Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht

schmerztherapie-nach-liebscher-und-bracht
Heilpraxisnet

Die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht (LnB) ist ein sanftes Behandlungskonzept, mit dem selbst langjährige, chronische Schmerzen massiv reduziert oder ganz beseitigt werden können. Die Basis für diese Schmerztherapie beruht auf der Theorie, dass neunzig Prozent der Schmerzen nicht durch geschädigtes Gewebe entstehen, sondern muskulär bedingt sind.

Inhaltsverzeichnis

Wodurch Schmerzen entstehen
Schmerztypen nach Liebscher und Bracht
Warnschmerzen, Überlastungsschmerzen
Schädigungsschmerzen
Verletzungsschmerzen
Krankheitsschmerzen
Schmerzbehandlung – Ablauf – vier Bausteine
Behandlung
Zusammenfassung

Wodurch Schmerzen entstehen

In der Regel wird angenommen, dass Schmerzen aufgrund von Schädigungen entstehen. So ist völlig klar, dass zum Beispiel der Bandscheibenvorfall, die Hüft- oder Kniearthrose und die Frozen Shoulder die Ursachen für die Schmerzen sind, untere denen die Betroffenen leiden.

Die Anhänger der Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht sehen dies jedoch völlig anders. Dabei werden neunzig Prozent aller Schmerzen als Warnschmerzen betrachtet. Der Körper teilt seinem „Inhaber“ mit, er solle vorsichtig sein, er solle mehr auf sich achten. Hinzu kommt noch, dass diese Schmerzen als von den Muskeln ausgehend betrachtet werden. Ursachen sind zu viel Druck, Über- und/oder Fehlbelastungen, die zu schmerzenden Muskelverspannungen führen.

Schmerztypen nach Liebscher und Bracht

Die Einteilung in verschiedene Schmerztypen ist bei Liebscher und Bracht sehr übersichtlich. Hier existieren fünf verschiedene Schmerzarten.

Warnschmerzen, Überlastungsschmerzen

Diese bilden einen Anteil von neunzig Prozent der Schmerzen. Warnschmerzen, wie der Name schon verrät, warnen die Betroffenen vor Schädigung des Bewegungsapparates. Die Schmerzen sollen wachrütteln und die Eigeninitiative anregen, etwas für die Gesundheit zu tun. Die Warnschmerzen entstehen am Übergang von Muskeln zu Sehnen. Am Muskelansatz befinden sich sogenannte Spannungsrezeptoren, die die Sehnen vor Überdehnung schützen sollen. Ist die Muskelanspannung zu groß, wird das Signal „Achtung“ ausgesendet.

In der heutigen Zeit bewegen sich die Menschen immer weniger, was bedeutet, dass von den meisten Gelenken nur noch circa fünfzehn Prozent ihres Bewegungspotentials genutzt werden. Die Muskeln werden nicht genügend gedehnt, sie verkürzen sich und der Körper reagiert darauf mit einem Abbau an bindegewebigen Fasern. Beuger und Strecker arbeiten im Normalfall immer ausgeglichen. Muss jedoch einer der Beiden mehr Leistung bringen, so werden die Sehnen mehr als nötig gespannt und am Muskelansatz entsteht somit der Warnschmerz.

Überlastungsschmerzen machen sich durch überlastete Muskeln bemerkbar. Wenn diese sehr ausgeprägt sind, so zeigt sich ein „Brennen“, das durchaus an eine Entzündung denken lässt. Beide Schmerztypen entstehen nicht aufgrund geschädigten Gewebes, sondern sind muskulär bedingt.

Schädigungsschmerzen

Schädigungsschmerzen entstehen tatsächlich durch eine Schädigung, auf die jedoch der Körper schon einige Zeit vorher durch Warnschmerzen hingewiesen hat. Werden diese missachtet, tritt im weiteren Verlauf irgendwann ein größerer Schaden ein, der sich in den Schädigungsschmerzen widerspiegelt. Auch Schädigungsschmerzen umfassen den Warnschmerz, da hier die Muskulatur immer zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird.

Verletzungsschmerzen

Verletzungsschmerzen entstehen durch akute Verletzungen wie zum Beispiel einen Beinbruch oder eine Prellung. Auch hier sind Warnschmerzen gleichzeitig vorhanden.

Krankheitsschmerzen

Organische Erkrankungen rufen sogenannte Krankheitsschmerzen hervor. Krebs, Magenschleimhautentzündung, Mittelohrentzündung, Angina – all dies ist mit Krankheitsschmerzen verbunden. Auch die Krankheitsschmerzen werden von Warnschmerzen begleitet, die von der Organ-umgebenden Muskulatur ausgehen.

Schmerzbehandlung – Ablauf – vier Bausteine

In der Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht kommen weder Medikamente noch irgendwelche Apparate zum Einsatz. Stattdessen werden nach einer ausführlichen Anamnese, die indizierten Schmerzpunkte gedrückt. Dies ist der erste Baustein der Schmerztherapie. Insgesamt existieren hier circa siebzig Druckpunkte.

