Schröpfen

schroepfen-naturheilverfahren
Susanne Waschke

Schröpfen ist eine Reiztherapie und gehört zu den Ausleitverfahren. Je nach Indikation wird dies blutig, unblutig oder als Massage angewandt. Diese alte Therapieform ist heute vor allem in Naturheilpraxen zuhause und wird dort bei den verschiedensten Erkrankungen eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Rückblick
Wirkung
Durchführung
Anwendungsgebiete blutiges Schröpfen
Anwendungsgebiete unblutiges Schröpfen
Schröpfmassage
Einsatzbereiche
Kontraindikationen

Geschichtlicher Rückblick

Das Schröpfen ist eine uralte Therapiemethode, die bis auf das 3300 v. Chr. zurückgeht. Die Schröpfglocke wurde damals als Symbol auf den Ärztesiegeln abgebildet. Schröpfen ist älter als der Aderlass und die Blutegeltherapie und wurde in Indien, Ägypten und Griechenland umfassend genutzt. In Griechenland war dem Schröpfen sogar ein eigener Gott, und zwar Telesphorus gewidmet. In der Chinesischen Medizin etablierte sich der Schröpfvorgang ebenso. Schröpfen bedeutet herausholen, ausleiten, erleichtern. Wer kennt nicht den Begriff Schröpfen im Zusammenhang mit Geld, als eine finanzielle Erleichterung, wenn auch hier nicht im positiven Sinn.

Auch der griechische Arzt Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) wandte das Schröpfen an. In der Zeit um 30 v. bis circa 38 n. Chr. arbeiteten in Italien vor allem heilkundige Laien mit Schröpfköpfen, um Eiterungen oder Blutanstauungen zu behandeln. Immer mehr Bader und Steinschneider setzten diese Methode – vor allem die blutige Variante – im Übermaß ein, wodurch das Schröpfen immer mehr in Verruf geriet. Später dann, im 16. Jahrhundert erlangte die blutige Schröpfkunst einen Aufschwung. Der deutsche Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762 – 1836) schätze diese Therapieform sehr und bezeichnete sie als äußerst wirksames Hautreinigungsmittel, das seiner Meinung nach viel zu sehr vernachlässigt wurde. Er behandelte damit Erkrankungen der Ohren, Augen, Leber, Pleura, des Bewegungsapparates und Vieles mehr. Im 19. und 20. Jahrhundert war das Schröpfen bereits auf der ganzen Welt bekannt.

Wirkung

Die speziellen Schröpfgläser werden unter Vakuum auf die Haut gebracht. Die dadurch ausgelöste Saugwirkung regt die Durchblutung in dem betroffenen Gewebe an, verbunden mit kleineren Blutaustritten. Schröpfen gehört zu den sogenannten Reiztherapien und wirkt nicht nur im behandelten Gebiet sondern über Segmente auf bestimmte Organe und somit auf den gesamten Organismus. Geschröpft wird blutig, trocken oder in Form einer Schröpfmassage. In den Anfängen wurde nur auf erkrankten Stellen geschröpft. Später beschreibt der griechische Arzt Galenos von Pergamon (129 – 201 n.Chr.) die Anwendung der Schröpfgläser auf Körperstellen, entfernt des eigentlichen Krankheitsgeschehens. Auf diese Art und Weise werden auch die inneren Organe, wie zum Beispiel Magen, Leber und Nieren erreicht und behandelt. Dies basiert auf den Erkenntnissen nach Head, denen zufolge bestimmte Hautareale (Head´sche Zonen) über Nervenverbindungen mit bestimmten Organen verbunden sind.

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Schröpfen kann gegen verschiedene Beschwerden eingesetzt werden. Bild: apops/fotolia.de

Durchführung

Für das Schröpfen werden verschieden große Schröpfgläser verwendet. Um das Vakuum zu erzeugen, wird hochprozentiger Alkohol ins Glas gegeben, angezündet und dann auf die Haut gebracht. Diese Anwendung ist heutzutage nicht mehr so oft im Einsatz. Eine einfachere Methode ist der Gebrauch von Schröpfgläsern, die mit einem Gummiball versehen sind. Diese Gefäße aus Glas oder Kunststoff werden auf das zu behandelnde Areal aufgebracht und durch Zusammendrücken des Gummiballs saugten sie sich auf der Haut fest. Manche Therapeuten arbeiten mit einer elektrischen Vakuumpumpe, mit der auch eine Schröpfmassage möglich ist.

