Naturheilmittel der Naturheilkunde selbst anbauen

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Nina Reese

Naturheilmittel einfach und kostengünstig selbst anbauen
Ob Pfefferminze, Melisse oder Baldrian – Naturheilmittel bieten eine unkomplizierte und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Arzneimitteln und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Während Exoten wie Ingwer und Zimt aus der Ferne importiert werden müssen, können viele andere Naturheilmittel problemlos im heimischen Garten angebaut werden.

Inhaltsverzeichnis

Salben, Tinkturen oder Tees
Heilwirkung afrikanischer Pflanzen bei Krebs
Heimische Kräuter optimal abgestimmt
Naturheilmittel in der Übersicht

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Die Natur hält zahlreiche Heilmittel bereit, die auch im heimischen Garten angebaut werden können. Bild: Schlierner/fotolia.com

Salben, Tinkturen oder Tees

Hausmittel der Naturheilkunde bieten eine alternative und kostengünstige Behandlungsmöglichkeit bei harmlosen Erkrankungen und viele sinnvolle Möglichkeiten zur Prävention. Neben physikalischen und manuellen Maßnahmen wie beispielsweise Yoga, Chi Gong oder dem Konzept der „Triggerpunkte“ gehören traditionell die Heilpflanzen dazu, die zum Beispiel als selbst hergestellte Salbe, Tinktur oder Tee oder aber in Form einer fertigen Arznei zum Einsatz kommen.

Heilwirkung afrikanischer Pflanzen bei Krebs

Hierzu zählen zum einen exotische Pflanzen wie Teufelskralle oder Ingwer, wobei gerade afrikanischen Heilpflanzen häufig eine hohe Wirksamkeit zugesprochen wird. So hatten beispielsweise vor wenigen Wochen erst Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in Laborversuchen herausgefunden, dass „vier getestete Benzophenone aus kamerunischen Pflanzen die Ausbreitung der getesteten Krebszelllinien, einschließlich sensibler und resistenter Phänotypen, verhindern konnten“, so die Wissenschaftler in einem Beitrag im Fachmagazin „Phytomedicine“.

Heimische Kräuter optimal abgestimmt

Trotz der Attraktivität der Exoten weisen Experten auch immer wieder explizit auf Heilkräuter hin, die hierzulande wachsen – denn schon der Volksmund sagt: „Ein Mensch heilt am besten durch das, was aus derselben Erde stammt wie er.“ Dass Pflanzen in ihrer natürlich vorkommenden Umgebung am besten wirken, zeigt unter anderem das Beispiel Johanniskraut – denn die Pflanze aus der Familie der Hypericacea erhöht die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht, sodass auch geringere Mengen an Sonnenlicht ausreichen, um das so genannte „Glückshormon“ Seretonin zu produzieren. Während die Kraft des Johanniskrauts hierzulande daher für viele Menschen sinnvoll erscheint, würde der Effekt in afrikanischen Ländern beispielsweise in Hinblick auf viele intensive Sonnenstunden schlichtweg verpuffen.

Neben dem Aspekt, dass Heilpflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum offenbar besonders wirksam sind, haben heimische Gewächse noch einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber den exotischen Varianten: Sie lassen sich ganz unkompliziert im eigenen Garten anbauen und sorgen so für eine alternative Hausapotheke direkt vor der Haustür.

Naturheilmittel in der Übersicht

Baldrian (Valeriana officinalis)
Baldrian besticht besonders durch sein intensives Aroma – welches Katzen angeblich mögen, für den Menschen hingegen aber eher unangenehm ist. Als Heilpflanze ist der „echte“ Baldrian schon seit jeher bekannt, schon im antiken Griechenland wurde er als Allheilmittel eingesetzt. Ende des 18. Jahrhunderts erkannten Mediziner die beruhigende und schlaffördernde Wirkung von Baldrian – in späteren Studien zeigte Baldrian ähnliche Effekte wie das bekannte Schlaf- und Beruhigungsmittel „Oxazepam“, wobei von der Heilpflanze allerdings deutlich weniger Nebenwirkungen ausgehen. Wer Baldrian im eigenen Garten anpflanzen möchte, sollte ihm Sonne oder lichten Schatten bieten, der Boden sollte zudem locker und tiefgründig sein, ein humoser oder sandiger Untergrund stellt jedoch normalerweise auch kein Problem dar. Gesät wird entweder im März (unter Glas oder Folie) oder Spätsommer direkt dort, wo die Samen auch geerntet werden sollen.

