Zusätzliches Testosteron zur Vorbeugung von Demenz? Mediziner raten ab

Alexander Stindt

Wie sinnvoll ist der Einsatz von Testosteron zur Prävention von Demenz-Erkrankungen?

Demenz ist leider eine weitverbreitete Erkrankung in Deutschland. Schätzungsweise sind etwa 1,6 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen. Experten nehmen sogar an, dass sich die Anzahl der Betroffenen im Zeitraum bis zum Jahr 2050 verdoppeln könnte. Es gab unter Medizinern bereits verschiedenen Diskussionen darüber, ob der Einsatz von Testosteron zur einer möglichen Prophylaxe führen könnte. Die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung raten allerdings nicht zu der Einnahme von Testosteron, um Demenz vorzubeugen.

Es gab schon seit längerer Zeit Aussagen von Forschern, dass Testosteron ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Demenz sein könnte. Experten diskutieren über die Wirksamkeit von Testosteron zur Behandlung von Demenz-Erkrankungen seit beinah 15 Jahren. In diesem Zeitraum fanden die Mediziner mögliche Zusammenhänge zwischen wenig Testosteron im Blut und dem Risiko einer Demenz-Erkrankung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu diesem Thema zeigt jetzt allerdings, dass Testosteron nicht wirklich ein wirksames Mittel gegen Demenz-Erkrankungen ist.

Demenz ist eine Erkrankung, welche viele Menschen in Deutschland betrifft. Es gab lange Zeit Vermutungen unter Medizinern, ob Testosteron zur Behandlung von Demenz-Erkrankungen eingesetzt werden kann. Experten raten jetzt aber von solch einer Verwendung ab.(Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Testosteron kann bei Mäusen Demenz-Erkrankungen verzögern

Bei Versuchen an Mäusen konnte festgestellt werden, dass zusätzliches Testosteron im Körper der Mäuse die Nervenzellen der Tiere schützt. Außerdem führt das Testosteron bei den Tieren dazu, dass eine Demenz-Erkrankung hinausgezögert wird und auftretende Symptome reduziert werden. Allerdings wurden diese Ergebnisse nur an Mäusen festgestellt und nicht an Menschen. Generell sind Ergebnisse aus einer Zellkultur oder aus Tierversuchen nicht direkt auf den Menschen übertragbar, erläutern die Wissenschaftler. Aus diesem Grund wurden weitere diverse epidemiologische Studien durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind allerdings äußerst widersprüchlich, sagen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Welche Faktoren beeinflussen das Demenz-Risiko?

Testosteron oder Östrogen sind sogenannte Sexualhormone, welche möglicherweise die geistigen Funktionen schützen können. Dies wurde bereits aus in-vitro-Experimenten und Tierversuchen abgeleitet. Im gehobenen Alter werden solche Hormone vom Körper allerdings in geringerer Menge ausgeschüttet. Diese geringere Ausschüttung ist aber nicht der einzige Grund für Demenz-Erkrankungen bei älteren Menschen. Auch verschiedene Risikofaktoren, wie beispielsweise Übergewicht, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Rauchen und Diabetes wirken sich auf das Demenz-Risiko aus. Außerdem haben auch ein geringes Bildungsniveau oder eine vorhandene genetische Veranlagung Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz-Erkrankung zu entwickeln, erklären die Autoren.

Testosteron kann unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen

Die Experten erklären, dass eine Einnahme von Testosteron bei einer Demenz-Erkrankung derzeit nicht zu empfehlen ist. Es müsse bei der Behandlung von Demenz auch berücksichtigt werden, dass die meisten älteren Menschen bereits verschiedene andere Medikamente einnehmen. Aus diesem Grund sollte die Einnahme von weiteren Wirkungsstoffen genau durchdacht werden, um so unnötige und unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, erläutern die Mediziner. Ein weiteres Problem bei der Behandlung mit Testosteron sei, dass die Einnahme von Testosteron selber schon unerwünschte Nebenwirkungeen hervorrufen kann.

Jeder dritte Fall von Demenz kann vermieden werden

Bisher gibt es noch keine zuverlässigen Therapien gegen Demenz-Erkrankungen, deshalb ist die Prävention von Demenz besonders wichtig, sagen die Experten. Bei einer aktuellen Studie wurde beispielsweise festgestellt, dass sich etwa jeder dritte Fall von Demenz vermeiden ließe. Zur Prävention von Demenz sollte beispielsweise Übergewicht abgebaut werden, es sollte außerdem auf eine gesunde Ernährung geachtet werden, körperliche und geistige Aktivität muss aufrechterhalten werden und Menschen sollten keinesfalls Rauchen, sagen die Autoren. Ärzte sollten außerdem Stoffwechselstörungen oder Depression bereits frühzeitig behandeln, raten die Mediziner weiter.

Wie kann Demenz behandelt werden und worauf sollten Betroffene achten?

Wenn Neurologen trotzdem eine Demenz-Erkrankung bei Menschen feststellen, sollten anhängig vom Stadium der Krankheit verschiedene Medikamente zur Behandlung eingesetzt werden. Hierzu kann beispielsweise eine sogenannte Pharmakotherapie mit Cholinesterase-Inhibitoren beziehungsweise Memantin verwendet werden, raten die Wissenschaftler. Außerdem sind Strategien zum Management neuropsychiatrischer Symptome (wie beispielsweise Angst und Depressionen) wichtig für die Behandlung der Erkrankung. Abgesehen von der Behandlung der Symptome, sollten betroffene Patienten rechtzeitig wichtige Entscheidungen über die eigene Zukunft treffen, fügen die Experten hinzu. (as)