Alpträume – Ursachen, Bedeutung, Themen und Hilfe

Dr. Utz Anhalt
Der Apltraum – eine Alarmsirene des Unbewussten
Ein Alptraum ist ein Angstraum – oft so stark, dass wir davon aufwachen. Das Gefühl eines Alptraums bleibt häufig im Wachzustand erhalten, für Minuten oder es prägt sogar den Tag. Die Träume können so schlimm sein, dass Menschen Angst haben, einzuschlafen, wenn sie diese regelmäßig erleben. Außer Angst sind auch Ekel, Trauer und Wut Gefühle, die Alpträume auslösen und beinhalten.

Wann treten Alpträume auf

Alpträume (alternative Schreibweise: „Albträume“) treten besonders am Ende der Schlafphase auf, besonders in der Rapid Eye Movement Periode. Sie sind deshalb besonders plastisch und bleiben in der Erinnerung – oft bis ins Detail.

Alpträume sind oft so heftig, dass wir davon aufwachen. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Dämonen, das Unbewusste und die Umwelt

Alben waren in der Mythologie des Nordens die dunklen Geschwister der Elfen. Die Menschen glaubten, solche Wesen setzten sich nachts auf die Brust der Schlafenden und lösten die erschreckenden Träume aus.

Aus der Psychologie wissen wir, dass Dämonen und böse Geister meist nach außen verlagerte „Schuldige“ für unbewusste Anteile der Persönlichkeit sind. Allerdings ist dies nicht immer so: Alpträume handeln bei Kindern meist sowie bei Erwachsenen häufig, von Menschen und Tieren, von schweren Verletzungen und Naturkatastrophen, vom Fall ins Bodenlose, von ausweglosen Fluchten, vom Tod von geliebten Menschen oder vom eigenen Tod.

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Bei Menschen spielen individuelle Erfahrungen eine viel stärkere Rolle als in den Träumen von Tieren, und doch zeigt sich in archeypischen Alpträumen, dass es sich nicht nur um eigene Persönlichkeitsanteile handelt.

Vielmehr spielen die Themen der Alpträume reale Gefahren wieder, die für unsere Vorfahren, besonders für Kinder, Alltag waren. Wilde Tiere konnten Kinder fressen, fremde Menschen sie entführen, es gab reale Situationen, in denen Menschen flüchten mussten, und Naturkatastrophen sind, wie jüngst ein Hurrikan in Texas oder Waldbrände in Griechenland, noch heute eine Bedrohung des nackten Lebens.

Der Schatten

Carl Gustav Jung bezeichnete die Aspekte unseres Unbewussten, die uns unangenehm sind, als Schatten, und er hielt die Themen unseres eigenen Schattens für den Kern der Alpträume. Demnach erzählt der Alptraum gerade nicht von äußeren Gefahren, sondern von den Abgründen der Psyche.

Diese aber müssen, so Jung, unbedingt vom Unbewussten in das Bewusstsein gezogen werden, um sie dort zu verarbeiten. Dieser Schatten ist, laut Jung, der Wegweiser für die Richtung, in die eine Persönlichkeit reift, oder aber stagniert und letztlich abstirbt. Nicht äußere Ursachen, sondern der Träumer selbst wäre die Ursache des Alptraumes.

In jedem Fall müssen wir beim Deuten eines Alptraums genau darauf achten, ob der eigene Schatten-Anteil oder reale Bedrohungen eine Rolle spielen. Ein erster Hinweis ist unsere eigene Wahrnehmung während des Traumes, auch die Wahrnehmung unseres eigenen Traumichs.

Ein dunkler, geheimnisvoller Wald kann Symbol für eine unerforschte Welt sein, die vor uns liegt und viele neue Entdeckungen birgt. (Bild: icephotography/fotolia.com)

Grob gesagt: Wenn ein Teenager immer wieder davon träumt, dass er in einen Wald gehen will, aber davor ein Tiger sitzt, der den Weg versperrt, können wir heute ausschließen, dass es sich um einen realen Wald und einen realen Tiger handelt.

