Zu viel und zu wenig Salz – Beides kann die kognitiven Funktionen beeinträchtigen

Alexander Stindt

Begünstigt ein zu geringer Salz-Konsum Demenzerkrankungen?

Immer mehr ältere Menschen leiden an Demenz. Die Erkrankung ist eine starke Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen und verursacht große Kosten im Gesundheitssystem. Forscher fanden jetzt heraus, dass ein niedrigerer Natriumgehalt im Blut mit einem Rückgang der kognitiven Funktionen im Alter verbunden ist. Der Mangel könnte somit eine Demenzerkrankung begünstigen. Ein Hauptquelle bei der Ernährung für Natrium ist Salz.


Die Wissenschaftler des University of Colorado Anschutz Medical Campus stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass bei einer sogenannten Hyponatriämie ein Rückgang der kognitiven Funktionen im Alter die Folge ist. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Clinical Journal der American Society of Nephrology“ (CJASN).

Ernährungsrichtlinien raten von einem zu hohen Salzkonsum ab. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass nicht nur zu viel Salz, sondern auch ein zu geringer Salzkonsum negative Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen im Alter hat. (Bild: HandmadePictures/fotolia.com)

Auch eine leichte Hyponatriämie wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus

Eine Hyponatriämie tritt dann auf, wenn der Natriumgehalt im Blut unter 135 mmol/L fällt, sagen die Experten. Eine leichte Hyponatriämie wurde früher für asymptomatisch gehalten, aber neuere Studien deuten darauf hin, dass sie mit höheren Risiken für Aufmerksamkeitsdefizite, Störungen der Bewegung, Stürze, kardiovaskuläre Ereignisse und sogar einem vorzeitigen Tod verbunden sein könnte.

Auswirkungen einer schweren Hyponatriämie

Eine schwere Hyponatriämie wurde bereits zuvor mit kognitiven und neurologischen Störungen in Verbindung gebracht, aber der Zusammenhang zwischen verschiedenen Spiegeln von Serumnatrium und kognitiven Fähigkeiten bei älteren Erwachsenen war bisher ungewiss. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung zeigen, dass die Behandlung des Natriumspiegels dazu beitragen könnte, die Kognition im Alter zu erhalten, erläutern die Wissenschaftler.

Über 5.400 Probanden wurden für die Studie untersucht

Bei der Studie wurden die Daten von über 5.400 lebenden Männern im Alter über 65 Jahren von Dr. Kristen Nowak und ihrer Kollegen der University of Colorado ausgewertet. Die Probanden wurden durchschnittlich für einen Zeitraum von 4,6 Jahren medizinisch überwacht. Von den Teilnehmern hatten insgesamt 100 Männer einen Serumnatrium-Spiegel, welcher auf eine Hyponatriämie hindeutete.

Auswirkungen eines niedrigen Natriumspiegels im Blut

Die Forscher konnten bei der Untersuchung feststellen, dass bereits ein etwas niedrigerer Natriumspiegel im Blut sowohl mit kognitiven Beeinträchtigungen als auch mit abnehmenden kognitiven Funktionen im Laufe der Zeit zusammenhing. Im Vergleich zu Männern mit einem Natriumspiegeln von 141 bis 142 mmol/L hatten Männer mit Gehalten von 126 bis 140 mmol/l eine um 30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an einer kognitiven Beeinträchtigung zu leiden. Das erhöhte Risiko für eine wahrscheinliche kognitive Verschlechterung im Laufe der Zeit lag bei 37 Prozent.

Die Mediziner fanden auch eine Assoziation zwischen einem hohen Serumnatrium-Spiegel (143-153 mmol/L) und einer kognitiver Abnahme im Laufe der Zeit. Mit anderen Worten könnten sowohl zu viel, als auch zu wenig Salz in der Nahrung negative Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen haben.

Weitere Forschung ist nötig

Ein geringfügig niedrigerer Natriumspiegel im Blut bleibt in der klinischen Praxis wahrscheinlich häufig unbemerkt, erläutert Studienautorin Dr. Nowak. Da sowohl der Serumnatrium-Spiegel als auch leichte Veränderungen der kognitiven Funktionen mit zunehmendem Alter häufig auftreten, ist weitere Forschung zu diesem Thema in Zukunft sehr wichtig. Mediziner sollten dann durch weitere Untersuchungen die Frage beantworten können, ob eine Korrektur der niedrigeren Natriumwerte die kognitive Funktion beeinflusst. (as)