Zu wenig Organspenden von jungen Unfallopfern

Fabian Peters

Organspenden bei jungen Unfallopfern nicht ausreichend

16.05.2011

Die Eltern junger Unfallopfer werden zu selten auf eine mögliche Organspende hingewiesen, kritisierten Experten des Bundesverbandes Herzkranke Kinder (BVHK) auf einer Tagung anlässlich des 18-jährigen Verbandsbestehens am Samstag. Alle Kliniken sollten spezielle Transplantations-Beauftragte und standardisierte Prozesse im Umgang mit den potenziellen Organspendern entwickeln, forderte der BVHK.

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Die ungenügende Aufklärung der Eltern junger Unfallopfer über eine mögliche Organspende durch die behandelnden Ärzte sei ein „Skandal“, erklärte die Geschäftsführerin des BVHK, Hermine Nock. Nach Einschätzung der Expertin sprechen Ärzte viel zu selten mit den Eltern junger Unfallopfer über eine mögliche Organspende. Darüber hinaus scheuen einige Mediziner offenbar den Aufwand, der durch die Versorgung von Hirntoten bis zu einem möglichen Transplantationstermin entstehen würde, erläuterte die BVHK-Geschäftsführerin.

Eltern junger Unfallopfer mangelhaft über Organspenden informiert
Dem Bundesverband Herzkranke Kinder zufolge werden die Eltern junger Unfallopfer nur selten über die Möglichkeiten einer Organspende informiert. Nach Aussage der Experten sind die meisten behandelnden Ärzte hier mehr als zurückhaltend. Dabei scheint das Zögern der Ärzte für Außenstehende durchaus verständlich, da die vom Tod ihres Kindes meist ohnehin schwer getroffenen Eltern, sicher eher mit anderen Dingen beschäftigt sind, als über mögliche Organspenden nachzudenken. Doch was auf den ersten Blick pietätlos wirkt, kann an anderer Stelle das Leben eines Kindes retten. So wertete die BVHK-Geschäftsführerin die Zurückhaltung der Ärzte als Skandal und forderte im Namen ihres Verbandes spezielle Transplantations-Beauftragte für alle Kliniken sowie standardisierte Prozesse im Umgang mit den möglichen Spendern, die eine angemessene Versorgung sicherstellen. Denn einigen Ärzten sei bereits der Aufwand zu groß, den die Versorgung der Organspender bis zur möglichen Transplantation erfordert, erklärte Hermine Nock. Außerdem sollten laut BVHK auch für das sensible Gespräch mit den Angehörigen Vorgaben entwickelt werden, die den Ärzten den Einstieg in das schwierige Thema erleichtern. (fp)

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Bild: Günther Richter / pixelio.de