Unser Unbewusstes operiert hier vielmehr mit Bildern, die in unserer Evolution tatsächliche äußere Gefahren bezeichneten, wie eine Großkatze, setzt diese aber symbolisch um. Der Tiger steht also nicht für einen Tiger, sondern für eine symbolische Sperre auf dem Weg in den Wald. Der Wald wiederum steht ebenfalls nicht für einen realen Wald, sondern ist ein Symbol für eine unerforschte Welt, die vor uns liegt. In dieser Welt gibt es vermutlich vieles zu entdecken, und er erwarten uns Dinge, die wir nicht kennen.

Gerade bei einem Teenager lassen sich hier zwei Kernthemen herausfiltern: Neugier und Angst. Der Träumende sieht den Wald und möchte hinein, aber die Angst vor dem Tiger ist stärker, so wie bei einem Jugendlichen, der zwar die Kindheit verlässt, aber Angst davor hat, die große weite Welt und das Erwachsen werden zu erkunden.

Der Tiger könnte verschiedenste Hindernisse symbolisieren: Die Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind sich auf die Wanderschaft begibt, aber auch die eigenen Hemmungen des Jugendlichen, seine Angst vor dem Unbekannten, seine Angst vor Veränderung. In seltenen Fällen handelt es sich um objektive Hindernisse: Ist der Wald vielleicht die Uni, in die der junge Mensch noch nicht kann, weil sein NC nicht seinem Wunschfach entspricht?

Bei solchen objektiven Hindernissen muss die Traumanalyse die subjektive Empfindung und die Gefühle beim Träumen erfassen. Hat der Träumende Angst am Tiger vorbei zu gehen und traut sich nicht in dessen Nähe? Dann ist das Thema vermutlich seine eigene Angst: Er traut sich, im angesprochenen Beispiel, nicht, an der Uni nachzufragen, welche Möglichkeiten es für ihn gibt, sich in seinem Traumfach einzuschreiben.

Traut er sich aber, und der Tiger greift jedes Mal an, wenn er sich nähert, und die Stimmung des Träumenden ist eher wütend als ängstlich, dann könnte er tatsächlichen Restriktionen ausgesetzt sein, um seinem Ziel näher zu kommen.

Schillert der Wald hinter dem Tiger in schönsten Farben oder strahlt er eine bedrohliche Atmosphäre aus? Im zweiten Fall ist der Tiger vermutlich ein Teil von Ängsten, die der Träumende mit der unbekannten Erfahrung verbindet. Im ersten Fall liegt „der Tiger“ zwischen dem, wo der Träumende hin will und dem Ersehnten.

Die Monster unserer Psyche

In Alpträumen tauchen alle Monster des Horrorfilms auf: Werwölfe, Vampire, Kannibalen oder Serienmörder. Wir stehen ihnen wie gelähmt gegenüber, oder aber wir laufen vor ihnen weg. Sie vergewaltigen oder töten uns.

Der Kern von Alpträumen sind aber nicht die Monster, sondern das Gefühl ihnen ausgeliefert zu sein. Wir empfinden extreme Angst und/oder Ohnmacht, und diese führt dazu, dass wir aufwachen. Wiederholen sich dieselben oder ähnliche Träume, und nimmt die Angst zu, dann sollten wir unbedingt einen Therapeuten aufsuchen.

Ob Vampire, Werwölfe oder psychopathische Serienmörder: Im Alpträumen tauchen die verschiedensten Horrorfilm-Gestalten auf. (Bild: VRD/fotolia.com)

Leidensdruck

Alpträume sind nicht nur normal, sondern lebensnotwendig. Insbesondere diejenigen, die von Situationen handeln, die real sein könnten, entstanden vermutlich in der Evolution als Training für den Ernstfall.

Kurz gesagt: Unsere Vorfahren träumten davon, vor wilden Tieren davon zu laufen, sich vor ihnen zu verstecken oder um Hilfe zu rufen, wenn sich fremde Menschen ins Lager schlichen, um im Ernstfall handeln zu können. Auch wenn sie deshalb schweißgebadet aufwachten, waren solche Träume psychisch nicht ungesund, sondern führten zu erhöhter Wachsamkeit, die das Leben retten konnte.

