Ayurveda

Susanne Waschke

Der Begriff Ayurveda stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Worten Veda (= Wissen) und Ayus (= Leben) zusammen, was in Kombination den Sinn „Wissenschaft vom langen Leben“ ergibt. Ayurveda ist ein ganzheitliches, den Körper, die Seele und den Geist betreffendes System. Hinter Ayurveda verbirgt sich eine indische Lebensweisheit und Lebenseinstellung. Der Ursprung der Ayurveda geht bis in das fünfte Jahrhundert vor Christus zurück. Dem Prinzip des Ayurveda zufolge geht es um ein gesundes Zusammenleben zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. So stellt der Mensch den Mikrokosmos und das Universum den Makrokosmos dar. Nach den Hindus ist der Mensch die Erweiterung des Lebens des Schöpfers. Ayurveda ist die älteste Lehre von Gesundheit, Krankheit und Heilung. Heilung bedeutet in der indischen Lehre das Wiederherstellen des Gleichgewichtes zwischen Körper, Seele und Geist und dem Universum. Je nach Veranlagungen, Charakter, Aussehen usw. wird gelebt, sich ernährt und geheilt.

Inhaltsverzeichnis:
Ayurveda
Fünf Urelemente im Ayurveda
Die drei Konsitutionstypen im Ayurveda
Die Doshas des Ayurveda
Ernährung im Ayurveda

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Fünf Urelemente im Ayurveda

Die Ayurveden lehren, dass alles, sowohl Mikro- als auch Makrokosmos aus fünf Urelementen besteht. Dies sind Erde, Wasser, Feuer, Luft (Wind) und Raum (Äther). Die Elemente sind überall enthalten, so auch in uns Menschen. Jedes Element besitzt bestimmte Eigenschaften und Wirkungen. Auch wird jedem Element ein Sinnesorgan zugeordnet.

Die fünf Elemente erinnern uns an physische Begebenheiten in der Welt. Hinter den, in der indischen Heilkunst verwendeten Elementen, steckt jedoch ein ganz anderer, viel umfassenderer Sinn. Zum Verständnis ist es wichtig, sich länger mit der Thematik zu beschäftigen, um den tieferen Sinn des Ayurveda zu erfassen.

In der Philosophie des Ayurveda besteht alles im Universum aus den fünf Elementen Raum (Äther), Luft (Wind), Feuer, Wasser, Erde. Alle fünf Elemente sind enthalten in allen Dingen, einschließlich unserem Körper und jedes Element hat spezielle Eigenschaften.

Das Element Raum korrespondiert mit den Räumen in unserem Körper wie zum Beispiel Mundhöhle, Rachen, Bauchraum, und Blutgefäße. Raum steht für Leichtigkeit und Weichheit und ist den Organen Leber und Gallenblase zugeordnet.

Luft oder auch Wind genannt, steht für Bewegung. Ohne Bewegung kein Leben. Das Element Luft ist den Organen Lunge und Dickdarm zugeordnet.

Feuer ist der „Herd“ in uns, das Energiezentrum, die Stoffwechselfabrik und kümmert sich um die Organe Herz und Dünndarm.

Wasser gibt es genug in jedem Körper, der erwachsene Mensch besteht zu mehr als 70 Prozent aus dieser Flüssigkeit. Das Element Wasser beschäftigt sich mit den Organen Niere und Blase.

Erde bezeichnet alle festen Strukturen in uns, wie Knochen, Nägel, Zähne, Muskeln, Knorpel und Sehnen. Das Element ist den Organen Milz und Magen zugeordnet.

Ayurveda
Die Ayurveda unterscheidet drei verschiedene Konstitutionstypen. sogenannte Doshas. Bild: Pixelrohkost/fotolia.com

Die drei Konsitutionstypen im Ayurveda

Ayurveda teilt den Körper in drei Konstitutionstypen, genannt Doshas, ein. Dies sind Vata, Pitta und Kapha. Vata, Pitta und Kapha sind als Kräfte im Körper zu sehen, die in einem ausgeglichenen Verhältnis vorhanden sind, wenn der Mensch gesund ist. Vata und Kapha arbeiten gegensätzlich, wobei Pitta die vermittelnde Energie zwischen den beiden anderen darstellt. Vata beinhaltet die Elemente Raum und Luft, Pitta enthält Feuer und Wasser und Kapha enthält Wasser und Erde.

