Misteltherapie – Anwendung, Wirkung und Erfahrungen

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Die Misteltherapie ist eine Behandlungsform der Naturheilkunde die heutzutage häufig in der alternativmedizinischen Krebstherapie begleitend eingesetzt wird. Früher galt die Mistel als magische Pflanze. So wird erzählt, dass Druiden die Mistel nur mit goldenen Sicheln geschnitten haben und äußerst vorsichtig dabei waren, damit die Pflanze nicht zu Boden fällt, weil sie dadurch angeblich ihre Wirkung verlieren würde. Der Zauber um die Mistel hat etwas mit ihrer ganz besonderen Wachstumsart zu tun.

Sie ist ein Halbschmarotzer, das heißt, sie braucht, um wachsen zu können, einen Wirtsbaum. Dazu gehören Linden, Pappeln, Apfelbäume, Tannen und Robinien. Diese Bäume können ziemlich darunter leiden, unter Umständen sogar absterben. Die Wurzeln Misteln bohren sich nämlich tief in das Holz des Baumes und saugen auf diese Art und Weise Nähstoffe und Wasser aus dem Wirt. Die Mistelpflanze ist auch im Winter grün und treibt Ende Februar ihre kleinen, weißlichen Blüten, die einen zarten Orangenduft besitzen. Die hellgrünen Zweige der Mistel verzweigen sich immer mehr und nehmen im Wachstumsverlauf die Form einer Kugel an. Die Mistel ist eine leicht giftige Pflanze und darf in Deutschland nicht gepflückt werden, da sie unter die geschützten Pflanzenarten fällt.

Medizinische Verwendung von Misteln

Die Mistel wurde früher als magisches Allheilmittel verehrt und auch heute noch werden mancherorts an Weihnachten Mistelsträußchen über die Haustür gehängt, um damit das Haus vor Negativem zu schützen. Einem Paar, das sich unter einem Mistelstrauß küsst, wird ein glückliches Leben vorausgesagt.

Im Winter sind Misteln in Laubbäumen schon von Weitem zu erkennen. (Bild: vili45/fotolia.com)

Medizinisch wendete unter anderem Hildegard von Bingen den Mistelsud bei Erfrierungen der Gliedmaßen an. Bei Sebastian Kneipp dienten Misteln zur Blustillung. Epileptikern wurde lange Zeit das Tragen eines Mistelzweig empfohlen, da dieser sie vorm „Hinfallen“ schützen sollte.Heute wird Viscum album, so der lateinische Name der Misteln, hauptsächlich bei Bluthochdruck und zur Begleit- oder Nachbehandlung bei Krebs eingesetzt. Jedoch ist das Wirkungsspektrum der Pflanze wesentlich größer. Sie besitzt eine vielseitig nutzbare blutstillende, entzündungshemmende, krampflösende und tonisierende (allgemein stärkende) Wirkung. Auch können Misteln bei der Behandlung von Arteriosklerose, Kopfschmerzen, Herzschwäche und Wechseljahresbeschwerden hilfreich sein.

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Von der Mistel werden die Blätter und Zweige verwendet. Um sie als Tee zuzubereiten, müssen die Pflanzenteile als Kaltauszug verarbeitet werden. Bei der Kaltauszugsmethode werden die leicht giftigen Stoffe aus der Pflanze gelöst und der Tee kann anschließend getrunken werden. Eine äußerliche Anwendung der Misteln zum Beispiel bei Krampfadern, Geschwüren oder Ekzemen erfolgt meist mit Umschlägen und in Form von Bädern. Auch bei der Krebstherapie wird die Mistel in speziell anthroposophisch homöopathischer oder phytotherapeutischer Zubereitung verwendet.

Mistel - Therapie
Die Misteltherapie hat sich bei der Krebsbehandlung vielfach bewährt. Bild: PhotoSG/fotolia.com

Inhaltsstoffe der Mistel

Die Mistel enthält circa 600 verschiedene Eiweiße, abhängig von deren Wirtsbaum. Die wichtigsten Eiweiße sind die sogenannten Mistellektine. Diese kommen in mindestens zwanzig unterschiedlichen Zusammensetzungen im Gesamtextraktes einer Mistel vor. Die zweitwichtigsten Eiweiße sind die Viscotoxine. Die Mistel enthält ungefähr eintausend verschiedene Enzyme, dazu Fette, Flavonoide, sowie reichlich Kalium und Phosphat. Die Verarbeitung der Mistelpflanze richtet sich nach den verwendeten Teilen, dem Zeitpunkt der Ernte, dem Wirtsbaum und nach der Tatsache, ob es sich um eine weibliche oder männliche Pflanze handelt. Die Wirkung, die bei der Misteltherapie zur Krebsbehandlung genutzt wird, entfaltet sich nur mittels Injektion. Bei der oralen Gabe werden andere Wirkungen erzielt, da viele Verbindungen der Mistel im Verdauungstrakt zersetzt werden.