Albträume als Warnträume

In dieser Form können Alpträume Warnträume sein. Sie können darauf hinweisen, dass wir uns in falscher Sicherheit wiegen oder dazu führen, dass wir Risiken ernster nehmen als zuvor. Es gibt Beispiele von Menschen, die das Rauchen einstellten, nachdem sie von Lungenkrebs träumten. Der Traum verdeutlicht hier eine reale Gefahr, die der Raucher bisher unbewusst-bewusst verdrängte.

Manche Alpträume führen sogar zu konkreten Handlungen, so ein Traum, in dem ein Familienvater von einem tödlichen Autounfall träumte, bei dem er überlebte, aber seine Kinder starben. Der Traum ließ ihn nicht los, und er brachte vor einem geplanten Italienurlaub sein Auto in die Werkstatt. Dort stellte sich heraus, dass dringend die Bremsen erneuert werden mussten.

Unsere Vorfahren sahen solche Alpträume als göttliche Warnungen ein und viele Kulturen kannten Spezialisten, um diese „Hinweise der Götter“ zu interpretieren. Es handelt sich zwar nicht um übersinnliche Eingebungen äußerer Kräfte, sondern um Hinweise des Unbewussten, der Charakter der Deutungen bleibt jedoch der gleiche.

In seinem Unbewussten hatte der Familienvater zum einen seine Angst um seine Kinder abgespeichert, zum anderen aber, dass er dringend sein Auto überprüfen musste. Vielleicht hatte ihm ein Jahr vorher ein Mechaniker gesagt, er müsse demnächst seine Bremsen überprüfen lassen, oder er hatte bereits Probleme mit den Bremsen gehabt. Der Traum machte ihm nun drastisch die möglichen Konsequenzen von Fahrlässigkeit bewusst. Durch seine Verantwortungslosigkeit hätte er im Fall eines Falles den Tod seiner Kinder verursacht und sich dies niemals verzeihen können. Solche Alpträume sind ein harter Tritt in den Hintern, aber ausgesprochen sinnvoll.

Leidensdruck

Wir haben also alle Alpträume, und das ist kein Problem. Ein Problem werden diese hingegen, wenn die Betroffenen stark darunter leiden. Das merken wir daran, dass die quälenden Träume und ihre Themen uns auch tagsüber in Schrecken versetzen, oder wir Angst davor haben, einzuschlafen.

Teilweise sind die Alpträume so schlimm, dass die Betroffenen Angst haben, einzuschlafen. (Bild: Focus Pocus LTD/fotolia.com)

Angsttraumstörung

Bei Alpträumen, die mehrmals pro Woche stattfinden, sprechen Psychologen von einer Angsttraumstörung – und die geht häufig mit einer anderen Angststörungen einher: Menschen mit Angst vor Spinnen (Spinnenphobie) haben zum Beispiel auch Alpträume, in denen Spinnen eine Rolle spielen. Menschen mit einer allgemeinen Angststörung kommen auch im Schlaf nicht zur Ruhe, sondern werden fliehen nachts, sind im Traum wie gelähmt, werden im Traum verletzt etc., während diese Ängste tagsüber dafür sorgen, dass sie kaum ihre Wohnung verlassen können.

Typische Alpträume

So individuell die einzelnen Alpträume sind, so sehr gleichen sich die häufigsten Szenarien. Die fünf häufigsten Alptraumthemen sind: Ich falle, ich werde verfolgt, ich fühle mich wie gelähmt, ein mir nahe stehender Mensch stirbt oder verschwindet.

Dabei sind die Träume selbst bei dem gleichen Menschen sehr unterschiedlich, aber bei der gleichen Person tauchen immer wieder die gleichen Elemente auf, nur der Zusammenhang und die Abfolge ändern sich.