Ein Punkt wird ungefähr eineinhalb Minuten lang akupressiert und dann ist der nächste an der Reihe. Mit der Pressur der ausgewählten Stellen sollen die Schmerzrezeptoren erreicht werden, um eine eine Art Ausschaltung zu erzielen. Diese Schmerzpunktpressur ist eine Akutbehandlung, um die Schmerzen deutlich zu reduzieren. Der Körper bekommt den Impuls „Muskel entspannen“. Das Ziel ist dabei, Warnschmerzen zu reduzieren beziehungsweise diese ganz auszuschalten. Während der Behandlung werden die Betroffenen befragt, inwieweit sich der Schmerz, der vor der Behandlung mit einhundert Prozent angesetzt wurde, durch die Therapie verringert. Bessern sich die Schmerzen nicht oder kommen diese innerhalb kurzer Zeit zurück, muss eventuell differentialdiagnostisch die Schmerzursache von einem Arzt abgeklärt werden.

Nach der Schmerzpunktbehandlung erfolgt der zweite Baustein, eine sogenannte Engpassdehnung. Diese besteht aus besonderen Bewegungen, bei denen die betroffenen Muskeln in massive Dehnung gebracht werden, um anschließend maximal entspannen zu können. Auch werden die dabei beteiligten Strukturen gekräftigt und die Fehlbelastungen von Wirbelsäule und Gelenken reduziert. Diese Engpassdehnungen haben nichts mit „normalen“ Dehnungsübungen zu tun, die aus dem Sport bekannt sind. Die Betroffenen bekommen Übungsanweisungen, meist in schriftlicher Form, mit nach Hause, um dort täglich circa fünfzehn Minuten zu üben. Diese Übungen sind sehr wichtig, damit die muskulären Fehlstellungen umprogrammiert und die neuen „Einstellungen“ fest verankert werden. Durchschnittlich wird zwischen zwei- und viermal behandelt.

Der dritte Baustein beinhaltet Ernährung, Entgiftung und Entsäuerung. Eine zu säurelastige Ernährung führt in der Regel über kurz oder lang zu einem übersäuerten Körper (siehe Übersäuerung). Diese überschüssigen Säuren bedingen mitunter Muskelverhärtungen. Um dem beizukommen, ist eine basenreiche Kost angesetzt, bei der vor allem der Verzicht auf Tierisches im Vordergrund steht. Eine Entgiftung ist angebracht, wenn der Körper mit überflüssigen Schlacken und Giftstoffen beladen ist. Dies entsteht durch längere Medikamenteneinnahme, Stress, Umweltgifte und Vieles mehr. Je nach Patient, sollte ein individueller Entgiftungsplan erstellt werden. Dieser enthält zum Beispiel Ernährungsempfehlungen und Teerezepte, unterstützt durch Homöopathie, Phytotherapie oder die Schüssler-Salz-Therapie.

Der vierte und letzte Baustein ist ein Bewegungstraining, LnB-Motion genannt. Dieses wird in darauf spezialisierten Bewegungsschulen angeboten. Die Übungen dienen vor allem zur Nachbehandlung, um langfristig eine Schmerzfreiheit zu erzielen, aber auch zur Prävention könne sie einen Beitrag leisten.

Behandlung

Folgende Schmerzzustände sind in der Regel gut mit der Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht zu behandeln. Dazu gehören Rückenschmerzen, Migräne, Tennisellenbogen, Sehnenscheidenentzündungen, Ischialgien, Schulterbeschwerden, Arthrosen, Fersensporn und Vieles mehr. Schmerzen, die durch ein Tumorgeschehen oder durch eine Verletzung entstanden sind, können mit dieser Methode nicht behandelt werden. Jedoch sieht dies nach einer ausgeheilten Fraktur bereits wieder anders aus. Die durch Fehlhaltung entstandenen Muskelschmerzen sind durchaus eine Indikation für diese Form der Schmerztherapie.

Zusammenfassung

Nach der Theorie von Liebscher und Bracht sind Schmerzen zu neunzig Prozent sogenannte Warnschmerzen, ausgelöst durch muskuläre Verspannungen, die jedoch mit der Schmerztherapie sehr gut behandelt werden können. Diese Behandlungsform beinhaltet ein Konzept aus vier Bausteinen: Schmerzpunktpressur, Engpassdehnung, Stoffwechselregulierung und LnB-Motion.

Je früher die Betroffenen sich einem Therapeuten vorstellen, der nach der Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht arbeitet, desto schneller kann auch die Schmerzlinderung beziehungsweise Schmerzfreiheit eintreten. Werden die Muskeln über längere Zeit hinweg nicht gedehnt, verkürzen und verdicken sich diese, was zur Folge hat, dass die Muskeln immer weniger Sauerstoff bekommen und übersäuern. Hinzu kommt, dass der Druck immer größer wird und damit auch Gelenke und Wirbelsäule geschädigt werden können. Häufig ist selbst in der Nacht keine Schmerzfreiheit zu erreichen.

Alle vier Bausteine der Schmerztherapie sind wichtig, um langfristig einen Erfolg zu erzielen. Der Mensch ist dazu aufgefordert, selbst seine Erkrankung in die Hand zu nehmen und mit eigener Kraft, Ausdauer und Regelmäßigkeit unter Anleitung ausgebildeter Therapeuten, dagegen anzugehen. (sw)

Advertising