Bärlauch (Allium ursinum)
Das Liliengewächs Bärlauch ist artverwandt mit Schnittlauch, Knoblauch und der Zwiebel und zählt als Wildgemüse eigentlich nicht direkt zu den (klassischen) Kräutern, obwohl es in der Küche meist als solches verwendet wird. Als Arzneimittel war Bärlauch schon den alten Germanen und Kelten bekannt – wobei die Heilwirkung insbesondere auf die überwiegend schwefelartigen ätherischen Öle in den Blättern der Pflanze zurückgeführt wird. Diese wirken sich zum einen positiv auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen aus, darüber hinaus zeigt sich häufig eine Heilwirkung bei Arteriosklerose, Bluthochdruck und Darmerkrankungen. Zudem soll sich Bärlauch insgesamt positiv auf den Stoffwechsel sowie den Cholesterinspiegel auswirken. Bärlauch anzupflanzen stellt den Gärtner vor keine große Herausforderung – die Aussaat erfolgt im März und lediglich auf sandigen und trockenen Böden ist es empfehlenswert, ihn mit Kompost zu düngen. Geerntet werden die Blätter dann direkt vor der Blüte im Mai und Juni.

Beinwell (Symphytum officinale)
Beinwell, oder auch „der den Gebeinen gut tut“, ist schon seit über 2000 Jahren als Heilpflanze bekannt, bereits damals galt die Pflanze als hilfreich bei Knochenbrüchen, Verrenkungen und Gelenkbeschwerden. Darüber hinaus finden sich in den Wurzeln spezielle Schleimstoffe, die in Form von Salben und Umschlägen auf die Haut aufgetragen, leichte Entzündungen und Schmerzen lindern und die Wundheilung unterstützen können. Für den Anbau im Garten werden Wurzelstücke ohne Sprossen im Abstand von einem Meter jeweils 5 bis 8 Zentimeter tief in den Boden gesteckt, wobei der Beinwell es gerne etwas schattig und feucht mag. Die beste Zeit zum Anpflanzen ist von April bis Mai.

Brennnessel (Urtica dioica)
Die Wurzel der Brennnessel erleichtert das Wasserlassen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung und hilft gegen leichte Harnwegsinfekte, die Blätter unterdrücken zudem entzündungsfördernde und knorpelabbauende Eiweiße und können dadurch hilfreich bei Arthritis sein. Darüber hinaus gilt die Brennesel generell als guter Vitamin C-Lieferant. Da sie in vielen Gärten ohnehin schon vorhanden ist, muss sie nur selten extra angepflanzt werden – wenn doch, dann gedeiht sie optimal in feuchtem und stickstoffreichen Untergrund. Erntezeit ist für die Wurzeln im Spätsommer und für die Blätter der Zeitraum von Frühjahr bis Herbst.

Echte Goldrute / Riesengoldrute (Solidago virgaurea)
Die Goldrute ist seit etwa 700 Jahren als Heilpflanze gegen Harnwegsinfekte wie Beschwerden beim Wasserlassen bekannt, zudem wird ihr eine antientzündliche, leicht krampflösende und vorbeugende Wirkung gegen Blasensteine nachgesagt. Auch die Goldrute ist ein recht unkompliziertes Gewächs – sie gedeiht sowohl bei viel Licht als auch im Halbschatten, besonders gerne hat sie allerdings lockeren und leichten Boden mit ausreichend Kalk.

