Heilpflanzen bei Bluthochdruck

Susanne Waschke
Bluthochdruck, in der Fachsprache als Hypertonie bezeichnet, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Häufig bleibt dieser über längere Zeit hinweg unbemerkt, doch kann Bluthochdruck unbehandelt verheerende Auswirkungen haben. Nicht immer muss gleich zu chemischen Arzneimitteln gegriffen werden – Heilpflanzen, richtig angewandt, können bei leichteren Formen ebenfalls helfen.

Ursachen

Meist ist die Ursache von Bluthochdruck unklar. Dies wird auch als essentielle Hypertonie bezeichnet. Weitere Ursachen sind Erkrankungen der Niere, des Hormonsystems, der Gefäße, Diabetes Typ II oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Glucocorticoide, Psychopharmaka, Schilddrüsenhormone und die Anti-Baby-Pille. Auch kann eine Veranlagung zu Bluthochdruck genetisch bedingt sein.

Andere Ursachen sind Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhte Cholesterinwerte, hoher Salzkonsum, täglicher Alkoholkonsum, negativer Stress, Rauchen und Kaliummangel. Auf jeden Fall muss Bluthochdruck von einem Arzt abgeklärt werden. Liegen Erkrankungen zugrunde, sind diese als Erstes zu behandeln.

Wird Bluthochdruck frühzeitig erkannt, lässt sich dieser mit Heilpflanzen und einer Umstellung des Lebensstils oftmals erfolgreich beseitigen. (Bild: stokkete/fotolia.com)

Symptome

Viele Patienten merken über längere Zeit hinweg gar nichts von ihrem bestehenden Bluthochdruck. Dieser ist dann ein sogenannter Zufallsbefund zum Beispiel beim jährlichen Check up. Andere wiederum klagen über Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel, Herzklopfen und Schweißausbrüche. Liegt eine Grunderkrankung vor, bestehen häufig noch weitere Symptome.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) teilt den Bluthochdruck wie folgt ein:
Ein optimaler Blutdruck herrscht bei Werten von systolisch rund 120 mmHg und diastolisch rund 80 mmHg. Bei einem normalen Blutdruck liegen die Systole zwischen 120 und 129 und die Diastole zwischen 80 und 84 mmHg . Ein hoch-normaler Blutdruck bedeutet systolische Werte zwischen 130 bis 139 mmHg und diastolische Werte zwischen 85 und 89 mmHg.

Danach beginnt die sogenannte milde Hypertonie, auch Stufe I genannt : Systole 140 bis 159 mmHg und Diastole 90 bis 99 mmHg. Bei der mittleren Hypertonie (Stufe 2) erreicht die Systole 160 – 179 mmHg und die Diastole 100 bis 109 mmHg. Systolische Werte über 180 mmHg und diastolische Werte größer als 110 mmHg werden als schwere Hypertonie (Stufe 3) bezeichnet.

Knoblauch ist eine der bekanntesten Heilpflanzen, die gegen Bluthochdruck und andere Herz-Kreislaufbeschwerden eingesetzt werden kann. (Bild: Sarote/fotolia.com)

Heilpflanzen

Ein milder oder grenzwertiger Bluthochdruck kann mit Heilpflanzen behandelt werden. Dabei ist aber unbedingt ein Blutdruck-Tagebuch zu führen. Lässt sich die Hypertonie nicht beeinflussen, oder sind die Werte sehr wechselnd, muss dies unbedingt mit einem Arzt abgeklärt werden. Auch wenn die Werte wieder normal werden, die Symptomatik sich aber nicht verändert, gehört der Patient in eine Arztpraxis.

Rauwolfia serpentina (Schlangenwurzel)

Rauwolfia wird bei leichter essentieller Hypertonie verwendet. Vor allem dann, wenn die Betroffenen unter Unruhe-, Angst- und/oder Spannungszuständen leiden. Neben einer leicht blutdrucksenkenden Wirkung lindert diese Heilpflanze die Begleitsymptome wie Kopfschmerzen und Schwindel.
Aufgrund erheblicher Nebenwirkungen wird Rauwolfia nur noch in niedrigen Dosierungen und meistens auch in Mischpräparaten angewandt. Eine homöopathische Verordnung ist erst ab der D4 nicht mehr verschreibungspflichtig. Rauwolfia sollte niemals einfach so, ohne vorherige Konsultation eines Arztes oder Heilpraktikers, eingenommen werden.

Absolut kontraindiziert ist die Einnahme eines Rauwolfia-Präparates, wenn Erkrankungen wie Depressionen, Magen- oder Darmgeschwüre oder gar ein Tumor des Nebennierenmarks vorliegen. Ebenso müssen Schwangere und Stillende von der Einnahme ausgeschlossen werden.

