Zu viel Salz in Fertiggerichten

Fabian Peters

Verarbeitete Lebensmittel enthalten zu viel Salz

30.03.2012

Der Salzgehalt in vielen verarbeiteten Lebensmitteln ist deutlich zu hoch, so ein aktueller Bericht der Stiftung Warentest. Dabei steckt das Salz häufig in Produkten, die kaum salzig schmecken und von den Verbrauchern daher nicht als salzhaltige Lebensmittel erkannt werden. Für die Gesundheit kann der Verzehr von zu viel Salz langfristig schwerwiegenden Folgen haben, warnt die Stiftung Warentest.

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Rund sechs Gramm Salz sollten Erwachsenen höchstens pro Tag verzehren, wobei dies ungefähr der Menge eines Teelöffels entspricht, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die meisten Deutschen überschreiten diese empfohlene Tagesration jedoch erheblich und setzten sich auf diese Weise unnötigen Gesundheitsrisiken aus. Dabei rieselt „ das meiste Salz nicht aus der Verbraucherhand ins Essen, sondern kommt aus verarbeiteten Lebensmitteln“, berichtet die „Stiftung Warentest“. In einem aktuellen Test hat die Stiftung daher die besonders salzhaltigen Lebensmittel identifiziert, um den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, ihren Salzkonsum besser zu kontrollieren.

Salzkonsum der Deutschen zu hoch
Der durchschnittlich Salzkonsum liegt hierzulande mit 6,5 Gramm täglich bei Frauen und neun Gram täglich bei Männern deutlich über der empfohlenen maximalen Tagesdosis, berichtet die Stiftung Warentest. Doch die Verbraucher haben wenig Möglichkeiten ihren Salzverzehr direkt zu regulieren, da lediglich 20 Prozent des Tageskonsums von ihnen selbst der Nahrung beigegeben werden, so da Ergebnis des aktuellen Tests. Ganze 80 Prozent des aufgenommenen Salzes stammen demnach aus bereits verarbeiteten Lebensmitteln, denen ihr hoher Salzgehalt häufig nicht einmal anzumerken ist. Die Stiftung Warentest hat 74 verarbeitete Lebensmittel wie „Aufbackbrötchen, Fischstäbchen, Räucherlachs, Rotkohl und Tiefkühlpizza“ untersucht und dabei teilweise einen erschreckend hohen Salzgehalt festgestellt.

Größte Salzaufnahmen über Brötchen und Brot
Mit Abstand am meisten Salz nehmen die Deutschen laut Stiftung Warentest über Brot und Brötchen auf. Fast ein Drittel des täglich verzehrten Salzes, stecke in den Backwaren. Beispielsweise enthalte ein Aufbackbrötchen mehr als ein Gramm Salz, zwei Scheiben Toast immerhin 0,8 Gramm, berichtet die Stiftung Warentest. Kommt der Belag hinzu, dürfte mitunter schon beim Frühstück die empfohlene maximale Tagesdosis von sechs Gramm erreicht werden. Zu den „Salzbomben“ zählen laut Stiftung Warentest auch die Fertiggerichte. So enthält eine Portion Nudeln rund 3,5 Gramm Salz. Ganze fünf Gramm Salz kommen bei einer Tiefkühlpizza zusammen, womit nach der Pizza die empfohlene maximale Tagesdosis der DGE schon annähernd erreicht wäre. Außerordentlich viel Salz enthielten laut Stiftung Warentest die Fischprodukte, wobei zum Beispiel mit einer Portion Matjesfilet dem Organismus knapp acht Gramm Salz zugeführt werden, was deutlich über der empfohlenen Höchstgrenze des täglichen Salzverzehrs liegt.

