Zusammenhang zwischen Zeitpunkt der Menopause und dem Gedächtnis

Alexander Stindt

Wirkt sich die Menopause auf das Gedächtnis aus?

Frauen kommen im Laufe ihres Lebens irgendwann in die sogenannte Menopause. Wirkt sich der Zeitpunkt der Menopause auf das Gedächtnis aus? Forscher fanden jetzt heraus, dass eine spätere Menopause mit einem geringen Gedächtnisvorteil verbunden ist.


Die Wissenschaftler des University College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass sich der Zeitpunkt des Eintritts der Menopause auf das Gedächtnis auswirkt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Neurology“.

Die Menopause kann bei Frauen zu einigen gesundheitlichen Auswirkungen, wie beispielsweise Hitzewallungen und Haarausfall führen. Neueste Ergebnisse zeigten jetzt, dass die Menopause sogar die Gedächtnisleistung beeinflusst. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Lebenslange hormonelle Prozesse wirken sich auf das Gedächtnis aus

Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass lebenslange hormonelle Prozesse, und nicht nur kurzfristige Schwankungen während der Menopause, mit den Gedächtnisfähigkeiten verbunden sein können, sagt Studienautorin Dr. Diana Kuh vom University College London.

Untersuchung hatte 1.315 Probanden

An der Studie nahmen insgesamt 1.315 Frauen teil, welche Teil des Medical Research Council National Survey of Health and Development in Great Britain waren. Diese Frauen wurden seit ihrer Geburt im März des Jahres 1946 medizinisch überwacht. Alle Teilnehmerinnen testeten im Alter von 43 und 53 Jahren, zwischen 60 und 64 Jahren, und im Alter von 69 Jahren ihre verbalen Gedächtnisfähigkeiten und ihre kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Was wurde untersucht?

Die Forscher sammelten Informationen über das Alter beim Eintritt in die Menopause (entweder natürlich oder aufgrund der Entfernung der Eierstöcke) und erfragten, ob eine Hormonersatztherapie durchgeführt wurde. Außerdem berücksichtigen sie noch andere Faktoren, welche die Denk- und Gedächtnisfähigkeiten beeinflussen könnten, wie beispielsweise kognitive Fähigkeiten, Bildungsgrad, Rauchen und die Art der Beschäftigung. Die Menopause definiert das Alter des letzten Menstruationszyklus. Sie begann im Durchschnitt für die Frauen mit natürlicher Menopause im Alter von 51,5 Jahren.

Wie sahen die Ergebnisse aus?

Für den verbalen Gedächtnistest wurden die Teilnehmer gebeten, eine 15-Punkte-Liste von Wörtern und Begriffen dreimal mit einer maximalen Punktzahl von 45 wiederzugeben. Mit 43 Jahren erinnerten sich die Teilnehmer an durchschnittlich 25,8 Wörter. Mit 69 Jahren erinnerten sie sich dann an durchschnittlich 23,3 Wörter. Die Forscher fanden heraus, dass unter 846 Frauen, die die Menopause auf natürliche Weise erlebten, Frauen, die später ihre Menopause hatten, höhere verbale Gedächtniswerte aufwiesen und sich an 0,17 zusätzliche Wörter pro Jahr erinnerten. Nachdem die Forscher auch andere Faktoren berücksichtigt hatten, welche das Gedächtnis beeinflussen können, betrug der Unterschied 0,09 zusätzliche Wörter pro Jahr.

Weitere Forschung ist nötig

Der Unterschied bei den verbalen Gedächtniswerten für eine 10 Jahre später einsetzende Menopause war nur gering. Aber es ist möglich diesen Nutzen für ein reduziertes Risiko für die Entstehung von Demenz einzusetzen, sagt Dr. Kuh in einer Pressemitteilung. Allerdings sei weitere Forschung notwendig, um sich genauer mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Auswirkungen der Hormontherapie

Die Beziehung zwischen dem Alter beim Eintritt der Menopause und den Gedächtniswerten wird durch den Einsatz einer Hormontherapie nicht beeinflusst, erläutern die Experten. Bei 313 Frauen, bei denen die Menopause aufgrund einer Operation eingetreten war, sei die Beziehung zwischen dem Alter zum Zeitpunkt der Operation und den Gedächtniswerten nicht mehr gegeben, wenn noch andere das Gedächtnis beeinflussende Faktoren berücksichtigt wurden, berichten die Forscher.

Informationsverarbeitung wird nicht beeinflusst

Beim einem Test, wie schnell die Frauen Informationen verarbeiten konnten, gab es keinen Zusammenhang zwischen dem Alter beim Eintritt der Menopause und den Testergebnissen. Dieser Unterschied könnte auf die Rolle des Östrogenrezeptors zurückzuführen sein, der dazu beiträgt, die Gedächtnisbildung und Speicherung von Informationen zu festigen, mutmaßt Dr. Kuh.

Gab es bei der Studie Einschränkungen?

Einschränkungen der Studie waren, dass die Tests von Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit zeitlich relativ weit auseinander durchgeführt wurden. Außerdem waren keine Informationen über die Dosis der Frauen verfügbar, welche an einer Hormontherapie teilnahmen. (as)