Olivenblattextrakt ist ein vielfach bewährtes Mittel der Naturheilkunde, das auch gegen Bluthochdruck eingesetzt werden kann. (Bild: silencefoto/fotolia.com)

Olivenblattextrakt

Wie gesund Olivenöl ist, weiß inzwischen jeder. Doch noch gesünder und gehaltvoller ist der Olivenblattextrakt. Dieser wirkt antientzündlich, antioxidativ, antiviral, antibiotisch, antimykotisch, antiparasitär und stärkt noch dazu das Immunsystem. Bereits Hildegard von Bingen wandte Olivenblätter in der Behandlung von Verdauungsbeschwerden – jedoch in Teeform – an. Wirkungsvoller ist der Olivenblattextrakt. Dieser unterstützt eine Darmsanierung, beugt wiederkehrenden Blasenentzündungen vor, hilft bei Scheidenpilz und verbessert die Gefäßsituation im ganzen Körper. Dies wirkt sich auch positiv auf die Behandlung von Bluthochdruck aus. Wer den bitteren Geschmack des Extraktes nicht mag, kann diesen in Form von Kapseln einnehmen. Wichtig dabei ist, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Mistel

Die Mistel ist eine ganz besondere Pflanze. Sie gleicht hohen, aber auch niedrigen Blutdruck aus. Das ist vor allem für Patienten gut, die unter Blutdruckschwankungen leiden. Die Mistel ist als Tee, in Tropfen-, Tabletten- oder Ampullenform erhältlich. Welche Anwendungsform die Richtige ist, wird am besten zusammen mit einem Arzt oder einem Heilpraktiker besprochen.






Knoblauch und Bärlauch

Knoblauch ist nicht nur ein tolles Gewürz, sondern ebenso eine hilfreiche Heilpflanze. Knoblauch wirkt antibakteriell, antimykotisch und verhindert das Zusammenklumpen der Blutplättchen, in der Fachsprache Thrombozytenaggregationshemmung genannt. Ebenso kann diese Heilpflanze ein Auflösen von bereits bestehenden Blutgerinnseln bewirken. Insofern ist Knoblauch ein gutes Heilmittel bei Bluthochdruck.

Wer Knoblauch nicht so gerne mag, kann stattdessen zu Bärlauch greifen. Auch dieser hält die Gefäße elastisch und kann den erhöhten Blutdruck etwas senken. Am besten werden Knoblauch und Bärlauch frisch und regelmäßig verzehrt.

Alpenrose (Rhododendron ferrugineum)

Die rostblättrige Alpenrose ist giftig. Sie sollte daher nur in homöopathischer Form, ab D6 verwendet werden. Diese Heilpflanze wird bei Gicht, bei rheumatischen Erkrankungen, bei Wetterfühligkeit und auch bei Bluthochdruck in der Naturheilkunde verordnet.

Gingko

Gingko ist bekannt in der Anwendung bei nachlassender geistiger Fähigkeit, Konzentrationsstörungen, Ohrensausen und Schwindel. Gingko verbessert die Durchblutung und wirkt Gefäß erweiternd, was sich auch positiv auf einen bestehenden Bluthochdruck auswirken kann. Vorsicht: Bei Einnahme von Blutverdünnern muss auf Gingko verzichtet werden!

Spargel

Spargel kennt jeder – ein wohlschmeckendes, entwässerndes Gemüse. Jedoch kann Spargel auch als Heilpflanze bei Bluthochdruck helfen. Als Spargelsaft oder aber in Tablettenform, trägt dieser zur sanften Entwässerung bei, was bei manchen Bluthochdruckformen helfen kann. Vor einer Kur mit einem Spargelpräparat sollte ein Arzt befragt werden. Nicht für Jede/n ist ein Entwässern geeignet.

Crataegus

Crataegus, der Weißdorn, findet sich in verschiedenen Teemischungen wieder. Eingesetzt wird er zur Herzstärkung, vor allem beim sogenannten Altersherz, aber auch in Verbindung mit Herzklopfen im Klimakterium und zur Behandlung von Bluthochdruck. Crataegus ist auch als Tinktur, einzeln oder zusammen mit anderen Heilpflanzen, beliebt.

Beruhigende Heilpflanzen

Heilpflanzen, die eine beruhigende Wirkung haben, wirken sich häufig auch positiv auf einen bestehenden Bluthochdruck aus. Beispiele dafür sind Baldrian, Melisse, Lavendel, Passionsblume und Hopfen. Vor allem, wenn die Betroffenen einen stressbedingten Hochdruck aufweisen, sind die genannten Pflanzen zu empfehlen – einzeln oder auch als Mischung. Im weiteren Verlauf des Artikels sind Teemischungen hierzu beschrieben.

Zahlreiche homöopathische MIttel stehen zur Behandlung des Bluthochdrucks zur Verfügung, allerdings sollte ihr Einsatz durch erfahrene Therapeuten erfolgen. (Bild. Glaser/fotolia.com)

Homöopathie bei Hypertonie

Die Homöopathie ist ein Therapieverfahren in der Naturheilkunde, das häufig bei Bluthochdruckpatienten genutzt wird. Jedoch muss hier zuerst das Mittel, passend zum Patienten und seinen Symptomen, gefunden werden. Ein erfahrener Heilpraktiker oder ein Arzt mit dem Schwerpunkt Homöopathie sollte unbedingt vor der Einnahme befragt werden – vor allem dann, wenn Hochpotenzen eingenommen werden.

