Zu wenig Ärzte in Deutschland

Sebastian

Gesundheitsreport offenbart: Ärztemangel inzwischen Realität

24.01.2013

Die Mehrheit der Ärzte ist sich einig: Es gibt mittlerweile zu wenig Mediziner in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „MLP-Gesundheitsreport“ des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP, welcher am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Ärztemangel bundesweit reales Problem
Dem Report nach ist für 65 Prozent der Klinikärzte der Ärztemangel nicht mehr eine düstere Prognose, sondern inzwischen bundesweit zu einem realen Problem geworden. Dieser Meinung sind jedoch nicht nur die Klinikärzte – in der gesamten Ärzteschaft teilen 56 Prozent diese Ansicht, was einen Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutet.

Gerade im Hinblick auf die regionale Versorgung sind die Ärzte zunehmend
besorgt: 37 Prozent der niedergelassenen Ärzte erkennen laut einer aktuellen Pressemitteilung der MLP AG „bei sich vor Ort bereits einen Ärztemangel (2010: 22 Prozent). Weitere 28 Prozent rechnen damit in den nächsten Jahren.“

Neue Bundesländer stärker betroffen als der Westen
Die befragten Ärzte sehen hier besonders in den östlichen Bundesländern eine massive Verschlechterung: Bereits 54 Prozent der Ärzte im Osten berichten von einem Ärztemangel in ihrer Region, im Westen hingegen beobachten dies derzeit nur 35 Prozent. Zudem gäbe es aus Sicht der Ärzte erhebliche Verschlechterungen „in struktur- und bevölkerungsschwächeren Regionen: 58 Prozent der niedergelassenen Ärzte aus Gebieten mit weniger als 100.000 Einwohnern beklagen bereits einen Ärztemangel vor Ort (2010: 31 Prozent)“, berichtet MLP.

Patienten beklagen lange Wartezeiten in Praxen
Doch nicht nur die Ärzte beklagen einen zunehmenden Mangel an Kollegen – auch für die Patienten ist die Negativ-Entwicklung deutlich spürbar, vor allem was die Wartezeiten betrifft: So geben knapp zwei Drittel (64%) der Patienten an, dass sie lange im Wartezimmer auf ihre Behandlung warten musste, 52 Prozent beklagen zudem, dass sie im Vorfeld sehr lange auf einen Termin warten mussten.

Gerade bei den gesetzlich Versicherten offenbart der Report eine steigende Unzufriedenheit: Hier gaben 67 Prozent der Kassenpatienten an, trotz eines Termins sehr lange im Wartezimmer gesessen zu haben – wohingegen nur 48 Prozent der Privatpatienten diese Erfahrung teilten konnten. Und auch bei der Terminvergabe scheinen dem Bericht nach die Kassenpatienten deutlich mehr Geduld aufbringen zu müssen: So berichteten 55 Prozent von großen Schwierigkeiten, möglichst zeitnah einen Termin zu bekommen, was bei den privat Versicherten nur auf 35 Prozent zutraf.

Ärzte-Mangel auch in Kliniken deutlich spürbar
Der Ärztemangel bringt jedoch laut des Berichts nicht nur längere Wartezeiten in Arztpraxen mit sich. Auch im Klinik-Alltag stellen viele Patienten eine negative Entwicklung fest: So zeigen sich 57 Prozent der Bürger besorgt darüber, dass Klinik-Ärzte immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten hätten. Zudem gab jeder vierte Befragte an, dass bei Klinik-Aufenthalten in den vergangenen Jahren zu wenig Ärzte und Fachärzte gearbeitet hätten, knapp jeder Zweite (46%) hatte zusätzlich einen Mangel an Krankenschwestern und -pflegern erlebt.

Ärzte und Patienten sehen deutlichen Reformbedarf im Versorgungsbereich
Eine weitere Negativ-Entwicklung zeigt sich dem Bericht zufolge in der Versorgung: Hier sehen 40 Prozent der befragten Ärzte und 39 Prozent der Bevölkerung eine Verschlechterung der Qualität in den vergangenen zwei bis drei Jahren – was allerdings insgesamt ein besseres Ergebnis im Vergleich zum letzten Gesundheitsreport von 2011 darstellt. Denn damals hatten noch 43 Prozent der Mediziner und 47 Prozent der Bürger Qualitätsverluste beklagt.

Diese verbesserte Einschätzung spiegele sich laut der MLP AG auch in abnehmender Kritik an der Regierung wider: „42 Prozent der Bevölkerung (2011: 55 Prozent) haben keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik. Hingegen stellt eine konstante Ärztemehrheit von mehr als 71 Prozent (2011: 72 Prozent) der Regierung weiterhin ein schlechtes Zeugnis aus. 60 Prozent von ihnen haben Zweifel, ob die Politik dauerhaft eine gute Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen kann – die Einstellung in diesem Punkt hat sich gegenüber den Vorjahren (2010: 81 Prozent) aber deutlich verbessert“, so die MLP in ihrer Pressemitteilung.

Der Reformbedarf im Versorgungsbereich wird dennoch weiterhin von beiden Seiten recht hoch eingeschätzt: Während 47 Prozent der Bevölkerung (2009: 65%) der Meinung sind, hier müsste seitens der Politik dringend etwas getan werden, sehen seitens der Ärzte sogar 73 Prozent (2009: 81%) dringenden Handlungsbedarf.

Insgesamt hohe Zufriedenheit mit dem Gesundheitswesen
Doch der Report, für welchen 2100 Bundesbürger und mehr als 500 Ärzte befragt wurden, hat nicht nur Negatives zu berichten: So zeigen sich 82 Prozent und 93 Prozent der Ärzte insgesamt zufrieden mit der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens. (sb)

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