Holunder (Sambucus nigra)
Als Heilpflanze ist schwarzer Holunder schon lange bekannt, schon Hippokrates, Arzt im antiken Griechenland, empfahl den Strauch als wassertreibendes Mittel – daher gelten Holunderblüten und -beeren auch heute noch als ein traditionelles Mittel gegen Fieber, Schnupfen und Husten. Trotz seiner zahlreichen Qualitäten ist der Holunder beim Anbau anspruchslos und gedeiht im Prinzip auf jedem Boden – bevorzugt jedoch auf feuchtem, lehmigen Untergrund mit hohem Humus- und Kalkgehalt. Holundersträucher brauchen viel Platz und wachsen sowohl in der Sonne als auch im Halbschatten – die beste Zeit für die Pflanzung ist der Oktober.

Kamille (Matricaria chamomilla)
Schon von den Germanen als „heilige Pflanze“ verehrt, gilt die Kamille bis heute in der Naturheilkunde als Universalheilmittel: Ob bei Bauchschmerzen oder Halsschmerzen, Schnupfen, Husten oder auch bei Hautproblemen wie Akne – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und die Wirksamkeit in vielen Fällen sehr hoch. Für den Anbau im eigenen Garten wird humusreicher, etwas lehmiger Boden und viel Sonnenlicht empfohlen. Die Aussaat findet von April bis Mai statt, idealerweise in Reihen mit etwa 30 Zentimeter Abstand – je mehr Abstand zwischen den einzelnen Kamillepflanzen besteht, desto besser können sie sich verzweigen und ihre Blüten ausbilden.

Pfefferminze (Mentha piperita)
Die Hauptwirkstoffe der Pfefferminze befinden sich im ätherischen Öl – dem Pfefferminzöl – welches entkrampfend und schleimlösend wirkt und dadurch beispielsweise bei Reizdarm helfen kann. Darüber hinaus kann Pfefferminze zum Beispiel äußerlich angewendet auch Kopfschmerzen lindern. Für die Anpflanzung von Pfefferminze-Pflanzen eignen sich am besten feuchte Standorte mit lichtem Halbschatten, wobei entweder im Frühjahr oder im Herbst gepflanzt wird. Wichtig beim Anbau der Pfefferminze ist die Vermeidung von so genanntem „Pfefferminzrost“ – ein gefährlicher Schädling, der sich vor allem in eng stehenden Kulturen ausbreitet.

Salbei (Salvia officinalis)
Salbei ist schon seit langer Zeit als Heilpflanze gegen Heiserkeit, Halsschmerzen und Zahnfleischentzündungen bekannt, zudem kann Salbei in höherer Dosierung gegen übermäßiges Schwitzen helfen. Da die Pflanze aus sonnigen, warmen, eher steinigen Umgebungen stammt, gedeiht der Salbei auch hier dementsprechend am besten an Plätzen mit viel Sonnenlicht und durchlässiger Erde. Am besten gelingt die Salbei-Zucht, wenn bereits vorgezogene Pflanzen beim Gärtner gekauft werden und diese dann Mitte Mai ins eigene Beet umgesetzt werden.

Beim Kauf der Pflanzen auf Bio-Qualität achten
Wer seine eigene alternative „Hausapotheke“ im eigenen Garten kultivieren möchte, der sollte jedoch auf Empfehlung des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) bei der Wahl der Bezugsquellen von Heilpflanzen und Heilsträuchern aufmerksam sein, denn „Wildformen, dauerhafte Kräuter – Stauden und Kleingehölze auch für die Küche – sowie heimische Gehölze bieten nicht alle Baumschulen und Staudengärtnereien und schon gar nicht ein Baumarkt an“, so die Information auf der Website des BUND. Zudem sollten die Pflanzen im Sinne des ökologischen Gedankens „nach Möglichkeit in Bio-Qualität gekauft werden.“ (nr)

Bild: Rüdiger(Roger) Uwe Eichler / pixelio.de