Ausleitverfahren

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Ausleitverfahren, auch Aschnerverfahren genannt, haben ihren Ursprung in der Humoralpathologie. Diese war Basis und Grundgedanke von Hippokrates, wonach Krankheit als ein Ungleichgewicht der vier Säfte (schwarze Galle, Schleim, Blut, gelbe Galle) bezeichnet wurde. Ausleitverfahren sind zwar uralte Methoden, haben jedoch heute wieder in vielen Naturheilpraxen ihren festen Platz und werden dort mit Erfolg angewandt.

Inhaltsverzeichnis

Die Humoralpathologie – die Vier-Säfte-Lehre
Was ausleitend wirkt
Das blutige Schröpfen
Cantharidenpflaster
Der Aderlass
Das Baunscheidtieren
Ausleitverfahren heute
Ausleiten von Schwermetallen
Öl ziehen – Ausleiten von Giften aus dem Mund
Ausleiten – Entgiften

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Die Humoralpathologie – die Vier-Säfte-Lehre

In der Humoralpathologie wird ein Ungleichgewicht der vier Körpersäfte Dyskrasie genannt. Schwarze Galle ist dem Element Erde zugeordnet, entspricht der Milz und dem Typus des Melancholikers. Schleim gehört dem Element Wasser und dem Temperament des Phlegmatikers an. Das dazugehörige Organ ist das Gehirn und steht für Wachstum und das Vegetativum. Blut entspricht der Luft, stellt das Herz dar, symbolisiert den Sanguiniker und steht für Empfindungen und das Seelisch-Lebendige.

Die gelbe Galle gehört zur Leber und zum Element Feuer, entspricht dem Temperament des Cholerikers und spiegelt das Stoffwechselgeschehen wieder.

Die Ausleitverfahren sind dazu da, ein Gleichgewicht zwischen den vier Säften zu schaffen, indem Stoffe um – oder ausgleitet werden. Folgendes Zitat von Paracelsus macht den Grundgedanken dieses Verfahrens verständlicher: „Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, da hat sie schädliche Stoffe angesammelt und will sie ausleeren. Ist die Natur nicht imstande, diesen Vorsatz selbst auszuführen, muss der Arzt eine künstliche Öffnung direkt an der kranken Stelle machen und so Schmerz und Krankheit rasch heilen.“

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Schröpfen ist eines der bekanntesten Ausleitverfahren. Bild: apops/fotolia.de

Was ausleitend wirkt

Die Verfahren, die eine künstlich Öffnung schaffen, wirken ausleitend. Das ist zumindest die ursprüngliche Definition. Dazu gehören das blutige Schröpfen,das Cantharidenpflaster, der Aderlass,und die Baunscheidttherapie. Alle genannten Methoden tragen dazu bei, dass „schlechte Säfte“ abfließen können und der Körper dadurch wieder in ein Gleichgewicht kommt. Heutzutage wird Ausleiten etwas „großzügiger“ gesehen. So sind dies nicht nur Therapien, die ein Eröffnen der Haut voraussetzen, sondern Behandlungsformen, die den Körper dazu animieren, Schlacken und Giftstoffe auf natürlichem Wege nach außen zu bringen. Dazu gehört zum Beispiel das Aulseiten von Amalgam. Dies wird ganz unterschiedlich, je nach Therapeut, durchgeführt. Die Basis ist ein Loslösen des Giftstoffs, ein Auffangen und Abpuffern und ein Ausleiten. Dies wird mit verschiedenen Pflanzenmischungen durchgeführt.

Das blutige Schröpfen

Das blutige Schröpfen ist eine uralte Reiztherapie, wird jedoch bis heute in vielen naturheilkundlich arbeitenden Praxen angewandt. Dieses Ausleitverfahren kommt zum Einsatz, wenn sich der Körper in einem Füllezustand befindet. Ist allerdings ein Energiemangel vorhanden, bleibt das blutige Schröpfen absolut kontraindiziert. Die Haut wird desinfiziert, leicht angeritzt und dann ein Schröpfglas aufgesetzt. Das im Glas befindliche Vakuum zieht das Blut aus dem Körper. In der Regel wird das Schröpfglas abgenommen, wenn dies ein Drittel mit Blut gefüllt wird, bei Beschwerden oder Unbehagen selbstverständlich früher. Mit dieser Methode können Schlacken den Körper verlassen.