Es ist kein Zufall, dass diese fünf Themen immer wieder kommen, denn es sind die grundsätzlichen Situationen, die Erwachsenen Angst machen, in vielfältigen Zusammenhängen.

Zu Spät kommen

Zu spät zu kommen im Traum kann zum Beispiel bedeuten, dass ein Mensch fürchtet, in seinem endlichen Leben Erfahrungen nicht gemacht zu haben, als die Zeit dafür da war: Ein Dreißigjähriger, der nie bei seinen Eltern auszog und sich bitter bewusst wird, dass es zu spät für ein wildes WG-Leben ist, eine junge Frau, die sich nicht traute, dem Mann ihres Herzens ihre Gefühle zu offenbaren und zusah, wie er eine andere heiratete.

Auch ein konkretes Zuspätkommen kann den Traum auslösen: Unser Brieffreund aus Amerika ist in der Stadt, und ich habe das Treffen vergessen, in meiner Firma wird eine bessere Stelle frei, für die ich der richtige wäre, und in letzter Minute, als ich die Bewerbung losschicken will, setzt das Internet aus.

Oder es handelt sich um einen generellen „Schatten“ unserer Persönlichkeit. Wir werden daran erinnert, dass wir uns notorisch verspäten, weil wir uns nicht um Dinge kümmern, die notwendig sind, um ein erfülltes Leben zu organisieren. Wir verspäten uns bei allen erforderlichen Tätigkeiten und entwickeln uns deshalb nicht weiter.

Tiefenpsychologisch können wiederholte Alpträume, sich zu verspäten auf einen generelle Passivität hinweisen, auf Regression und eine unreife Persönlichkeit. Hier kommt es allerdings auf den Kontext an. Auch Menschen, die unerfüllbare Ziele haben und von Perfektionismus getrieben sind, diese zu erreichen, können unter Alpträumen leiden, zu spät zu kommen.

Hier ist der Schatten nicht, dass sie tatsächlich im Leben nichts angehen, und wenn, dann zu spät, sondern dass sie sich permanent unter Druck stellen, irgend etwas zu verpassen. Sie sehen eine Dokumentation über Tibet und quälen sich, weil sie kein Reisereporter geworden sind? Sie fühlen sich dann schuldig, weil sie beim Fotografieren auf Amateurniveau blieben. So geht es ihnen bei allem. Sie sehen immer einen Hollywood-Schauspieler, einen Ministerpräsidenten oder einen Popstar, der „weiter gekommen ist“ als sie selbst.

Ihr Problem ist nicht, dass sie zu spät kommen, sondern, dass sie nicht wert schätzen, wer sie selbst sind und was sie selbst im Leben erreicht haben. In der Traumarbeit geht es jetzt darum, dieses Gefühl wieder zu geben.

Gelähmt sein

Auch die Lähmungsträume stehen für Situationen, denen wir immer wieder ausgesetzt sind. Dabei geht es selten um körperliche Querschnittslähmung, sondern darum, dass in der Welt ständig Dinge passieren, die wir nicht beeinflussen können. Je größer unsere Abhängigkeit von anderen ist, umso stärker sind wir „gelähmt“.

Folgerichtig müssten Lähmungsträume vor allem bei Menschen eintreten, die in starker Abhängigkeit leben. Entscheidend ist hingegen nicht, wie bei allen Träumen und unserem Unbewussten generell, die objektive Situation, sondern das subjektive Empfinden.

Bei Menschen, die besonders selbstbewusst auftreten und ihre Unabhängigkeit vor sich her tragen, aber jede Nacht unter Lähmungsträumen leiden, wird der Schattencharakter des Traumes offensichtlich. Hier kommt es immer auf das Gesamtsetting des Traums an. Zum Beispiel kann es die größte Angst solcher Menschen sein, nicht mehr eigenständig handeln zu können. Ihre vehement demonstrierte Unabhängigkeit kann sogar dazu dienen, diese Angst zu kompensieren.