Anwendungsgebiete blutiges Schröpfen

Das blutige Schröpfen ist die Weiterentwicklung einer uralten Methode, bei der die Haut angeritzt und anschließend mit dem Mund ausgesaugt wurde. Später wurden dafür Tierhörner benutzt. Erst nachdem das Glas erfunden war, kamen Schröpfgläser zum Einsatz.

Blutiges Schröpfen wird bei sogenannten „Füllezuständen“ angewandt. Das bedeutet, dass ein Zuviel an Energie oder angestautem Druck abgeleitet werden muss. Dies äußert sich in einer sogenannten roten (heißen) Gelose. Dies ist eine Gewebeaufquellung, die heiß, prallelastisch und schmerzhaft ist. Meist tritt dies im Rahmen einer akuten Erkrankung auf. Besteht eine Gelose schon länger, ändert sie meist ihren Zustand und wird zu einer weißen (kalten) Gelose. Beim blutigen Schröpfen steigern sich Blut- und Lymphfluss, Spannungszustände in der glatten Muskulatur nehmen ab, der Stoffwechsel wird verbessert und der Schmerz nimmt ab.

Der Ablauf des blutigen Schröpfens ist folgendermaßen: Die Haut wird zuerst desinfiziert, anschließend angeritzt und dann der Schröpfkopf aufgebracht. Für das Anritzen verwenden die Therapeuten meist einen sogenannten Schröpfschnepper. Mit diesem Instrument kann die Haut an mehreren Stellen zur gleichen Zeit eingeritzt werden. Das Schröpflgas wird auf das „eröffnete“ Areal aufgebracht und damit das Blut aufgefangen. In einer Sitzung kann an mehreren Stellen geschröpft werden. Der Therapeut beobachtet den Vorgang sehr genau und beendet diesen sofort, wenn kein Blut mehr fließt. Die Menge des Blutes hat nichts mit der Wirkung zu tun. Schon ein paar Tropfen können hier genug sein und den gewünschten Erfolg bringen. Nach dem Schröpfen wird die Haut erneut gereinigt und mit einem Pflaster abgedeckt. Der Vorgang kann nach ein paar Tagen wiederholt werden.

Die roten Gelosen, bei denen diese Methode zur Anwendung kommt, entstehen durch Fülle, die ins Stauen geraten ist, zum Beispiel bei Bluthochdruck und Verspannungen im Nackenbereich. Ein Choleriker, ein Mensch der leicht vor Wut einen roten Kopf bekommt und auch recht schnell „laut“ wird, ist ein Typ Mensch, der zu roten Gelosen neigt. Das blutige Schröpfen wird heutzutage nicht mehr so oft angewandt, da sich die Stellen entzünden und Narben entstehen können. Hygiene ist hierbei auf alle Fälle das A und O.

Anwendungsgebiete unblutiges Schröpfen

Trockenes, beziehungsweise unblutiges Schröpfen wird bei weißen (kalten, leeren) Gelosen angewandt. In den betroffenen Bereichen fehlt Energie, die Durchblutung ist vermindert. Dies sind kalte, blasse, aber ebenso schmerzhafte Zonen. Beim trockenen Schröpfen wird die Durchblutung angeregt, der Lymphfluss gesteigert, das behandelte Gebiet durchwärmt, der Stoffwechsel stimuliert, Energie zugeführt, Schlacken werden abtransportiert und Schmerzen werden reduziert.