Wirkung der Mistel in der Krebstherapie

Die Mistel ist für die Krebstherapie die, am besten wissenschaftlich, untersuchte Pflanze. Jedoch ist der Einsatz der Misteltherapie bis heute durchaus umstritten.

Durch die Verabreichung von Mistelpräparaten mittels Injektion wird dem Ansatz der Misteltherapie zufolge bei den Patienten eine immunmodulatorische Wirkung erzielt. Mistelextrakte sollen das Immunsystem stärken, die Lebensqualität verbessern und die Nebenwirkungen bei der Chemo- und/oder Strahlentherapie verringern. Auch wird den Mistelpräparaten nachgesagt, dass sie den programmierten Zelltod in den bösartigen Tumoren anregen und so dessen Wachstum eindämmen kann. Außerdem soll die Misteltherapie den Patienten helfen, wieder einen normalen Appetit zu entwickeln. Die Heilpflanze gilt darüber hinaus allgemein als stimmungsaufhellend.

Krebstherapie mit der Mistelbehandlung

Die Misteltherapie gegen Krebs hat ihren Ursprung in der Anthroposophie. Die Mistel wurde als Heilpflanze schon vor mehr als 85 Jahren in der Krebsbehandlung verwendet. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hatte die Mistel für den Einsatz gegen Krebs entdeckt. Nach Ansicht der Anthroposophie, besteht der Mensch aus vier Leibern. Wobei nur der physische Leibe dabei ersichtlich sei. Die anderen drei Leiber existieren als Aura, in drei verschiedenen Farben, um den physischen Leib. Nach der Lehre Steiners, ist Krebs ein Ungleichgewicht zwischen diesen vier Leibern, das es zu behandeln gilt. Hier setzt auch die Misteltherapie an. Die anthroposophische Theorie besagt, dass die Mistel dem Wirtsbaum Energie entzieht und deshalb auch dem Tumor die Lebensmöglichkeit rauben soll.
Mittlerweile gehört die Misteltherapie zu den Standardtherapien der biologischen Krebsabwehr.Je nach Hersteller unterscheiden sich dabei auch die Mistelpräparate, die im Rahmen der Therapie verwendet werden. Unterschiedliche Extraktionsverfahren, Mischungsverhältnisse der Inhaltsstoffe und Zugabe von zum Beispiel Silber oder Kupfer, führen zu unterschiedlichen Produkten. Jede Krebsart erfordert hier eine andere Misteltherapie. Dabei spielt der Wirtsbaum eine wesentliche Rolle.

Die Misteltherapie ist in der Anthroposophie keine Einzelmedikation, sondern gehört zu einem Gesamtbehandlungskonzept, das individuell für jeden Patienten erstellt wird.

Für die Herstellung der anthroposophischen Mistelpräparate werden unterschiedliche Misteln, das heißt von unterschiedlichen Wirtsbäumen, verwendet. Dies ist auch am Namen der Präparate zu ersehen. Ein M im Namen bedeutet zum Beispiel Apfelbaum, was vom lateinischen Begriff Malus = Apfelbaum herrührt. Die Misteln werden je Erntezeit getrennt gesammelt und in weibliche und männliche Pflanzen unterschieden, sowie je nach Herstellerfirma unterschiedlichen Verfahren und Aufbereitungsarten unterzogen.

Da sich die Anthroposophischen Vorstellungen nicht mit der Naturwissenschaft decken, ist die Anwendung immer noch sehr umstritten.

Anwendung der Misteltherapie

Mittlerweile sind in Deutschland acht verschiedenen Mistelpräparate im Einsatz. Fünf davon entstammen der Anthroposophie, die restlichen drei gehören zur Phytotherapie. Alle Präparate haben gemein, dass sie einen Gesamtextrakt der ganzen Mistelpflanze enthalten.

Die Misteltherapie kann nahezu bei jedem Tumorgeschehen angewandt werden. Dies geschieht vor allem ihn Form einer Injektion, die meistens subkutan (unter die Haut) verabreicht wird. Einige Ärzte jedoch, wenden die Mistelpräparate als Infusion an.