Aconitum

Aconitum, der Eisenhut, ist ein passendes Mittel bei spontan einsetzenden Bluthochdruckkrisen. Dabei steigt der Blutdruck ganz plötzlich und massiv an. Eventuell kommen noch akute Symptome wie Angst, Panik und Ruhelosigkeit dazu. Die Betroffenen fühlen sich besser an der frischen Luft und in Ruhe.

Arnika

Arnika ist bekannt in der Anwendung bei Verletzungen, Unfällen usw. Ist Arnika das richtige Mittel bei Bluthochdruck, so haben die Betroffenen ein rotes Gesicht, leiden unter Kopfschmerzen, Ohrensausen, Benommenheit und eventuell noch unter Nasenbluten. Der Kopf ist heiß, der Körper jedoch kalt.

Aurum metallicum

Aurum metallicum – Gold ist ein homöopathisches Mittel, das wieder etwas Licht ins Leben bringt. So sind Betroffene, die dies benötigen, eventuell etwas schwermütig. Sie gehören zu den Menschen, die sehr ehrgeizig sind und nicht damit umgehen können, wenn sie ihre eigenen, hoch gesteckten Ziele nicht erreichen. Hinzu kommen noch gerötete Haut und ein etwas aufgedunsenes Gesicht.

Adonis vernalis

Adonis vernalis, das Adonisröschen hilft bei Bluthochdruck bei hektischen, unruhigen Menschen, insbesondere in Verbindung mit einer Schilddrüsenüberfunktion.

Cactus

Cactus, die Königin der Nacht, ist ein homöopathisches Mittel, das zum Einsatz kommt bei „Zusammenschnürungsgefühl“, Schwindel, Blutandrang zum Kopf, Bluthochdruck, Angst und Melancholie.

Glonoinum

Glonoinum, besser bekannt als Nitroglyzerin, ist als schulmedizinisches Notfallmittel bei Angina pectoris das Mittel der Wahl. Aber auch in homöopathischer Form kann Glonoinum bei Bluthochdruck gute Dienste leisten. Begleitende Symptome sind Kopfschmerzen, Blutandrang zum Kopf und Hitzewallungen.

Teerezepte

Mehrere Heilpflanzen zusammen helfen oft mehr als eine allein. Hier, im Anschluss, einige einfache Teerezepte, die bei leicht erhöhtem Blutdruck helfen können.

Blutdrucktee 1
Dafür werden Mistelkraut, Weißdornblüten – und blätter und Melissenblätter zu gleichen Teilen gemischt und ein Teelöffel davon mit circa 250 ml kochendem Wasser überbrüht. Nach ungefähr sieben Minuten ist der Tee fertig. Morgens und abends wird davon eine Tasse getrunken.

Blutdrucktee 2 zur Entspannung
Dieser Tee dient zur Entspannung und kann dadurch etwas den erhöhten Blutdruck senken. Für den Tee werden Lavendel, Melisse und Passionsblume zu gleichen Teilen gemischt, ein Teelöffel davon wird mit 250 ml kochendem Wasser überbrüht und nach circa sieben bis acht Minuten abgeseiht. Zwei bis drei Tassen am Tag sorgen für Entspannung.

Eine Teemischung aus Weißdornblüten, Lavendelblüten und Baldrianwurzel kann bei Bluthochdruck im Zusammenhang mit Stress hilfreich sein. (Bild: unpict/fotolia.com)

Blutdrucktee 3 für Gestresste
Zur Beruhigung für Gestresste ist dieser Tee geeignet: 30g Weißdornblüten – und blätter, 30g Lavendelblüten und 40 g Baldrianwurzel. Von dieser Mischung einen Teelöffel mit einem viertel Liter kochendem Wasser übergießen und circa sieben bis acht Minuten ziehen lassen. Davon werden zwei bis drei Tassen am Tag getrunken.

Zusätzliche Tipps

Bei Bluthochdruck ist ein Umdenken angesagt. Leichte Hypertonie kann häufig durch Heilpflanzen und eine andere Lebensweise gebessert werden. So sollte unbedingt bestehendes Übergewicht reduziert werden. Moderater Sport – vor allem Ausdauersport – ist zu empfehlen. Vor Beginn, bitte den behandelnden Arzt befragen. Tägliches Spazierengehen hilft bereits sehr viel.

Das Rauchen sollte am besten ganz eingestellt und der Alkoholkonsum reduziert werden. Übermäßiges Salzen der Lebensmittel muss nicht sein – besser ist das Würzen mit Kräutern. Die richtige, ausgewogene Ernährung ist wichtig. Tierisches wird reduziert – Fleisch, Wurst und Fisch stehen nur noch zweimal pro Woche auf dem Speiseplan. Obst und Gemüse, Ballaststoffe und Vollkornprodukte nehmen den Hauptanteil der Nahrung ein.

Negativer Stress ist Gift und kann mit der Zeit zu Bluthochdruck führen. Die Betroffenen müssen lernen, mit Stress umzugehen. Hier helfen Meditation, Progressive Muskelrelaxation und Yoga. Fest eingeplante Ruhezeiten sind wichtig. (sw)