Irisdiagnose

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Schon im alten Ägypten wurde die Kunst der Irisdiagnose angewandt. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass die Chaldäer von Babylonien das Wissen hatten, Krankheiten aus dem Auge zu lesen. Auch in Asien gab es durch den Fund von Steinplatten Hinweise auf die dortige Anwendung der Irisdiagnose. Die Menschen beschäftigten sich vor allem mit den farblichen Veränderungen im Auge.

Auge hinter Lupe
Die Iris verrät geschulten Therapeuten viel über die Gesundheit der Patienten. Bild: by-studio/fotolia.com

Philippus Meyens ordnete 1670 in Dresden die Iris in Körperregionen ein, schrieb dies in der „Physiognomie Medica“ nieder und begründete dadurch die Grundlagen für die Irisdiagnose von heute. Im späten 19. Jahrhundert beschäftigte sich der ungarische Arzt Ignaz von Péczély, ein begeisterter Falkner, intensiv mit der Irisdiagnose. Eine seiner Eulen brach sich das Bein. Er entdeckte in der Iris der verwundeten Eule einen schwarzen Strich, der sich genau dort in der Organzugordnung des betroffenen Körperteiles befand. Dieser Strich blieb auch nach der Gesundung des Tieres erhalten. Das war für ihn der Beweis, dass in der Iris an bestimmten Stellen auch bestimmte Körperorgane sichtbar sind. Die rechte Körperhälfte war auf der rechten Iris und die linke Körperhälfte auf der linken Iris sichtbar. 1886 veröffentlichte Ignaz von Péczély seine Erkenntnisse.

Magdalene Madaus eröffnete in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Lehrinstitut für Irisdiagnose in Dresden. Josef Deck verfasste ein Standardwerk zur Irisdiagnostik. Weiterhin befassten sich intensiv mit dieser Diagnoseform Josef Angerer, Joachim Broy und Günther Lindemann. Nach wie vor ist die Augendiagnose eine umstrittene Diagnoseform, die jedoch von erfahrenen Therapeuten mit Erfolg angewandt wird.

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Inhaltsverzeichnis:
Grundlagen
Zirkuläre Aufteilung der Iris
Iriszeichen

Grundlagen

Die Cornea (Hornhaut) des Auges ist durchsichtig. Dadurch kann der Therapeut die durchscheinende Iris genau betrachten. Der Heidelberger Arzt W. Lang hat Mitte des 20. Jahrhunderts nachgewiesen, dass von allen Körperregionen aus Nervenverbindungen zu dem Auge hin bestehen. Die Folge daraus ist, dass sich in der Iris Krankheiten und Störungen der Organe erkennen lassen können. Somit dient die Regenbogenhaut als diagnostisches Medium, mit der sich genetische Veranlagungen, belastete Zonen und besondere Schwachstellen des Körpers darstellen lassen. Auch zur Prävention wird die Augendiagnose mit herangezogen, da sich Veränderungen schon im Vorfeld zeigen. So spricht man auch von einer Widerspiegelung der Organe. Rechts gelegene Organe des Körpers spiegeln sich in der rechten Iris, links gelegene Organe des Körpers spiegeln sich in der linken Iris, innere Organe in der Pupillennähe und weiter außen gelegene Organe am Rand der Iris wider.

Zirkuläre Aufteilung der Iris

Von der Pupille bis zum Rand wird die Iris in drei große beziehungsweise sechs kleine Zonen eingeteilt. So enthält die erste große Zone, vom inneren des Auges aus gesehen, Magen und Darm. Veränderungen, hier wahrgenommen, deuten auf Verdauungsprobleme Störungen bei der Nahrungsverwertung und Ähnliches hin. Die nächste Zone, anschließend an die Magen- Darmzonen, enthält Blut, Lymphe, Herz, Niere, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase. Hier werden auch Veränderungen bezüglich des Stofftransportes und der Stoffverwertung gesehen. Die dritte Zone, die an den Irisrand angrenzt, spiegelt Leber, Milz, Nase, Mund, Harnröhre und After wider.

Iriszeichen

Der Behandler bedient sich bei der Irisdiagnose eines Irismikroskops oder einer Irislupe, um das Auge vergrößern zu können. Somit werden Farbveränderungen, Schleier, Flecken und Ähnliches sichtbar gemacht.

Reflektorische Zeichen
Reflektorische Zeichen deuten auf akute oder wiederkehrende Entzündungen hin. Diese äußern sich auf der Regenbogenhaut in Form von sogenannten Transversalen. Transversale sind Radiären (= Strahlen) die von ihrer normalen Richtung abweichen (normalerweise angeordnet wie Radspeichen). Auch sind Gefäßbildungen möglich. Dies sind kleine Blutgefäße, die die Radiären begleiten.

Organzeichen
Sogenannte Organzeichen deuten auf gestörte Organe hin. Dies sind zum Beispiel Krypten und Lakunen. Krypten treten vor allem bei schweren Erkrankungen wie beispielsweise des Rücken- oder Knochenmarks auf. Auf der Iris ist eine Krypta als Krater, durch den man in das Dunkle der Regenbogenhaut sieht, erkennbar. Lakunen sind entweder offen oder geschlossen. Eine offene Lakune, die auf einen sich entwickelnden Krankheitsprozess hinweist, stellt sich zum Beispiel in Form einer Tulpe dar. Eine geschlossene Lakune weist eher auf eine schon manifeste Erkrankung hin.

Physiologische Zeichen
Physiologische Zeichen weisen auf die Belastung des Bindegewebes hin. Dies äußert sich in Form von Abdunkelungen, Pigmenten und Aufhellungen im Bereich der Iris.

Konstitutionstypen
Konstitutionstypen sind eigentlich angeboren. Jedoch können verschiedene Faktoren im Leben die Anlage positiv oder negativ beeinflussen. So kann sich ein Mischtypus im Laufe der Jahre in die eine oder andere Richtung bewegen. Diese Konstitutionstypen sind auf der Iris erkennbar. Jeder Konstitutionstyp beschreibt eine bestimmte angeborene Veranlagung.

Es werden drei große Konstitutionstypen voneinander unterschieden. Das sind die lymphatische Konstitution, die hämatogene Konstitution und die dyskratische Konstitution. Alle drei Einteilungsformen werden dann noch genauer untergliedert und bestimmten Diatheseformen (Neigung des Körpers zu bestimmten Krankheiten) zugeordnet.

So sind Menschen mit lymphatischer Konstitution blauäugig, leiden häufig unter Erkrankungen des lymphatischen Systems, wie zum Beispiel Mandelentzündungen, Mittelohrentzündungen Erkältungen und dergleichen. Die meisten ihrer Erkrankungen gehen mit Fieber einher. Menschen mit hämatogener Konstitution haben braune Augen und leiden eher unter Erkrankungen der Kreislauforgane, Spasmen (Krämpfe) und Übererregbarkeit. Die dyskratische Konstitution ist eine Mischform und kommt in Verbindung mit Erkrankungen der Leber, Galle Bauchspeicheldrüse und des Darmes vor. (Heilpraktikerin Susanne C. Waschke)