Abgebrochener Zahn – Ursachen und Therapie

Susanne Waschke
Ein abgebrochener Zahn ist im ersten Moment auf jeden Fall ein unangenehmes Ereignis. Vor allem, wenn davon ein Frontzahn betroffen ist. Panik ist jedoch nicht erforderlich, da in der heutigen Zahnmedizin sehr viel möglich ist. In jedem Fall sollte bei einem abgebrochenen Zahn so schnell wie möglich ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Ursachen

Ein Sturz, eine Sportverletzung oder ein Zusammenstoß zählen zu den häufigsten Ursachen für einen abgebrochenen Zahn. Jedoch können auch anderer Gründe dafür verantwortlich sein, wie zum Beispiel stark zurück gegangenes Zahnfleisch, poröse Zähne, ein abgestorbener Zahn, Karies oder das Beißen auf einen harten Gegenstand beim Kauen.

Ein abgebrochener Zahn geht meist auf äußere Krafteinwirkung wie beispielsweise bei einem Sturz oder Zusammenstoß zurück. Betroffene sollten umgehend einen Zahnarzt aufsuchen, um den Zahn möglichst zu retten. (Bild: dabjola/fotolia.com)

Erste Hilfe, wenn der ganze Zahn abgebrochen ist

Wenn ein Zahn komplett abgebrochen ist, ist schnelle Hilfe nötig. Für den Transport des Zahns wird am besten eine, dafür speziell entwickelte Zahnrettungsbox verwendet. Dies ist ein besonderes Transportmedium, das eine Nährlösung enthält, in der der Zahn bis zu 48 stunden „versorgt“ wird, um eine Reimplantation möglich zu machen. Ist so eine Box nicht vorhanden, kann ersatzweise der abgebrochene Zahn in Speichel, Kochsalzlösung , in gekühlter, fettarmer Milch oder in Alkohol gelagert werden – jedoch auf keinen Fall in trockenem Zustand. Diese „Ersatzflüssigkeiten“ bleiben allerdings eine Notlösung – ein Zahnarzt sollte so schnell, wie möglich aufgesucht werden . An Wochenenden oder Feiertagen ist der Notdienst zuständig.

Wichtig ist, dass vorbereitend für den Transport, die Wurzeloberfläche des Zahns nicht angefasst und die Zahnkrone nicht gereinigt wird, auch wenn sie verschmutzt sein sollte. Zudem sollte keinesfalls versucht werden, den Zahn irgendwie selbst wieder einzusetzen.

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Schmerzen

Häufig ist das Abbrechen eines Zahnes auf eine Gewalteinwirkung zurückzuführen. Eventuell werden Zahnfleisch, Nerven, Blutgefäße oder auch der Kieferknochen verletzt. Dies kann zu erheblichen Schmerzen führen. Am besten wird dann die betroffene Stelle von außen gekühlt. Ein mit Eiswürfeln gefüllter Waschlappen, ein, in ein Handtuch eingewickeltes Eispack oder ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch wird für kurze Zeit aufgelegt und eventuell mehrmals erneuert.

Sind die Zähne durch Karies und Parodontose ohnehin in einem schlechten Zustand, können diese auch bei normalen Belastungen abbrechen. (Bild: Igor Gromoff/fotolia.com)

Behandlungsmöglichkeiten

Je nachdem, wie viel von dem Zahn abgebrochen und wie groß das Ausmaß der Verletzung ist, wird die Behandlung ausgelegt. Manchmal ist ein Ankleben möglich, in anderen Fällen wiederum hilft eine Füllung oder aber es auch eine Behandlung der Zahnwurzel erfolgen.

Zahnunfall an den Frontzähnen

Ein heftiger Stoß oder Sturz kann zu einem Zahnunfall führen, bei dem ein Zahn oder mehrere Zähne im Frontbereich abbrechen. Dieses Trauma kann mit einer Wurzelfraktur verbunden sein. Dabei bricht die Zahnwurzel. Der Zahnarzt muss entscheiden, ob der Zahn noch erhalten werden kann. In vielen Fällen muss dieser bei solchen Verletzungen jedoch komplett entfernt werden.

Wenn „nur“ ein Stück vom Zahn abgebrochen ist

Die Chancen, das abgebrochene Stück des Zahnes wieder anzubringen, sind sehr gut. Ist dabei der Zahnnerv beschädigt – dies ist daran zu sehen, dass Blut aus dem Zahn austritt – muss so schnell wie möglich gehandelt werden. Ist dies nicht der Fall, kann das abgebrochene Stück häufig auch nach längerer Zeit wieder angebracht werden. Für das Ankleben wird eine spezielle Klebetechnik mit hierfür ausgelegtem Kleber angewandt.

