Anstieg bei acht der zehn häufigsten Todesursachen: Sinkende Lebenserwartung in USA

Alfred Domke
Gesunkene Lebenserwartung in den USA: Einkommen und Ernährung mitverantwortlich
Die Lebenserwartung der Deutschen hat in den vergangenen Jahren ein Rekordniveau erreicht. Auch in anderen Ländern leben die Menschen heute deutlich länger. In den USA hingegen ist die Lebenserwartung erstmals seit über 20 Jahren gesunken. Experten sind besorgt.

Menschen werden immer älter
Die Menschen weltweit werden im Durchschnitt immer älter. Verantwortlich dafür ist laut Experten neben dem medizinischen Fortschritt oft auch ein gesünderer Lebensstil mit mehr Bewegung, gesunder Ernährung und der Reduzierung des Alkohol- und Tabakkonsums. In den vergangenen Jahren haben manche Forscher sogar behauptet, die Lebenserwartung könne verzehnfacht werden. Andere kamen zu dem Schluss, dass die maximale Lebenserwartung auf 115 Jahre limitiert sei. In den USA hat sich jetzt jedoch gezeigt, dass der Anstieg gar nicht kontinuierlich vorankommt. Dort ist die Lebenserwartung erstmals seit über 20 Jahren gesunken.

In den USA ist die Lebenserwartung erstmals seit über zwei Jahrzehnten gesunken. Verantwortlich dafür könnten unter anderem die Unterschiede in Einkommen und Ernährung sowie Arbeitslosigkeit sein. (Bild: oneinchpunch/fotolia.com)
In den USA ist die Lebenserwartung erstmals seit über zwei Jahrzehnten gesunken. Verantwortlich dafür könnten unter anderem die Unterschiede in Einkommen und Ernährung sowie Arbeitslosigkeit sein. (Bild: oneinchpunch/fotolia.com)

Lebenserwartung in den USA erstmals seit zwei Jahrzehnten gesunken
Laut Medienberichten ist die Lebenserwartung der US-Bürger zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunken. Wie das Zentrum für Gesundheitsstatistik in Washington mitteilte, hatte ein Neugeborenes 2014 im Durchschnitt 78,9 Lebensjahre vor sich, 2015 waren es aber nur noch 78,8 Lebensjahre.

Laut dem Bericht der Experten haben acht der zehn häufigsten Todesursachen zugenommen – darunter vor allem Todesfälle durch Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes sowie Überdosen von Drogen und Medikamenten. Den Angaben zufolge sind weiße Männer und Frauen sowie schwarze Männer besonders betroffen.

Wachsende Todesraten durch Herzerkrankungen
Mit Blick auf die wachsenden Todesraten durch Herzerkrankungen meinte Anne Case, Ökonomin der Princeton University, gegenüber der „Washington Post“: „Ich denke, wir müssen das sehr ernst nehme.“

„Das ist ungewöhnlich, und wir wissen nicht, was passiert ist“, sagte Studienautor Jiaquan Xu über die Ergebnisse. „So viele führende Todesursachen haben sich erhöht.“

Einkommen und Ernährung spielen eine wichtige Rolle
Experten zufolge könnten auch die Unterschiede in Einkommen und Ernährung sowie Arbeitslosigkeit für die sinkende Lebenserwartung verantwortlich sein. So haben etwa Untersuchungen gezeigt, dass arme Menschen deutlich früher sterben.

Laut dem aktuellen Bericht ist die Lebenserwartung 65-Jähriger nicht gesunken, während sie bei Amerikanern mittleren oder jüngeren Alters messbar niedriger wurde.

Positiv angemerkt wurde jedoch, dass 2015 weniger Menschen an Krebs starben. Dies wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass weniger geraucht wird. Und auch die bessere Früherkennung spielt eine Rolle. (ad)