Hydrotherapie

Susanne Waschke

Die heilende Kraft des Wasser war bereits in der Antike bekannt. Später im 18. Jahrhundert riefen Johann und Sigmund Hahn diese Therapie wieder ins Leben zurück. Im 19. Jahrhundert wurde Vinzenz Prießnitz mit seinen verschiedenen Wasseranwendungen bekannt. Er war es, der die Hydrotherapie weiter entwickelte. Etwa zur gleichen Zeit behandelte Sebastian Kneipp mit den Kräften des Wassers.

Die Hydrotherapie ist eine Reiztherapie, bei der das Wasser nur äußerlich zur Anwendung kommt. Sie umfasst ungefähr einhundert verschiedene Variationsmöglichkeiten für die Anwendung des Wassers. Zur Hydrotherapie gehören Waschungen, Dampfanwendungen, Abreibungen, Sauna, Wickel, Auflagen sowie medizinische Bäder mit verschiedensten Zusätzen, Güsse, Trockenbürsten, Arm- und Fußbäder, Sitzbäder, Tau treten und Wassertreten. Je nach Indikation werden die Anwendungen für die Patienten ausgewählt, Dauer und Intensität festgelegt. In der Hydrotherapie wird sowohl mit kleinen Reizen, zum Beispiel in Form von Waschungen aber auch mit starken Reizen, wie zum Beispiel Ganzkörperwickeln gearbeitet.

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Wirkung der Hydrotherapie

Die Hydrotherapie arbeitet mit Wärme- und Kältereizen des Wassers. Dadurch wird der Körper dazu gebracht, in irgend einer Art und Weise zu reagieren. Die dem Wasser ausgesetzten Körperstellen können in kurzer Zeit entweder gekühlt oder aber gewärmt werden. Die Kälte- oder Wärmereize wirken sich nicht nur lokal aus, sondern erzielen eine Wirkung für den gesamten Organismus. Kreislauf, Nervensystem, Stoffwechsel und Immunsystem werden durch die Reize des Wassers beeinflusst. Auch eine positive Wirkung auf Seele und Geist wird dem Wasser zugeschrieben.

Man and woman while wellness water treading or hydrotherapy
Wassertreten ist eine von zahlreichen Formen der Hydrotherapie. Bild: Kzenon/fotolia.com

Verbesserung der Durchblutung

Durch warme Reize wird dem Körper Wärme zugeführt. Dies trägt zur Beruhigung, Entkrampfung und Durchblutungsförderung bei. Kalte Reize tragen dazu bei, dass sich zuerst die Gefäße eng, danach aber weit stellen. Auch dies trägt zur Durchblutung bei. Das Gewebe wird durchblutet, die Lymphe zirkuliert besser und die Ausscheidungsfunktion der Haut wird unterstützt.

Reize beeinflussen innere Organe

Die durch die Haut aufgenommenen Temperaturreize des Wassers sprechen über sogenannte kutiviszerale Reflexbögen innere Organe an. Die Haut nimmt Reize auf, was reflexartig in Organen desselben Segments eine Wirkung erzielt. Dies kann je Ausgangslage des Betroffenen, und je nach Anwendungsart, zu einer Anregung oder aber auch Beruhigung des Organismus führen

Entgiftungsleistung des Körpers

Temperaturreize in der Hydrotherapie fördern die Durchblutung im Gewebe, wodurch auch die Abgabe der Toxine (Gifte) nach außen angeregt wird. Zum Beispiel bei Wickeln und Auflagen, denen noch Substanzen, wie Quark oder ätherische Öle beigemischt werden, kann dies die Toxinabgabe noch zusätzlich unterstützen.

Arndt-Schulz-Gesetz und Hydrotherapie

Rudolf Arndt und Hugo Schulz beschäftigten sich zur Zeit der Jahrhundertwende mit der Reiztherapie. Sie begründeten das nach ihnen benannte Gesetz, welches besagt, dass kleine Reize die Lebenstätigkeit anheizen, mittelstarke Reize die Lebenstätigkeit fördern und starke Reize die Lebenstätigkeit hemmen. Eine Reiztherapie setzt verschiedene Verfahren ein, die bestimmte Reaktionen bewirken sollen. Beispiele dafür sind kaltes Wasser, warmes Wasser, Fasten, Eigenblut und Homöopathie. Dem Körper wird ein kleiner, mittlerer oder starker Reiz gegeben, woraufhin eine Antwort erwartet wird.