Cantharidenpflaster

Bereits bei Hippokrates wurde das Cantharidenpflaster angewandt. Dieses Ausleitverfahren wirkt nicht, wie beim blutigem Schröpfen, über das Blut, sondern hier wird die Lymphe zur Ausscheidung angeregt. Das Cantharidenpflaster wird entweder selbst hergestellt oder kann auch schon fertig in der Apotheke erworben werden. Der Wirkstoff Cantharidin, der sich auf dem Pflaster befindet oder selbst aufgebracht wird, wird aus der spanischen Fliege hergestellt und hat eine stark hautreizende Wirkung. Das Cantharidenpflaster ist unbedingt nur von einem erfahrenen Therapeuten zu verwenden, da die dabei entstehenden Symptome einer künstlich erzeugten Verbrennung zweiten Grades gleichkommen. Durch das Cantharidin wird Gewebsflüssigkeit zur Körperoberfläche hin geleitet. Dieses Sekret enthält Schlacken und Gifte. Durch die entstandene Entzündung werden die Abwehrmechanismen aktiviert, was einen positiven Nebeneffekt für das Immunsystem hat. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen schlecht heilende Wunden, Narbenbildung und Pigmentverschiebungen.

Der Aderlass

Der Aderlass gehört zu den ältesten Ausleitverfahren. Hippokrates wandte ihn bereits regelmäßig an. Leider wurde diese Therapieform häufig zu exzessiv durchgeführt, wodurch dieses Verfahren im Mittelalter in Verruf geriet. Eine Blutabnahme von 500 Millilitern monatlich war die Regel. Heute wird diese Behandlungsform wieder in vielen Naturheilpraxen angewandt, jedoch wird der Aderlass viel sanfter durchgeführt und die Blutmengen sind deutlich geringer.

Indikationen für die Anwendung sind vor allem Füllezustände, wie zum Beispiel roter Bluthochdruck. Weitere Anwendungsbereiche sind Rheuma, Durchblutungsstörungen, Gicht und Fettstoffwechselstörungen. Jedoch muss dabei genau überprüft werden, ob die Betroffenen wirklich körperlich und seelisch für den Aderlass geeignet sind. Ist der Patient schwach, leidet an Hypotonie oder einem anderen Leerezustand, so ist dieses Verfahren absolut kontraindiziert.

Das Baunscheidtieren

Das Baunscheidtieren ist ein Ausleitverfahren, bei dem über die Haut ausgeleitet wird. Carl Baunscheidt, ein Mechaniker, stieß durch einen Eigenversuch auf diese Methode und behandelte damit erfolgreich viele Menschen. Mit einem sogenannten Lebenswecker, ein Instrument, das 33 kleine Stahlnadeln besitzt, wird die desinfizierte Haut angeritzt. Danach wird ein spezielles Öl aufgetragen, wodurch die Haut mit Pustelbildung und Rötung reagiert. Dieses Ausleitverfahren kurbelt die Durchblutung an, stimuliert den Lymphfluss, Giifststoffe und Schmerzmediatoren werden ausgeleitet. Zusätzlich profitiert das Immunsystem von der künstlich erzeugten Entzündung. Bei massiven Verspannungen im Bereich des Rückens ist diese Methode sehr hilfreich.

Ausleitverfahren heute

Heutige Ausleitverfahren beschränken sich nicht mehr auf das Ausleiten mit Hilfe einer Körperöffnung. Ausleiten wird stattdessen oft mit dem Begriff Entgiftung gleichgesetzt, was bedeutet, dass verschiedene Mittel aus der Phytotherapie, Schüssler Salz Therapie oder Orthomolekularer Medizin verabreicht werden, um den Körper zum Entgiften anzuregen.