Auch Zahnfüllungen können abbrechen – hier wird dann meist die komplette Füllung erneuert.

Wenn der Nerv in Mitleidenschaft gezogen wurde

Ist der Nerv bei einem abgebrochenen Zahn in Mitleidenschaft gezogen, wird das Anbringen des Buchstückes etwas schwieriger. Dies ist zudem in der Regel mit Schmerzen verbunden und schnelle Hilfe ist nötig. Eventuell muss der Nerv entfernt und die Wurzel behandelt werden. Im Anschluss daran erfolgt der Aufbau des kaputten Zahns.

Wenn Kleben nicht mehr möglich ist

Wenn das Ankleben eines abgebrochenen Zahns nicht mehr möglich ist, kann mit einer Zahnfüllung das fehlende Stück „nachgebaut“ werden. Bei größeren Defekten ist eventuell eine Teilkrone oder aber eine komplette Krone das Mittel der Wahl. Voraussetzung für eine Zahnkrone ist ein intakter Nerv. Eventuell ist davor eine Wurzelbehandlung nötig.

Veneer

Gerade bei einen abgebrochenen Schneidezahn kommen sogenannte Veneers in Frage. Diese ähneln einer Keramikschale, die auf die betroffenen Zähne geklebt werden. Diese sind ästhetischer als eine Füllung.

Durch das Aufbringen eines Veneers kann ein abgebrochener Zahn überdeckt werden, wenn die Bruchstücke nicht wieder angeklebt werden können. (Bild: Alexandr Mitiuc/fotolia.com)

Wenn zu spät behandelt wird

Bei einem abgebrochenen Zahn liegt das Innere des Zahnes frei. Und dies ist sehr empfindlich. Bakterien könnten eindringen. Das kann zu Karies führen. Speisereste machen das Ganze nicht besser – gegebenenfalls entstehen Entzündungen, der Zahn und auch das Zahnfleisch leiden darunter. Dies Alles bedeutet – wenn ein Zahn abbricht – unbedingt so schnell, wie möglich zum Zahnarzt!

Wenn Milchzähne abbrechen

Ein abgebrochener Milchzahn bei einem Kind ist gar nicht so selten. Zahnunfälle kommen hier immer wieder vor. Häufig sind davon die Frontzähne betroffen. Ein komplett abgebrochener Milchzahn wird in der Regel nicht mehr eingesetzt, jedoch ist eine Zahnbehandlung relativ zeitnah anzustreben. Hierbei steht der Schutz der bleibenden Zähne vor eindringenden Keimen im Vordergrund. Durch einen Zahnunfall entstehen meist zusätzlich Schmerzen. Des weiteren sind unsichtbare Schäden im Gebiss möglich.

Erste Hilfe aus der Naturheilkunde

Bei der ersten Hilfe aus der Naturheilkunde, ist Arnika das erste Mittel der Wahl. Arnika, in Form von homöopathischen Globuli, werden sofort nach dem Ereignis gegeben. Die Gabe wird am besten ein- bis zweimal wiederholt. Arnika hilft gegen die Schmerzen, wirkt Blut stillend und abschwellend. Ist kein Arnika zur Hand, hilft als Alternative auch das Schüssler Salz Nummer 3 Ferrum phosphoricum.

Johanniskraut kann als homöopathisches Mittel bei einem abgebrochenen Zahn mit Nervenverletzung zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. (Bild: monropic/fotolia.com)

Bei einer Nervenverletzung hilft Hypericum (Johanniskraut) – hier auch als homöopathisches Mittel. Hypericum wird in der Regel immer dann verordnet, wenn Nerven beteiligt sind. Wird das Zahnfleisch in Mitleidenschaft gezogen, hilft Calendula (Ringelblume). Einmal als Homöopathikum und zusätzlich zum Spülen als Calendulaessenz. Hierfür wird die Essenz mit abgekochtem Wasser im Verhältnis von 1:10 vermischt und damit der Mund gespült.

Ist eine Wurzelbehandlung nötig, so helfen Arnika und Calendula, gleich nach der Behandlung, bei der Heilung. Die Apotheke hält spezielle Komplexmittel bereit, die zum Beispiel Pflanzen wie Arnika, Staphisagria, Calendula, Echinacea und Kalium chloratum enthalten. Solche Tropfenkompositionen können bei allen Behandlungen im Mundraum eingenommen werden. Diese unterstützen den Heilungsprozess und lindern die Schmerzen. (sw)