Gesundheitliche Folgen eines zu hohen Salzkonsums
Für die Verbraucher hat diese Salz-Überdosierung unter Umständen verheerende Folgen, da das Salz langfristig Verengungen der Blutgefäße bedingen kann, die ihrerseits Bluthochdruck verursachen. Hierdurch steigt auch das Herzinfarkt– und Schlaganfall-Risiko. Außerdem drohen Nierenerkrankungen, da die Organe mit dem Abbau des Salzes schlichtweg überfordert werden. Ein zu hoher Salzkonsum wirkt insgesamt tendenziell lebensverkürzend, so die Aussage von Ernährungsforschern und Medizinern. Personen mit ohnehin geschwächtem Herz-Kreislauf-System sollten hier besonders vorsichtig sein. Vor diesem Hintergrund war der hohe Salzgehalt bei dem getesteten „Essen auf Rädern“ außerordentlich kritisch. Denn die auch an Alten- und Pflegeheime ausgelieferte Nahrung enthielt laut Stiftung Warentest bei fünf von sechs untersuchten Menüs bereits in einer Portion die empfohlene maximale Tagesdosis von sechs Gramm Salz.

Alternativen zu den Salzbomben
Die Stiftung Warentest nennt auch mögliche Alternativen zu den unzähligen Salzbomben. So seien zum Beispiel Haferflocken, Müsli oder natürlich frisches Obst annähernd salzfrei. Auch rät die Stiftung Warentest beim Würzen anstatt des Salzes zum Beispiel Curry, Dill oder Koriander zu verwenden. Auch hier werde eine geschmacksverstärkende Wirkung ähnlich wie bei Salz erzielt, da die ätherischen Öle der Gewürze den Speisen besonders viel Aroma verleihen. Verbraucher sollten darüber hinaus beim Einkaufen gezielt frische, unverarbeitete und nicht gewürzte Lebensmittel auswählen, so die Stiftung Warentest weiter. Bei zubereiteten Mahlzeiten im Restaurant oder „Essen auf Rädern“ sollten möglichst nicht nachgesalzt werden. Allerdings dürfen die Verbraucher es mit dem Salzverzicht auch nicht übertreiben, da der menschliche Organismus auf die enthaltenen Bestandteile Natrium und Chlorid angewiesen ist. So fördert Salz die Funktion der Nerven und hilft bei der Regulierung des Wasserhaushalts. Die tägliche Verzehrmenge sollte daher nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zwischen drei und vier Gramm liegen.

Fehlende Kennzeichnung des Salzgehalts von Lebensmitteln
Da der Salzgehalt auf verarbeiteten Lebensmitteln derzeit oftmals nicht angegeben ist, fehlen den Verbrauchern beim Einkaufen häufig die benötigten Informationen. Lediglich die Ausweisung des enthaltenen Natriums (Na) ist Pflicht. Theoretisch können sich Verbraucher anhand des Natriumgehalts jedoch auch ausrechnen, wie viel Natrium-Chlorid ein Lebensmittel tatsächlich enthält. Durch die Multiplikation der Natriummenge mit 2,5 lässt sich der Salzgehalt bestimmen. Zur Vereinfachung bietet die Stiftung Warentest auch einen „Salzrechner“ an, mit dem nicht nur der Salzgehalt ausgerechnet werden kann, sondern der auch den Anteil an der empfohlenen maximalen Tagesdosis in Prozent wiedergibt.

Ab 2016 können die Verbraucher auf einen eindeutigere Kennzeichnung des Salzgehalts der Lebensmittel hoffen, da dann die Firmen zu einer neuen Nährwertkennzeichnung verpflichtet sind und auch die enthaltene Salzmenge anzugeben ist. Für die Verbraucher würde eine eindeutige Ausweisung des Salzgehalts den Vorteil mit sich bringen, dass sie diesen ohne Kopfrechnen auf den ersten Blick erfassen können. Die Vergleichsmöglichkeiten würden steigen und die Verbraucher wären besser dazu in der Lage ihren Salzkonsum zu steuern. Auch schaffe die neue Kennzeichnungspflicht bei den Unternehmen der Lebensmittelbranche einen Ansporn, ihre Produkte weniger stark zu salzen, so die Einschätzung der Experten. Bis es soweit ist, sollten die Kunden jedoch beim Einkaufen möglichst immer einen Taschenrechner griffbereit haben – oder ihr Kopfrechen entsprechend trainieren. (fp)