Zusatzstoff Triclosan: Brustkrebs-Verursacher in Zahnpasten oder Kosmetik

Alfred Domke
Kosmetika-Inhaltsstoff: Ärzte fordern weltweites Verbot von Triclosan
Das Biozid Triclosan steht bereits seit längerer Zeit wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. Die Substanz, die unter anderem in Kosmetika und Zahnpasta enthalten ist, soll Brustkrebs auslösen können sowie Spermien und Organe schädigen. Gesundheitsexperten fordern nun ein weltweites Verbot von Triclosan.

Antibakteriell wirkende Substanz kann der Gesundheit schaden
Die antibakteriell wirkende Substanz Triclosan steht schon seit Jahren wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. So gibt es Hinweise darauf, dass der Stoff zu hormonellen Störungen führen kann und den Muskeln schadet. Außerdem könne er laut Experten möglicherweise Brustkrebs auslösen sowie Spermien schädigen und die Leber angreifen. Gesundheitsexperten aus 29 Ländern haben nun ein weltweites Verbot von Triclosan gefordert.

Über 200 Experten aus 29 Ländern fordern ein weltweites Verbot des Biozids Triclosan. Der Stoff, der unter anderem in Zahnpasta und Kosmetika enthalten sein kann, soll Krankheiten wie Brustkrebs auslösen können. (Bild: bravissimos/fotolia.com)

Nur noch in medizinischen Spezialanwendungen zulassen
Forscher der Korea University in Seoul berichteten vor einigen Jahren im Fachmagazin „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“ über eine Studie, die zu dem Schluss kam, dass antibakterielle Seifen mit dem umstrittenen Wirkstoff Triclosan nicht wirksamer sind als normale Seifen.

In manchen Ländern, wie in den USA, ist die Substanz in Seifen ohnehin mittlerweile verboten. Hierzulande hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2006 gefordert, dass antibakterielle Wirkstoffe wie Triclosan der Desinfektion in Krankenhäusern und Arztpraxen vorbehalten bleiben sollten.

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206 Gesundheitsexperten aus 29 Ländern haben nun einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie ebenfalls fordern, dass das „Problem-Biozid“ Triclosan weltweit nur noch in medizinischen Spezialanwendungen zugelassen werden solle.

Triclosan in Zahnpasta und Kosmetika
Der Aufruf der Wissenschaftler, Ärzte und weiterer medizinischer Fachpersonen wurde unter anderem in der Wissenschaftszeitschrift „Environmental Health Perspectives“ veröffentlicht.

„Triclosan kommt noch immer in zahlreichen Produkten auch des täglichen Bedarfs vor, so zum Beispiel teilweise in Zahnpasta und in Kosmetika, aber auch etwa immer wieder in Schuhen und Sportbekleidung“, schreiben die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Schweiz (AefU) auf ihrer Webseite.

Die AefU ist eine von neun Gesundheitsorganisationen aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz, die den internationalen Aufruf unterstützen.

In einer gemeinsamen Mitteilung fordern sie ein Verbot des gefährlichen Triclosan auch in Europa.

Kein unmittelbarer Nutzen für Konsumenten
Dem Aufruf zufolge ist Triclosan in den USA, der EU sowie der Schweiz in Seifen und Reinigungsmitteln verboten, dürfe aber in Kosmetika und anderen Produkten des täglichen Bedarfs vorkommen.

„Für den Konsumenten hat Triclosan in Kosmetika keinen unmittelbaren Nutzen. In dieser Konzentration wirkt es nicht desinfiszierend auf der Haut“, erklärte Dr. Hanns Moshammer von den ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt (ÄGU) in Österreich.

„Dennoch kann es die nützliche Hautflora stören“, ergänzte sein österreichischer Kollege Assoz.-Prof. Dr. med. Hans-Peter Hutter von Medizin und Umweltschutz (mus). Außerdem ist der Stoff gesundheitlich bedenklich.

„Die Substanz steht z.B. im Verdacht, Brustkrebs auszulösen, Spermien zu schädigen, die Leber und die Muskeln anzugreifen sowie Resistenzen gegen Antibiotika zu begünstigen. Zudem reizt die Substanz die Haut“, sagte Dr. med. Peter Kälin, Präsident der AefU.

„Triclosan ist zudem ein bekannter Allergieauslöser“, betonte Dr. Silvia Pleschka vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Nutzen von Desinfektionsmitteln hinterfragen
Ortwin Zais, Vorstand beim Ökologischen Ärztebund Deutschland ergänzte: „Triclosan wurde in zahlreichen Ländern in der Muttermilch nachgewiesen und auch schon in Nabelschnurblut.“

Den Experten zufolge baut sich die Substanz in der Umwelt sehr schlecht ab. Außerdem entstünden bei der Produktion von Triclosan und auch beim Abbau in der Umwelt hochgiftige, Dioxin-ähnliche Substanzen, die sich dann zum Teil genauso in der Muttermilch fänden wie das Triclosan selbst.

Laut den Fachleuten sei es nicht hinnehmbar, dass der gefährliche Stoff noch immer in zahlreichen Alltags-Hygiene-Produkten auch für Kleinkinder vorkommt.

Die Gesundheitsexperten rufen „die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Produktion und die Verwendung von Triclosan“ auf ausschließlich medizinische Anwendungen „einzuschränken und generell den Nutzen von Desinfektionsmitteln zu hinterfragen.“ (ad)