Vata ist die treibende Kraft, die Kraft der Bewegung, ohne die kein Leben möglich wäre. Vata ist der Motor für das Nervensystem, die Muskeln, Herz, Kreislauf und die Gedanken. Kapha sorgt für Stabilität, Substanz, Kraft und Geduld. Es sorgt dafür, dass die Flüssigkeiten im Körper im Gleichgewicht sind. Pitta ist eng mit dem Element Feuer verbunden und sorgt für den Verbrennungsprozess im Körper, für Hitze und Wärme. Es ist für die Verdauungsprozesse und den Stoffwechsel verantwortlich. Pitta kümmert sich zum Beispiel um Hunger und Durst, als Grundbedürfnisse des Menschen.

Vata würde, ohne das Zusammenspiel mit den anderen Doshas, durch seine unaufhörliche Bewegung und Aktivität sich selbst zerstören. Kapha, als eigentlicher Gegensatz, sich selbst überlassen, in Lethargie verfallen und Pitta, ohne Gegenspieler, würde verbrennen. Dies bedeutet, dass sich alle drei Doshas brauchen, so wie es im Leben ein oben und unten, ein außen und innen gibt. Ein übermäßiges Vata wird durch Kapha gebremst und ein zu starkes Kapha durch Vata angetrieben. Pitta ist der Vermittler zwischen den beiden Doshas.

Es gibt sieben Dosha-Typen: Vata, Pitta, Kapha, Vata-Pitta, Pitta-Kapha, Vata-Kapha, Vata-Pitta-Kapha. Die drei Dosha-Elemente bestimmen und regeln alle biologischen, psychologischen und physiopathologischen Funktionen des Körpers. In einem gesunden Körper sind sie dabei stets ausgeglichen.

Jedes Dosha ist auch den verschiedensten Tageszeiten zugeordnet, das heißt zu bestimmten Zeiten vorrangig aktiv. Zum Beispiel ist die Zeit vor Sonnenaufgang die Zeit des Kapha, von 10 Uhr bis 14 Uhr regiert Pitta und von 14 Uhr bis Sonnenuntergang ist Vata aktiv. So ist ein Mensch, der vor allem Vata-Eigenschaften besitzt am aktivsten in der Zeit von 14 Uhr bis hin zum Sonnenuntergang.

Die Doshas des Ayurveda

Jeder Mensch trägt seine ganz individuelle Dosha-Kombination in sich. Dies kann sich im Laufe der Zeit jedoch auch ändern. So ist die Verteilung der Doshas bei einem Jugendlichen anders als bei einem Erwachsenen, und ändert sich auch hier meist mit zunehmendem Alter. Jedoch ist der Theorie des Ayurveda zufolge bei vielen Menschen eine Grundtendenz zu einem Konstitutionstypus von Geburt an vorhanden. Disharmonien zwischen den einzelnen Doshas, die bei den meisten Menschen vorhanden sind, verursachen Stärken und Schwächen, aber auch die Neigung zu bestimmten Erkrankungen. Nahezu kein Mensch ist ganz Vata, Pitta oder Kapha. Die drei Doshas vermischen sich untereinander und sind bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger vorhanden.

Kapha
Menschen, die eine Kapha-Konstitution haben, sind eher kräftig gebaut. Jedoch trotzdem sportlich und beweglich. Diese Personen neigen leicht zu Übergewicht.
Kapha-Anhänger bewegen sich langsam, sind ruhig und im Allgemeinen fröhlicher Natur. Sie lieben es gut zu essen, und dies macht sie auch glücklich. Kapha ist den Organen Lunge, Lymphe und dem Magen zugeordnet. So neigen Kapha-Menschen zur Erkrankung dieser Organe.

Pitta
Ein Pitta-Mensch ist hingegen meist athletisch gebaut, muskulös und äußerst sportlich. Pitta steht für Intelligenz und Aktivität. Pitta-Menschen haben eine äußerst gute Verdauung, einen guten Appetit, sind schnell in ihrem Handeln, zielgerichtet und engagiert. Dies kann aber auch in Fanatismus enden. Krankheiten, zu denen sie neigen, sind Krankheiten der Leber und Galle, des Blutes, der Milz und des Dünndarmes.

Vata
Ein Vata-Mensch ist normalerweise ständig in Bewegung. Er besitzt einen zarten Körperbau, ist dünn und schmalschultrig. Oft sind die Rippen zu sehen. Vata-Menschen sind häufig nervös, Essen und Trinken sind für sie Nebensache. Sie sind klug und auch intellektuell, denken jedoch nicht immer praktisch sondern eher abstrakt. Sie neigen zu Krankheiten die Knochen, Herz, Dickdarm und das Nervensystem betreffen.

Alle drei Doshas, je nach dem wie mengenmäßig verteilt sie bei dem jeweiligen Menschen vorkommen, beeinflussen die Lebenskraft, die Stimmung, das Verdauungsfeuer, den Stoffwechsel, kurz gesagt das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist.