Kalte Gelosen liegen vor, wenn bei einer Massage das Gewebe sich farblich kaum verändert, also keine rötliche Farbe bekommt. Patienten, die davon betroffen sind, sehnen sich nach Wärmeanwendungen. Jeder Konstitutionstyp kann weiße Gelosen bekommen, vor allem, wenn bereits allgemeine Schwäche, Leere und/oder Energielosigkeit vorliegt.

Beim trocken Schröpfen muss die Haut nicht desinfiziert werden. Der Schröpfkopf saugt sich durch das Drücken des mit dem Glas verbunden Gummiballs auf der Haut an. Bei der schon etwas veralteten Methode, bei der die Gläser mit hochprozentigem Alkohol ausgespült, dann angezündet und sofort auf die Haut gebracht werden, ist Vorsicht geboten, damit keine Verbrennungen entstehen. Wie lange die Schröpfgläser auf der Haut bleiben, hängt vom Patienten und der zu Grunde liegenden Erkrankung ab. Die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt zehn bis zwanzig Minuten. Meist entstehen durch den Saugvorgang blaue Flecken. Die Häufigkeit des Schröpfens ist abhängig von der individuell Situation des Patienten. Im Normalfall jedoch wird ein- bis zweimal pro Woche behandelt.

Schröpfmassage

Die Schröpfmassage ist eine Weiterentwicklung des trocken Schröpfens. Dies wird vor allem bei Muskelverspannungen eingesetzt, in Bereichen mit verminderter Durchblutung, wenn Wärme angesagt ist. Gerade bei Schmerzen im Nacken, im Brust- und Lendenwirbelbereich bringt diese Massageform häufig Erleichterung. Zuerst wird auf den zu massierenden Bereich ein durchblutungsförderndes Öl aufgebracht. Für die Schröpfmassage wird ein spezielles Schröpfglas mit Gummiball und abgerundetem Rand verwendet. Dies ist in den unterschiedlichsten Größen erhältlich. Das Glas saugt sich an und nun folgen sanfte Bewegungen auf der Haut. Löst sich der Schröpfkopf, so wird er einfach wieder fixiert und die Massage geht weiter. Zu beachten ist, dass das Glas niemals auf Knochen aufgebracht wird. Im Bereich der Halswirbelsäule ist eine Schröpfmassage kontraindiziert, da dieser Bereich sehr empfindlich reagiert. Hier reichen Streichungen mit dem gewölbten Glasrand völlig aus. Am besten sind Kunststoffgläser geeignet, da diese nicht zu Bruch gehen, wenn sie sich schnell lösen sollten.

Einsatzbereiche

Vor dem Schröpfen wird zuerst überlegt, ob blutig, trocken oder aber eine Massage angebracht ist. Die Einsatzbereiche sind vielfältig. Dazu gehören Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule, niedriger Blutdruck (Hypotonie), Bluthochdruck (Hypertonie), Kopfschmerzen, Ohrensausen beziehungsweiseTinnitus, Menstruationsprobleme, Verstopfung, Schulter-Arm-Syndrom, Probleme im Bereich von Magen, Leber, Galle und Vieles mehr. Meist ist das Schröpfen nicht die alleinige Therapieform, die angewandt wird. So kommen gleichzeitig häufig weitere Behandlungsformen, wie zum Beispiel die Phytotherapie, Anthroposophie, Ohrakupunktur oder Schüssler Salze zum Einsatz.

Kontraindikationen

Wie bei allen Behandlungsformen existieren auch für das Schröpfen einige Kontraindikationen. So ist bei Schwangeren generell von jeder Schröpfbehandlung abzusehen. Blutiges Schröpfen ist bei Kindern kontraindiziert, wohingegen die trockene Variante bereits ab dem Schulalter durchgeführt werden kann. Hier reichen oft schon ein paar Minuten aus, um eine Wirkung zu erzielen. Geschröpft werden sollte nicht auf Muttermalen, Krampfadern, im Bereich von Venenentzündungen, auf Verletzungen, Hautausschlägen, Warzen, Sonnenbrand und bei akuten Entzündungen. Schröpfen ist nicht zur Selbstbehandlung gedacht, sondern gehört in die Hände eines Arztes oder Heilpraktikers. (sw)