So ist es auch mit der Hydrotherapie, die dem naturheilkundlichen Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ entspricht. Sie zählt ebenso zu den Reiztherapien. Auch hier kommt das oben erwähnte Arndt-Schulz-Gesetz zum Einsatz.

Der gewählte Reiz muss der Ausgangslage, der Konstitution und der Erkrankung des Patienten angepasst werden. So gehören in der Hydrotherapie Waschungen, Trockenbürsten und Teilgüsse zu den milden Reizen. Mittelstarke Reize sind zum Beispiel Sitzbäder, Sauna und Halbbäder. Zu den starken Reizen werden Überwärmungsbäder und Voll-Blitzgüsse gezählt.

Verschiedene Wassertemperaturen

Kalt bedeutet in der Hydrotherapie bis 18 Grad Celsius, warm bewegt sich zwischen 36 und 38 Grad Celsius, heiß umfasst Temperaturen zwischen 39 und 41 Grad Celsius.

Kaltes Wasser kommt meist bei akutem Geschehen, wie zum Beispiel bei akuten Entzündungen zum Einsatz. Warmes Wasser wird hingegen eher bei chronischen Leiden verwendet. Kalte Anwendungen werden niemals auf kalter Haut gemacht. Vorher muss die Haut, zum Beispiel mit Hilfe eines heißen Fußbades, erwärmt werden. Die bekannten Wadenwickel sind auch hinfällig, wenn der Patient unter kalten Füßen leidet.

Anwendungsgebiete der Hydrotherapie

Hydrotherapie kommt bei Herz-Kreislauferkrankungen, Störungen des Immunsystems, rheumatischen Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen zum Einsatz. Durch die beruhigende und entspannende Wirkung des Wassers, kommen Seele und Geist zur Ruhe. Die Wasseranwendungen werden präventiv, im akuten aber auch im chronischen Bereich eingesetzt.

Wickel und Packungen
Dabei werden einzelne Körperpartien oder aber der ganze Körper mit einem feuchten Tuch bedeckt. Auf das feuchte Innentuch wird noch ein größeres, trockenes Tuch gelegt. Ein Wickel, der mehr als zwei Drittel des Körpers bedeckt, wird als Packung bezeichnet. Zum Einsatz kommen kalte, heiße oder lauwarme Wickel, je nach Indikation. Kalte Wickel unterstützen die Durchblutung und regen etwas den Blutdruck an. Heiße Wickel sind eher entspannend, beruhigend und senken den Blutdruck. Um die Wirkung zu steigern werden den Wickeln und Packungen häufig Zusätze, wie zum Beispiel Kamille, Quark, Salz oder Zinnkraut beigegeben. Die lauwarmen Wickeln werden zum Beispiel als Wadenwickel zur Temperatursenkung bei Fieber verwendet.

Waschungen
Auch hier gibt es Teil- oder Ganzkörperanwendungen. Bei Teilwaschungen werden die einzelnen Körperteile mit Hilfe eines Schwammes vom Herzen weg, in kreisenden Bewegungen, abgewaschen.Anschließend werden Körperteile oder der ganze Körper mit trockenen Tüchern bedeckt, jedoch nicht abgetrocknet. Waschungen dienen der Durchblutung, kurbeln den Stoffwechsel an, haben eine entgiftende Wirkung und sind fiebersenkend.

Bäder
Bäder dienen vor allem der Entspannung und Entkrampfung. Gymnastische Übungen im Wasser werden bei Gelenkerkrankungen, Frakturen oder Wirbelsäulenbeschwerden durchgeführt. Teilanwendungen in Form von Teilbädern mit warmem oder kaltem Wasser dienen der Schmerzlinderung und stabilisieren den Kreislauf. Auch bei Gliederschmerzen werden Bäder zur Linderung der Symptome eingesetzt. (sw)

Bild: Bobby M. / pixelio.de