Ernährung im Ayurveda

Jedem Dosha entsprechen bestimmte Nahrungsmittel, die gut tun oder andere, die dem Dosha eher schaden können. Wenn zum Beispiel bei einem Menschen ein Dosha im Übermaß vorhanden ist, so sollten die Nahrungsmittel dieses Dosha eher gemieden oder zumindest seltener genossen werden.

Kapha-Ernährung
Kapha-Menschen sollten nach der Philosophie des Ayurveda zweimal täglich im Abstand von fünf bis sechs Stunden essen. Dieses Dosha ist das Einzige, bei dem ein Frühstück in Form von Saft oder Tee ausreichend ist. Ein üppiges Frühstück ist für Kapha-Menschen nicht geeignet. Gegessen werden sollte nur, wenn Hunger vorhanden ist. Ausgleichend auf das Kapha-Dosha wirken Eigenschaften, wie leicht, bitter und heiß. Störend auf das Kapha-Dosha wirken Nahrungsmittel, die ölig, salzig, süß, sauer und schwer sind. Eine leicht verdauliche Kost ist hier sehr wichtig. So sind Milchprodukte meistens zu schwer, Öle sollten sparsam verwendet werden und wenn gesüßt wird ist allen Süßungsmitteln der Honig vorzuziehen.

Pitta-Ernährung
Pitta-Menschen sollten ihrem ständigen Appetit nachgeben. Mittags ist die Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit. Spätes Essen ist für Pitta-Menschen nicht zu empfehlen. Salzige, fette, zu stark gewürzte oder saure Speisen sind zu meiden. Eigenschaften, wie süß, kühl, zusammenziehend, bitter und trocken gleichen das Pitta-Dosha aus. Wobei scharf, heiß, sauer, salzig und ölig zu Störungen führen kann. Pitta-Menschen vertragen Süßes viel besser als die beiden anderen Doshas, jedoch sollte auch hier nicht übertrieben werden.

Vata-Ernährung
Da für Vata-Menschen die Ernährung nicht gerade im Vordergrund steht, muss gerade hier auf hochwertige Nahrung und regelmäßiges Essen geachtet werden. Die Eigenschaften einer Vata-Ernährung sind warm, schwer, nährend, befeuchtend beruhigend und erdend. Ein Vata-Mensch sollte warmes Essen bevorzugen. Und wenn dies nicht möglich ist, dann schafft zumindest eine Tasse heißen Tees zum Essen etwas Abhilfe. Das Auslassen von Mahlzeiten ist nur selten erlaubt. Ausgleichend auf Vata wirken süße, schwere, saure salzige, ölige und vor allem warme Nahrungsmittel. Eigenschaften, wie scharf, bitter, zusammenziehend, leicht, trocken und kalt sind nicht zu empfehlen.

Bei der ayurvedischen Ernährungslehre gelten einige Grundregeln zudem für alle Doshas. So sollte prinzipiell nur bei Hunger gegessen werden, Zwischenmahlzeiten zu sind zu vermeiden und mittags sollte die Hauptmahlzeit eingenommen werden. Ruhe (des Gemüts) ist beim Essen besonders wichtig und die Nahrung sollte aus frischen Lebensmitteln bestehen. Die sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend (herb) sollten in jeder Mahlzeit enthalten sein, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

Um die Wirkung der unterschiedlichen Nahrungsmittel zu beschreiben, werden diese grundsätzlich in drei Klassen eingeteilt, wobei Nahrungsmittel wie Früchte, Getreide, Gemüse und Milchprodukte, als süße, saftige und ölige Speisen der Nahrungsmittelklasse Sattva-Guna zugeordnet sind. Der Theorie des Ayurveda zufolge verlängern sie die Lebensdauer und steigern die Zufriedenheit. Die bitteren, sauren, salzigen, scharfen, heißen und trockenen Nahrungsmittel wie zum Beispiel Chili, Zwiebel und Knoblauch, werden als Rajo-Guna bezeichnet. Sie erhitzen laut Ayurveda-Philosophie den Körper und die Psyche durch Überstimulation und können Aggressionen verursachen. Der dritten Nahrungsmittelklasse Tamo-Guna werden überreife bis faule Nahrungsmittel zugeordnet ebenso wie abgestandene und wieder aufgewärmte Nahrung. Der regelmäßige Konsum von Alkohol und andere Drogen fällt auch in die Kategorie. Eine wesentliche Rolle bei der ayurvedischen Ernährung spielt das sogenannte „Verdauungsfeuer“, auch Agni genannt. Dies wird maßgeblich beeinflusst durch die Qualität der Ernährung und Störungen des Verdauungsfeuers können zu Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Heißhunger. (sw)

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Bild: Günter Hommes / pixelio.de