländern Süd- und Mittelamerikas aus. Schon länger wird vermutet, dass eine Infektion bei schwangeren Frauen unter Umständen zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen könne. US-Forscher konnten diesen Zusammenhang nun belegen und berichten im „New England Journal of Medicine“ von ihren Erkenntnissen.

Virus breitet sich seit Monaten immer weiter aus
Das Zika-Virus grassiert nunmehr seit Monaten in verschiedenen Ländern Süd- und Mittelamerikas. Durch Reisende gelangt der Erreger immer wieder auch in Länder außerhalb der betroffenen Regionen, auch in Deutschland wurden mehrere Zika-Fälle bestätigt. Das Virus stand schon länger im Verdacht, Auslöser der so genannten „Mikrozephalie“ zu sein, einer Entwicklungsbesonderheit, bei welcher der Schädel im Vergleich zum Normalzustand ungewöhnlich klein ist. Dies kann zu Hirnfehlbildungen führen, wodurch die betroffenen Kinder häufig geistig behindert sind und unter neurologischen Störungen leiden. Einen Beweis für diese Verknüpfung gab es jedoch bislang nicht.

Eine Infektion mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft kann zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. (Bild: airdone/fotolia.com)
Eine Infektion mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft kann zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. (Bild: airdone/fotolia.com)

Wendepunkt im Kampf gegen das Virus
Nun hat die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) am Mittwoch einen Nachweis für den Zusammenhang zwischen einer Zika-Infektion und Mikrozephalie vorgelegt. Dieser bedeute laut dem CDC-Direktor Tom Frieden einen „Wendepunkt im Kampf gegen Zika“, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“. Wie die CDC-Forscher im „New England Journal of Medicine“ schreiben, gebe es jedoch nicht den einen Beleg, sondern vielmehr eine Kette aus Beweisen, die aus verschiedenen Studien und umfangreichen Untersuchungen hervor gegangen seien. „Auf der Grundlage der Überprüfung dieser Daten schlussfolgern wir, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer pränataler Zika-Virus-Infektion und Mikrozephalie sowie anderen schweren Gehirn-Anomalien vorhanden ist“ so die Experten in ihrem Artikel.

Weitere Forschungen sind dringend nötig
Trotz der neuen Erkenntnisse blieben dennoch viele Aspekte ungeklärt, schreiben die Wissenschaftler weiter. Hierzu zähle vor allen die wichtige Frage, wie oft eine Infektion tatsächlich zu einer Schädelfehlbildung führt. Denn der erbrachte Beleg bedeute nicht, dass sich jede Ansteckung mit dem Zika-Virus negativ auf das ungeborene Kind auswirke, betonen die Forscher. „Wie man während des jüngsten Ausbruchs von Zika sehen konnte, haben einige infizierte Frauen Kinder zur Welt gebracht, die gesund zu sein scheinen“, so der Bericht.

Dementsprechend seien nun dringend weitere Untersuchungen nötig, um die offenen Fragen zu klären. Schwangere Frauen sollten auf Anraten der US-Gesundheitsbehörde auch weiterhin Reisen in Gegenden mit Zika möglichst vermeiden bzw. sich bei einem Aufenthalt in einer betroffenen Regionen unbedingt vor Moskitostichen schützen. Zudem sei es wichtig, dass Paare in diesen Bereichen durch die Verwendung entsprechender Verhütungsmittel eine sexuelle Übertragung verhindern, so die CDC.

Virus kann auch nach der Geburt zu Schädigungen führen
Erst kürzlich hatten brasilianische Forscher den alarmierenden Hinweis gegeben, dass Zika möglicherweise eine noch größere Gefahr sei, als bisher angenommen. Wie der Zika-Forscher Stevens Rehen vom Instituto D’Or in Rio de Janeiro gegenüber der „dpa“ erklärte, könne Zika nicht nur bei Embryonen, sondern auch nach der Geburt auf das Kind einwirken. Demnach bestehe durch die Schädigung von Nervenzellen die Gefahr für einen Hör- und Sehverlust, zudem sei in Brasilien ein auffälliger Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) zu beobachten. Bei diesem handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Nerven, die durch zunehmende Lähmungen und Sensibilitätsstörungen gekennzeichnet ist und im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Brasilien gilt als das am stärksten von dem Virus betroffene Land, allein dort sind Schätzungen zufolge über eine Million Menschen infiziert. Die Zahl der bestätigten Mikrozephalie-Fälle sei den Angaben der „dpa“ zufolge laut dem Gesundheitsministerium auf 1113 gestiegen, bei 189 Müttern konnte demnach das Zika-Virus nachgewiesen werden. Dieses wird hauptsächlich durch die Gelbfiebermücke Aedes Aegypti übertragen, auch Dengue und Gelbfieber können durch diese Art weiter gegeben werden. Aedes Aegypti sind in weiten Teilen Brasiliens verbreitet, mittlerweile setzt das Land sogar Militär im Kampf gegen die gefährlichen Zika-Mücken ein.

Regierung will Sportler und Besucher der olympischen Spiele schützen
Mit einer Ausweitung des Mückenbekämpfungs-Programms will die brasilianische Regierung zudem Aktive und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) vor dem Virus schützen. Wie die dpa berichtet, sei im Zuge dessen an mehr als 50.000 Hotels, Bars und Restaurants landesweit ein Maßnahmenkatalog zur besseren Bekämpfung der Mücken verschickt worden, ebenso würden während der Spiele die Vorsorge- und Diagnosemaßnahmen verstärkt. Über 260.000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen sich demnach verstärkt um die Bekämpfung der Mückenart kümmern – denn ein Impfstoff steht bislang nicht zur Verfügung. Die Organisatoren der Olympischen Spiele betonen jedoch indes, dass die Insekten zum Zeitpunkt der Spiele kaum mehr aktiv sein würden. Denn da das Land fast vollständig auf der Südhalbkugel der Erde liegt, beginnt im Juni dort der südamerikanische Winter.

Infektion verläuft in den meisten Fällen unbemerkt
Das Zika-Virus hatte sich binnen weniger Monate in mehr als 20 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent verbreitet und ist mittlerweile in rund 50 Ländern aufgetaucht. Es ist nicht tödlich und in den meisten Fällen verläuft eine Infektion so milde, dass sie von dem Betroffenen gar nicht bemerkt wird. Bei rund 20 Prozent der Infizierten treten jedoch grippeähnliche Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf, teilweise kommt es auch zu Hautausschlag. (nr)

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