Der Patient beginnt mit einer sehr geringen Dosis und steigert diese langsam, bis an der Einstichstelle eine Rötung zu sehen ist. Die Rötung ist ein Zeichen für die Reaktion des Körpers auf den Mistelextrakt und deshalb auch erwünscht. Je nach Größe der Rötung, wird die zuletzt verwendetet Dosis beibehalten, erhöht oder verringert. Eventuell ist auch das Wechseln zu einem anderen Präparat mit der Mistel eines anderen Wirtsbaumes erforderlich. Die erste Injektion wird normalerweise von einem Arzt durchgeführt, um sofort, je nach Reaktion des Patienten, einschreiten zu können. Für jede Misteltherapie wird ein individueller Plan auf den etwaigen Patienten zugeschnitten. Die Wahl des geeigneten Mistelpräparates richtet sich nach Art der Erkrankung und auch nach der Erfahrung des Arztes.

Misteltee reguliert unter anderem den Blutdruck und hilft bei Menstruationsproblemen. (Bild: LianeM/fotolia.com)

Häufig wird mit der Misteltherapie schon vor dem Beginn der Chemotherapie oder der Bestrahlung begonnen. Damit soll erreicht werden, dass der Patient die schulmedizinische Behandlung leichter beziehungsweise mit weniger Nebenwirkungen übersteht. Jedoch wird von Injektionen am Tag der Chemotherapie oder der Bestrahlung abgeraten. Ebenso sollte niemals direkt in das zu bestrahlende Gebiet injiziert werden.

Bekommt der Patient einen Infekt, so wird mit der Misteltherapie solange unterbrochen, bis der Infekt wieder abgeklungen ist.

Nebenwirkungen bei der Misteltherapie

Die Misteltherapie ist in der Regel gut verträglich. Leichte Rötungen und Schwellungen gehören jedoch zu den möglichen Reaktionen. Gelegentlich können auch grippeähnliche Symptome auftreten. Meist sind diese durch Veränderung der Dosis zu beeinflussen. Selten kommt es zu einer Allergie. Wichtig ist, dass jede Reaktion des Organismus auf die Misteltherapie dem behandelnden Arzt mitgeteilt wird, damit die Therapie einen Erfolg haben oder aber bei Unverträglichkeiten sofort abgesetzt beziehungsweise angepasst werden kann.
Bei der Injektion können kleine Verhärtungen entstehen, wenn die Nadel zu tief angesetzt wurde und das Mittel dadurch ins Unterhautfettgewebe eingedrungen ist. Von hier aus kann sich die verabreichte Flüssigkeit nicht richtig verteilen. Diese kleinen Knoten heilen aber, spätestens nach einigen Wochen wieder ab. Eine Rötung, die länger als zwei Tage anhält, ist eine Zeichen dafür, dass die Menge des Mistelextraktes zu hoch gewählt oder falsch gespritzt wurde.

Die Mistel in der Phytotherapie

Drei Mistelpräparate, die in Deutschland für die Krebsbehandlung eingesetzt werden stammen aus der Pflanzenheilkunde. Bei der Anwendung zur Misteltherapie werden diese drei Mittel vor der ersten Injektion mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, um die Verträglichkeit zu testen. Tritt keine oder nur eine ganz geringe Rötung im Bereich der Injektion auf, wird die Behandlung in einer vorgegebenen Konzentration begonnen. Ist die Lokalreaktion jedoch heftiger, wird das Mittel weiter verdünnt oder auf ein anderes Präparat gewechselt. Für die phytotherapeutischen Mistelpräparate werden fast ausschließlich Pappelmisteln verwendet.

Wichtiges zur Misteltherapie

Mit der Misteltherapie kann schon vor einer Operation, Chemo- oder Strahlentherapie, unmittelbar nach der Diagnose begonnen werden. Die Mistelextrakte stärken das Immunsystem, kräftigen den Organismus und bereitet so den Körper auf die bevorstehende schulmedizinische Therapie vor. Im Vorfeld der Misteltherapie sollten die Blutwerte kontrolliert und anschließend in wiederkehrenden Abständen überprüft werden. Auch ein Weiterführen der Misteltherapie während der Chemo- oder Strahlentherapie ist von Vorteil, nur sollte nicht an demselben Tag und nicht direkt in das zu bestrahlende Gebiet gespritzt werden. Auch wenn der Körper bereits Metastasen gebildet hat, kann die Misteltherapie angewandt werden. Häufig kehrt im Zuge der Misteltherapie der Appetit zurück, der Patient verliert nicht mehr an Gewicht und die Schlafqualität nimmt zu.

