Zunahme von Geschlechtskrankheiten in Deutschland

Fabian Peters

Hautarzt: Geschlechtskrankheit nehmen in Deutschland deutlich zu

30.04.2013

Geschlechtskrankheiten sind deutschlandweit wieder auf dem Vormarsch. Nachdem die Anzahl der Infektionen mit den unterschiedlichen Geschlechtskrankheiten gegen Ende des 20. Jahrhunderts kontinuierlich gesunken war, hat sich in den letzten Jahren eine besorgniserregende Trendwende ereignet. In einer aktuellen Presseerklärung gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ warnt der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Rudolf Stadler, vor einer zunehmenden Ausbreitung der Geschlechtskrankheit.

Dem Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zufolge ist „bei Syphilis die Zahl der jährlichen Erkrankungen um 22 Prozent gestiegen.“ Auch andere Geschlechtskrankheit, wie Gonorrhöe (Tripper), Herpes simplex und Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) würden seit der Jahrtausendwende wieder deutlich vermehrt registriert. Am höchsten sei die Zunahme bei den Infektionen mit Chlamydien. „Sie sind mit circa 100.000 Fällen im Jahr die häufigste sexuell übertragbare Infektion in Deutschland“, betonte der DDG-Präsident. An Herpes Simplex und Humanen Papillomviren erkranken laut Aussage des Experten pro Jahr jeweils rund 80.000 Menschen, an Tripper rund 16.000 und an Syphilis circa 4.600. Bei den HIV-Infektion belaufe sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen auf rund 3.000 Fälle. Obwohl die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten den Geschlechtskrankheiten einen Teil ihres Schreckens genommen haben, stellen letztere immer noch ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, welches nicht leichtfertig in Kauf genommen werden sollte. Zumal sich durch einen angemessenen Schutz beim Geschlechtsverkehr (Verwendung von Kondomen) ein Großteil der Erkrankungen vermeiden ließe.

Infektionen mit Chlamydien häufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland
Unter den Geschlechtskrankheiten bereiten den Experten vor allem die Infektionen mit Chlamydien und HPV zunehmend Sorge. Das Risiko dieser weniger bekannten Geschlechtskrankheiten werde immer noch unterschätzt., obwohl Chlamydien eine entscheidende Rolle für Unfruchtbarkeit oder Fruchtbarkeitsstörungen“ spielen und Humane Papillomviren nicht nur Genitalwarzen sondern schlimmstenfalls auch Krebs auslösen können, erklärte der DDG-Präsident. Seinen Aussagen zufolge könnte zum Beispiel bei den HPV ein verbesserter Impfschutz angebracht sein. „Die Schutzimpfung gegen HPV wird nur von 30 Prozent der jungen Frauen in Deutschland genutzt", während andere Ländern Westeuropas oder die USA eine Rate von 70 bis 90 Prozent erreichen, erläuterte Rudolf Stadler. Seiner Ansicht nach sollten sogar Jungen, trotz ihres geringen Erkrankungsrisikos, geimpft werden, weil sie die Humanen Papillomviren beim Petting oder Sex übertragen könnten.

Verbesserte Aufklärung über Geschlechtskrankheiten gefordert
Ein wesentlicher Faktor bei der Prävention von Geschlechtskrankheiten ist nach Einschätzung des DDG-Präsidenten die Aufklärung der Bevölkerung über sexuell übertragbare Erkrankungen. Hier bestünden bis heute erhebliche Defizite und es brauche endliche „eine kontinuierliche Informationspolitik.“ Letztendlich umfasse die erforderliche Aufklärungsarbeit nicht nur die Schulen, sondern die „sexuelle Gesundheit muss in Arzt-Patienten-Gesprächen thematisiert werden“, sowohl beim Dermatologen, als auch bei Gynäkologen, Urologen und Hausärzten, betonte Stadler. Da ältere Menschen sich heute bis ins hohe Alter einer relativ guten Gesundheit erfreuen und länger sexuell aktiv bleiben, sollten auch sie dabei vermehrt auf das Risiko der Geschlechtskrankheiten hingewiesen werden.

Banalisierung der Geschlechtskrankheiten?
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft widmet den Geschlechtskrankheit auf ihrer 47. Jahrestagung ab kommenden Mittwoch in Dresden ein Schwerpunktthema, nicht zuletzt, um einer Banalisierung der Erkrankungen, wie sie laut Stadler zum Beispiel bei HIV stattgefunden hat, entgegenzuwirken. Tatsächlich haben HIV-Infektionen im Zuge der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten einiges von ihrem ursprünglichen Schrecken verloren. War die Angst vor Aids in den 1980er und 1990er Jahren für viele Menschen Anlass sich beim Geschlechtsverkehr durch Kondome entsprechend zu schützen, hat sich dies seit der Jahrtausendwende offenbar wieder geändert. „HIV gilt nicht mehr als Todesurteil“ und die Sexualpraktiken – auch bei den besonders gefährdeten Homosexuellen – seien „nicht mehr auf Sicherheit orientiert“, erläuterte der DDG-Präsident. Nicht selten würden die Geschlechtskrankheiten zudem aus dem Urlaub mitgebracht, weil selbst in den Regionen mit bekannterweise hohen HIV-Infektionsraten, wie Teilen Asiens, Afrikas oder Osteuropas, leichtfertig auf einen entsprechenden Schutz beim Geschlechtsverkehr verzichtet werde. (fp)