Zweifel an Forscherarbeit: Braucht man wirklich Zahnseide?

Neben dem regelmäßigen Zähneputzen gehört auch die Reinigung der Zahnzwischenräume zu einer ausreichenden Mundhygiene. Die Wirksamkeit von Zahnseide wird nun jedoch angezweifelt. (Bild: stockyimages/fotolia.com)
Alfred Domke
Zweifel an Studien: Zahnseide nutzt der Zahngesundheit
Regelmäßiges Zähneputzen ist die wirkungsvollste Maßnahme, um Zahnproblemen vorzubeugen. Zur Mundhygiene sollte auch die Reinigung der Zahnzwischenräume gehören, etwa mit Zahnseide. In den USA wird deren Wirksamkeit nun angezweifelt. Deutsche Zahnärzte betonen jedoch die Wichtigkeit von Zahnseide.

Mundhygiene heißt nicht nur Zähneputzen
Nichts beugt Karies, Zahnfleischentzündungen und Zahnschmerzen so gut vor wie regelmäßiges Zähneputzen. Experten zufolge ist das Putzen abends wesentlich wichtiger als am nächsten Morgen, da die Mundhöhle nachts anfälliger für die Besiedelung mit Bakterien ist. Effektive Mundhygiene bedeutet aber mehr als nur putzen. Einmal täglich sollte man auch die Zahnzwischenräume richtig reinigen, zum Beispiel mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten. In den USA wird die Wirksamkeit von Zahnseide nun aber angezweifelt. Deutsche Mediziner sehen das anders.

Neben dem regelmäßigen Zähneputzen gehört auch die Reinigung der Zahnzwischenräume zu einer ausreichenden Mundhygiene. Die Wirksamkeit von Zahnseide wird nun jedoch angezweifelt. (Bild: stockyimages/fotolia.com)
Neben dem regelmäßigen Zähneputzen gehört auch die Reinigung der Zahnzwischenräume zu einer ausreichenden Mundhygiene. Die Wirksamkeit von Zahnseide wird nun jedoch angezweifelt. (Bild: stockyimages/fotolia.com)

Verwendung von Zahnseide wurde jahrzehntelang empfohlen
Jahrzehntelang hat das US-Gesundheitsministerium das Verwenden von Zahnseide in den „Dietary Guidelines for Americans“ empfohlen. Doch dann hakten Journalisten der Nachrichtenagentur AP nach: Warum steht dieses Hilfsmittel noch immer in den Hygienetipps, obwohl der wissenschaftliche Nutzen von Zahnseide trotz zahlreicher Untersuchungen bislang nicht eindeutig sei. Im aktuellen Report des Ministeriums wird Zahnseide nun nicht mehr empfohlen.

Kein eindeutiger Zusammenhang bewiesen
Es gibt mittlerweile Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass Zahnseide für ein gesundes Gebiss nicht notwendig ist. So konnten Wissenschaftler der Cochrane Collaboration in einer Vergleichsstudie keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Zahnseide und der Reduktion von Karies und Zahnfleischproblemen feststellen.

Studien waren „von sehr schlechter Qualität“
Ihre Auswertung zeigte, dass der Einsatz von Zahnseide in sehr geringem Maße Plaque und Zahnfleischentzündungen reduziert, bei Karies allerdings wirkungslos bleibt. Laut den Autoren waren die einzelnen Studien „von sehr schlechter Qualität“ und deren Schlussfolgerungen daher nicht zuverlässig. Der wissenschaftlich eindeutige Beweis für den Nutzen von Zahnseide bleibe bislang aus.

Statement Pro Zahnseide
Die US-amerikanische Zahnarzt-Vereinigung ADA ist besorgt über die aktuellen Berichte. Sie hat sich an die Öffentlichkeit gewandt und ein Statement Pro Zahnseide veröffentlicht. Ihrer Meinung nach würden Ergebnisse fehlinterpretiert, sie raten weiterhin zur täglichen Anwendung von Zahnseide. Putzen alleine reiche nicht aus.

Brauchbares Hilfsmittel für die Mundhygiene
Das sehen auch deutsche Experten so. In einer aktuellen Position der Bundeszahnärztekammer heißt es: „Allein im Praxisalltag zeigt sich, dass Zahnseide ein brauchbares Hilfsmittel für die Reinigung der Zahnzwischenräume ist. Denn die Zahnbürste reinigt nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche.“ Doch Karies und Parodontitis entstehen bei Erwachsenen auch im Zahnzwischenraum, weshalb auch die Interdentalräume einmal täglich gründlich gereinigt werden sollten.

Laut den Fachleuten erscheint Zahnseide bei engen Zwischenräumen „nach wie vor die beste Lösung“ zu sein, um Beläge zu entfernen. Die Bundeszahnärztekammer befürwortet nach eigenen Angaben weitere Studien, um eine „wissenschaftliche Einordnung der Praxiserfahrungen zu dokumentieren“. (ad)

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