Ausleiten von Schwermetallen

Quecksilber, Cadmium, Blei, Nickel und viele andere Schwermetall verseuchte Stoffe belasten unsere Gesundheit. Leber, Nieren, Darm, aber auch das Immunsystem haben damit zu kämpfen. Das Ausleiten von Schwermetallen sollte stets zusammen mit einem erfahrenen Therapeuten in Angriff genommen werden. Wenn diese Schadstoffe frei und nicht richtig gebunden und ausgeschieden werden, kann dies massive Beschwerden auslösen. Deshalb ist ein Aktivieren der Entgiftungsorgane, wie Leber und Nieren vor der Ausleitungstherapie sehr wichtig. Dies geschieht zum Beispiel mit Goldrute, Brennnessel und Mariendistel.

Bei einer Belastung mit Schwermetallen darf Selen niemals fehlen. Dies ist ein starkes Antioxidantium und wird sogar von einigen Zahnärzten gegeben, bevor ein amalganhaltiger Zahn entfernt wird. Für das Ausleiten von Schwermetallen ist wichtig, dass diese im Körper zuerst gebunden werden, um dann ausgeschieden werden zu können. Dafür wird heutzutage häufig auch Zeolith, ein Vulkangestein, verwendet. Dies besitzt eine hohe Bindungsfähigkeit für Schwermetalle und andere Schadstoffe im Körper. Die Natur hält die verschiedensten Pflanzen bereit, die ebenfalls zur Entgiftung dienen. Hierzu gehören zum Beispiel, Löwenzahn, Bärlauch, Koriander und Vieles mehr. Häufig wird zusätzlich noch die Chlorella pyrenoidosa, eine Süßwasseralge, verabreicht, da diese die Schwermetalle im Darm bindet.

Öl ziehen – Ausleiten von Giften aus dem Mund

Das sogenannte „Öl ziehen“ gehört ebenfalls zu den modernen Ausleitverfahren. Am besten wird dies morgens durchgeführt. Eine kleine Menge Öl, idealerweise Sesam- oder Sonnenblumenöl, wird im Mund hin – und herbewegt, gekaut und dies so lange wie möglich. Das Öl hat die Fähigkeit, Erreger und Giftstoffe zu binden. Deshalb muss das Öl anschließend auch unbedingt vollständig ausgespuckt werden.

Ausleiten – Entgiften

Umwelteinflüsse, Medikamente, Schimmelpilze, Chemikalien, Alkohol, Nikotin, Stress – all dies macht uns nicht gerade gesünder. Hier ist eine Entgiftung angesagt, am besten zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass genügend Energie vorhanden ist. Ein Mensch, der ausgezehrt und schwach ist, eventuell eine massive Erkrankung hinter sich hat, kann nicht entgiften. Hier muss zuerst Energie zugeführt werden. So wird in der Naturheilkunde zum Beispiel mit geeigneten Mitteln die Milz gestärkt und mit Eleutherokokkus (Taigawurzel) das Immunsystem und die Belastbarkeit unterstützt. Ferrum sidereum, ein Mittel aus der Anthroposophischen Medizin hilft bei Erschöpfung und wird in der Rekonvaleszenzphase verabreicht.

Frühjahr und Herbst sind besonders geeignet, um Ausleitverfahren anzuwenden. In diesen Jahreszeiten ist der Körper in einer Umstimmungsphase und deshalb bereit für eine Entgiftungskur.

Niere, Leber und Lymphe werden durch geeignete Maßnahmen dazu gebracht, Gifte und Schlacken loszulösen und nach außen zu bringen. Löwenzahn und Brennnessel sind Mittel für die Niere, Mariendistel und Artischocke entgiften die Leber und Storchenschnabel und Steinkleekraut kurbeln die Lymphe an. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die gelösten Stoffe auszuscheiden. Zu einer Ausleitungskur gehört auch eine gesunde Ernährung, die arm an Tierischem und reich an frischen Gemüse und Obst ist. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, Saunagänge, Bürstenmassagen, Basenbäder und ausreichend Schlaf sind ebenso wichtig. Treten während der Entgiftungsphase Beschwerden, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Müdigkeit und schlechte Stimmung auf, so sollte die Trinkmenge erhöht werden. (sw)