Immer wieder wird nach dem möglichen Einsatz der Misteltherapie bei einem Lymphom gefragt. Onkologen, die sich gegen die Misteltherapie stellen, lehnen dies ab. Jedoch existieren keine Ergebnisse, die gegen die Misteltherapie in diesem Falle sprechen. Wichtig ist jedoch, dass die Behandlung eines Lymphoms von einem darauf spezialisierten Arzt durchgeführt und überwacht wird. Generell sollte diese biologische Krebstherapie ausschließlich unter der Obhut eines erfahrenen Arztes erfolgen. Die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland biete einen Überblick der hierfür in Frage kommenden Ärzte.

Eine Misteltherapie wird meist über einen längeren Zeitraum, je nach Krankheitssituation eventuell über Jahre hinweg, durchgeführt. Auch muss der behandelnde Arzt die gleichzeitige Anwendung mit anderen immunmodulierenden Substanzen, wie zum Beispiel des Thymusextraktes, abklären lassen, da es noch keine Forschungsergebnisse über mögliche Wechselwirkungen mit anderen biologischen Mitteln gibt.

Welches Mistelpräparat im Rahmen der Therapie zum Einsatz kommt, hängt von der Erkrankung und der Erfahrung des Arztes ab. „Das richtige Mittel“ existiert in diesem Falle nicht. Immer wieder wird die Behauptung diskutiert, die Misteltherapie könne das Tumorwachstum fördern, doch hierfür existieren keine wissenschaftlichen Belege.

Übernahme der Kosten durch Krankenkassen

Die gesetzlichen Kassen können die Kosten der Misteltherapie übernehmen, sind jedoch nicht dazu verpflichtet. Die meisten Privatkassen übernehmen die Kosten in vollem Umfang und zu jedem Zeitpunkt einer Krebserkrankung.

Mistelpräparat muss injiziert werden

Die Misteltherapie erfolgt durch Injektion der Präparate unter die Haut, da diese bei oraler Anwendung verdaut und nahezu unwirksam werden würden. Eine Ausnahme stellen Kinder dar. Hier werden manchmal Misteltropfen eingesetzt. Bei Kindern sind die Schleimhäute noch äußerst durchlässig und die Mistelsubstanz gelangt auf diese Art und Weise ins Blut. Jedoch sind in Deutschland keine zugelassenen Misteltropfen für die orale Einnahme erhältlich. Diese müssen in England bestellt und deshalb auch selbst bezahlt werden.

Die Kostenübernahme für den Einsatz anthroposophischer Mistelpräparate ist nur bei palliativer Anwendung vorgesehen. (Bild: PhotoSG/fotolia.com)

Das Spritzen kann jeder Patient erlernen oder von einer anderen Person durchführen lassen. Der Einstich ist nur ein kleiner Pieks, da dabei eine sehr dünne Nadel verwendet wird. Verschiedene Stellen, wie Bauch, Oberarm oder Oberschenkel, sind für die Injektion geeignet. Optimal ist die Einbringung in der Nähe des Tumors. Für das Spritzen gibt es zwei geeignete Tageszeiten. Um den Organismus anzuregen wird von sieben bis neun Uhr morgens gespritzt und um die wärmende Komponente der Mistel noch zu unterstützen zwischen siebzehn und achtzehn Uhr abends. Zwischen den Zeiten sollte nicht ständig gewechselt werden, jedoch ist die generelle Änderung auf eine andere Zeit möglich. Bei jeder Injektion wird eine andere Einstichstelle gewählt. Eine halbe Stunde Ruhe sollte danach stets eingehalten werden.

Durch die Injektion bei der Misteltherapie kann Fieber entstehen, dass teilweise sogar erwünscht ist, vor allem wenn es 38 Grad Celsius nicht überschritten werden. Die Fähigkeit des Organismus bei einer Krebserkrankung, selbst die Körpertemperatur zu regeln, ist häufig erschöpft und kann durch das künstliche Erzeugen von Fieber wieder erlernt werden. In manchen Fällen wird sogar ein Fieber von circa 39,5 Grad Celsius provoziert, was zur Therapie gehört, jedoch nur unter Beobachtung eines erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden sollte. (Susanne Waschke, Heilpraktikerin, aktualisiert 01.06.2017)