Zusammenhang zwischen Depressionen und Diabetes

Fabian Peters

Antidepressiva begünstigen Diabetes bei Depressionspatienten

10.05.2012

Depressionen und Diabetes stehen häufig in einem interdependenten Zusammenhang. So leidet rund jeder achte Diabetes-Patient an Depressionen und umgekehrt haben depressive Menschen ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken, berichtete der Diplom Psychologe Dr. Bernhard Kulzer auf einer Vorab-Pressekonferenz zum Diabetes Kongress 2012.

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Die neuesten Erkenntnisse über das Wechselspiel zwischen Depressionen und Diabetes sind einer der Themenschwerpunkte der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Stuttgart. Bekannt sei, dass Diabetes einen Risikofaktor für Depression bildet und eine Depression ihrerseits Diabetes auslösen kann, so Dr. Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft sowie Geschäftsführer des Forschungsinstituts der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim im Vorfeld des Diabetes Kongresses 2012.

Reduzierte Lebensqualität als Auslöser von Depressionen
Im Rahmen der DDG-Jahrestagung gehen die Experten auch den Ursachen des Zusammenhangs zwischen dem Diabetes- und dem Depressionsrisiko auf den Grund. Denn es ist kein Zufall, dass jeder achte Mensch mit Diabetes (knapp 13 Prozent) an einer Depression leidet und etwa 20 Prozent laut Aussage der Forscher eine erhöhte Depressivität aufweisen. Auch gibt es Gründe dafür, dass Depressionspatienten einem um 30 Prozent erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes unterliegen, erläuterte Dr. Kulzer. Für die Diabetes-Patienten erhöht sich den Experten zufolge das Risiko einer Depression, da das Leben mit der sogenannten Zuckerkrankheit eine ernsthafte seelische Belastung darstellen kann. Denn Menschen mit Diabetes haben laut Dr. Kulzer eine deutlich „reduzierte Lebensqualität.“ Andersherum können sich Depressionen negativ auf den Stoffwechsel auswirken, wodurch stoffwechselgesunde Depressionspatienten relativ häufig eine Typ-2-Diabetes entwickeln.

Depressionen verursachen und verstärken Diabetes
Entscheiden für die Entwicklung von Diabetes bei depressiven Patienten ist laut Aussage der Experten oftmals die Einnahme von Antidepressiva, welche eine erhebliche Gewichtszunahme und eine verminderte Reaktion der Körperzellen auf Insulin beziehungsweise eine Insulinresistenz bedingen kann. Darüber hinaus führt der psychische Stress bei Menschen mit Diabetes durch die kontinuierliche Aktivierung der Stressachse zu Entzündungsprozessen in den Gefäßen, die bei Diabetikern ohnehin besonders gefährdet sind. So wird das Risiko von Folgeerkrankungen bei Diabetes-Patienten durch Depressionen deutlich erhöht, erläuterte Dr. Kulzer. „Um bei Menschen mit Diabetes schlechte Blutzuckerwerte und Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es“, laut Aussage des Experten, „wichtig, sowohl eine erhöhte Depressivität als auch eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln”

Abbau der Diabetes Forschung?
Auf dem Diabetes Kongresses 2012 diskutieren und informieren Diabetologen, Psychologen und andere Experten vom 16. bis 19. Mai in Stuttgart über die neuesten Erkenntnisse der Diabetesforschung. Im Vorfeld äußerte Andreas Fritsche, Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft, auch Kritik an der Entwicklung im Bereich der Diabetesforschung, denn die Zahl der Lehrstühle mit Schwerpunkt Diabetes sei im letzten Jahrzehnt auf derzeit weniger als zehn deutschlandweit halbiert worden und auch das renommierte Diabetesforschungsinstitut in München hat seine Pforten geschlossen. Des weiteren haben sich die Kontakt- und Forschungsmöglichkeiten für die Ärzte in den Kliniken reduziert, da die Patienten heute häufiger ambulant und nicht mehr stationär versorgt werden, erläuterte Fritsche und ergänzte: Eigene Diabetes-Abteilungen an den Krankenhäusern gebe es heute kaum noch. Obwohl der Bedarf bei den sieben Millionen Menschen, die nach Angaben der Initiatoren des Kongresses hierzulande unter einer diagnostizierten Diabetes leiden, durchaus gegeben scheint. Zumal nach Einschätzung der Experten weitere drei Millionen Betroffene hinzukommen, die mit der Erkrankung leben, ohne davon zu wissen. (fp)