Zu viel Nitrat im Trinkwasser

Heilpraxisnet

Strengere Dünge-Regeln gefordert

24.07.2013

Die Wasserwerke haben immer größere Schwierigkeiten die vorgeschriebenen Nitrat-Grenzwerte einzuhalten, weil die Landwirte immer mehr düngen, berichtet die ARD-Sendung „Report Mainz“. In dem Beitrag wird der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, mit der Aussage zitiert: „Das Umweltbundesamt empfiehlt dringend, dass die Dünge-Verordnung präzisiert und verschärft wird.“ Strengere Dünge-Regeln sind nach Ansicht aller zitierten Fachleute unumgänglich, doch werden diesen den Aussagen der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zufolge vermutlich noch einige Zeit auf sich warten lassen.

Hohe Nitratwerte im Grundwasser sind auf Dauer ein erhebliches Problem, da auch das Trinkwasser in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies kann für den Menschen unter Umständen ein erhebliches Risiko darstellen, da hohe Nitratkonzentrationen Krebs auslösen können. Nicht ohne Grund gilt hier ein Grenzwert von maximal 50 Milligramm pro Liter. Doch durch den Nitrat-Eintrag über Gülle aus der Massentierhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen würden die Werte nach oben getrieben, und die Wasserwerke hätten erhebliche Schwierigkeiten die Grenzwerte einzuhalten, berichtet „Report Mainz“. Etwas provokant formuliert Alfons Baier, Geologe der Universität Erlangen, in dem aktuellen Beitrag, dass in einigen „Regionen in Nordbayern, das Grundwasser direkt zum Düngen für die Felder verwenden kann. So viel an Düngemitteln, an Gülleinhaltsstoffen ist da drin.“

EU-Kommission fordert Senkung der Nitratwerte
Nicht nur das Umweltbundesamt plädiert für strengere Dünge-Regeln, sondern auch die EU-Kommission in Brüssel macht laut „Report Mainz“ massiv Druck. Dem Sender liege ein internes Schreiben der Umweltkommission vor, in dem sich die Behörde „weiterhin über die Entwicklung der Wasserqualität in Deutschland besorgt“ zeigt und eine schnellstmögliche Senkung der Nitratwerte fordert. Wie gravierend das Problem mittlerweile ist, geht aus der Aussage des Präsidenten des Umweltbundesamtes hervor. „Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland hat zu hohe Nitratwerte“, berichtet Flasbarth. In Regionen mit hohen Viehdichten sei die Situation besonders bedenklich. „Und in den letzten Jahren kommt zusätzlich die Belastung aus Biogasanlagen beziehungsweise dem damit verbundenen Maisanbau“ hinzu, so Flasbarth weiter. Daher sei es bei einer Neufassung der Düngemittel-Verordnung wichtig, „dass wir die Gärreste auch mit in die Düngebilanz einbeziehen“, was im Augenblick nicht der Fall ist.

Neue Düngemittel-Verordnung bislang nicht in Sicht
Als Vertreter der Wasserwerke wird in dem Beitrag unter anderem Manfred Kraheberger vom Wasserzweckverband Rottenburger Gruppe zitiert, der betont, wie alarmierend die Situation derzeit ist. „Man kann das ja wunderbar ablesen, es steigt von Jahr zu Jahr um ein Milligramm. Wir sind knapp vor dem Grenzwert. Es ist damit zu rechnen, dass der Nitratgrenzwert irgendwann nicht eingehalten werden kann“, so Kraheberger gegenüber „Report Mainz“. Die Zuständigkeit für eine neue Düngemittelverordnung liegt bei der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Doch deren Aussage, dass im Moment gerade an der ganzen Düngeverordnung gearbeitet werde und dies ein normaler Prozess sei, der in der Regel mehrere Jahre dauern kann, lässt hier auf keine schnelle Lösung des Problems hoffen. So bleibt zu befürchten, dass das Grundwasser weiter verpestetet und letztlich auch die Qualität des Trinkwassers leiden wird. (fp)

Advertising

Bildnachweis: Marianne J. / pixelio.de