Zweifelhafte OPs: Arthroskopische Chirurgie hilft nicht bei Arthritis im Knie

(Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Alexander Stindt
Experten untersuchen Wirksamkeit von arthroskopischer Chirurgie
Ein internationales Gremium von Chirurgen und Patienten hat die Wirksamkeit eines der häufigsten orthopädischen Verfahren untersucht. Die Experten stellten fest, dass der Einsatz von arthroskopischer Chirurgie bei Patienten mit degenerativen Knieproblemen keine dauerhafte Schmerzlinderung oder Verbesserung bewirkt.

Ein internationales Team aus Wissenschaftlern stellte bei seiner Untersuchung fest, dass der Einsatz arthroskopischer Chirurgie bei Patienten mit degenerativen Knieproblemen nicht wirklich zu einer Besserung führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Anaylse verschiedener Studien in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

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Oft versuchen Mediziner bei Menschen mit degenerativen Knieproblemen einen chirurgischen Eingriff vorzunehmen, um den Betroffenen eine Linderung der Schmerzen zu ermöglichen. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass solch eine Operation bei den meisten Patienten nicht wirksam ist.

Operation führt zu keiner dauerhaften Schmerzlinderung
Für ihre Untersuchung analysierten die Experten die Ergebnisse von 13 Studien mit insgesamt fast 1.700 Patienten. Dabei fanden sie heraus, dass die Operation keine dauerhafte Schmerzlinderung oder Verbesserung der Funktion für die meisten Betroffenen bewirkt. Die untersuchten Studien verglichen die Auswirkungen der Chirurgie mit einer Vielzahl von Optionen, einschließlich Physiotherapie, Bewegung und auch Placebo-Chirurgie, erläutern die Wissenschaftler.

Schmerzlinderung war nach einem Jahr nicht mehr vorhanden
Weniger als 15 Prozent der Patienten fühlten eine Verbesserung der Schmerzen und der Funktion des Knies drei Monate nach dem Verfahren, sagen die Mediziner. Dieser Effekt war allerdings nach etwa einem Jahr nicht mehr vorhanden, erklären die Forscher weiter. Darüber hinaus kann der Einsatz von Chirurgie bei den Patienten zu seltenen aber gefährlichen Schäden wie beispielsweise Infektionen führen, fügen die Experten hinzu.

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Was passiert bei arthroskopischer Knie-Chirurgie?
Bei einer arthroskopischen Knie-Chirurgie machen die Ärzte mehrere kleine Schnitte um das Gelenk herum. Dann nutzen sie eine winzige Kamera, um in das Knie zu sehen und mit der Hilfe von kleinen Instrumenten identifizierte Probleme zu beheben. Oft wird die Operation durchgeführt, um einen Teil eines beschädigten Meniskus zu entfernen, sagen die Wissenschaftler. Auf der ganzen Welt wird diese Form der Chirurgie pro Jahr mehr als zwei Millionen Mal durchgeführt. Alleine in den Vereinigten Staaten kosten diese Operationen mehr als drei Milliarden Dollar jährlich.

Viele Organisationen äußern Empfehlungen gegen eine Arthroskopie bei Patienten mit Arthritis
Die Empfehlungen des Gremiums stehen im Einklang mit Richtlinien aus einer Reihe von medizinischen Gruppen. Die meisten dieser Organisationen haben Empfehlungen gegen Arthroskopie für Patienten mit Arthritis ausgegeben, wenn die Arthritis durch ein Röntgenbild erkannt werden kann, erläutern die Autoren.

Ausnahmen bestätigen die Regel
Die Richtlinien der amerikanischen Akademie der Orthopädischen Chirurgen empfiehlt Patienten mit Arthritis keine solche Form der Behandlung durchzuführen. Diese Empfehlung wird auch durch die neue Studie bestätigt. Allerdings berücksichtigt die Verallgemeinerung einer Vielzahl von randomisierten Studien nicht unbedingt die Umstände der einzelnen Patienten, warnen die Experten. Die Richtlinien gelten halt nicht für jeden Patienten. Es werde immer Ausnahmen geben.

Schmerzlinderung durch Operation ist einfach zu gering
Die Frustration mancher Menschen über die Ergebnisse der Untersuchung ist verständlich, vor allem wenn Betroffene in der Operation eine Möglichkeit zur Verbesserung ihrer gesundheitlichen Probleme gesehen haben, erklärt der Hauptautor Reed Siemieniuk. Trotz positiven persönlichen Erfahrungen, deuten die Beweise darauf hin, dass die erzielten Ergebnisse vielleicht doch nicht so gut für die Patienten sind, fügt der Experte hinzu. Die Lektüre der untersuchten Studien ergab, dass die erhaltene Schmerzlinderung zu gering ist, um als relevant eingestuft zu werden.

Operation nicht wirksamer als Übungen gegen die Schmerzen
Die Bewertung der Studien im BMJ ist die neueste in einer Reihe von Untersuchungen, welche Bedenken über diese Form der Chirurgie aufgeworfen haben. Die Zeitschrift veröffentlichte bereits im Jahr 2015 eine Studie von Forschern aus Dänemark. Diese ergab damals, dass die arthroskopische Reparatur des Meniskus für Menschen mittleren Alters nicht viel wirksamer ist, als verschiedene Übungen zur Linderung der Schmerzen. Zusätzlich gibt es durch die Operation ein Risiko für schwächende Nebenwirkungen. (as)