Werden wir im Traum verfolgt, kann das im übertragenen Sinne zum Beispiel für eine ungeklärte Beziehung oder negative Erfahrungen in der Kindheit stehen. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Verfolgt werden

Verfolgungsträume sind ebenfalls vielschichtig. Zum einen haben sie eine konkrete Komponente: Von wilden Tieren oder Menschen, die uns schaden wollen, verfolgt zu werden, ist eine ebenso biologische wie soziale Erfahrung.

Hinzu kommen die übertragenen Bedeutung von Verfolgungen: Unangenehme Erfahrungen der Kindheit verfolgen uns, auch wenn wir längst eine Lebensstruktur aufgebaut haben, die damit nichts mehr zu tun hat; ungeklärte Beziehungen verfolgen uns; das Finanzamt verfolgt uns; Mitmenschen verfolgen uns mit unseren Forderungen.

Ein Verfolgungstraum wird dann zum Alptraum, wenn wir das Opfer sind und bleiben und keine Perspektive sehen, zu fliehen. Träume, in denen wir uns umdrehen, den Verfolger zur Rede stellen oder besiegen, oder ihm davon laufen, sind keine Alpträume.

Ziel einer Therapie ist es, den Traum so zu bearbeiten, dass wir die im Verfolger ausgedrückten Ängste erkennen, angehen und beseitigen.

Tod und Verlust

Wenn wir im Traum geliebte Menschen verlieren, dann ist das ebenfalls eine urmenschliche Erfahrung. Wir alle müssen Abschied nehmen, weil unsere Großeltern und Eltern sterben. Aber sterben hat im Traum auch immer eine übertragene Bedeutung: Unsere Kindheitsfreunde „sterben“, wenn wir uns auseinander entwickeln, unsere Ex-Partner „sterben“, wenn sie in unserem Leben nicht mehr existieren; Wünsche sterben, Ideen sterben, Berufsideen sterben, wenn die Lebenswirklichkeit sich anders entwickelt.

Tod hat im Traum fast immer eine symbolische Bedeutung, und das genaue Geschehen ist wesentlich für die Deutung. Stirbt unsere Partnerin? Kann es sein, dass unsere Gefühle für sie absterben, und wir dies nicht wahrhaben wollen? Sterben unsere Kinder? Kann es sein, dass wir uns seit Monaten nicht bei ihnen gemeldet haben, dass wir ihnen nie zuhörten? Dass sie erwachsen werden und ihr eigenes Leben aufbauen? Stirbt ein alter Freund? Haben wir uns vielleicht so weiter entwickelt, dass wir uns nichts mehr zu sagen haben? Töte ich selbst jemand im Traum? Bin ich auf diese Person wütend? Oder handelt es sich um meine Mutter, meinen Vater? Dann kann das Töten bedeuten, dass ich mich aus der Bindung löse, um mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Alpträume, in denen nahe stehende Menschen sterben, können auch Warnträume sein. Eine Mutter, die träumt, dass ihre Kinder ertrinken, hat vielleicht reale Ängste, dass ihre Kinder den Anforderungen der Umwelt nicht gewachsen sind, im „Alkohol ertrinken“ etc.

Handelt der Traum vom Tod des Partners, können zum Beispiel erloschene Gefühle dahinter stecken. (Bild: mario_vender/fotolia.com)

Hier kann es sich wiederum um ihre eigenen Ängste handeln, die keinen Anker in der Wirklichkeit besitzen, somit um ihr Problem, nicht loslassen zu können. Oder aber, es kann sich um reale Gefahren handeln, in denen sich die Kinder befinden.

Die Mutter kann Angst haben, ihrem eigenen Elternideal nicht zu entsprechen, oder der Traum drückt versteckte Spannungen zwischen Mutter und Kind aus.
Typisch ist der Traum einer Mutter, die an schweren Depressionen litt, die sich mit manischen Phasen abwechselten. In ihren manischen Episoden beschäftigte sie sich nicht nur mit unzähligen Projekten, sondern richtete auch das Haus, in dem sie mit ihren Kindern lebte, so ein, dass es „perfekt“ war, und was „perfekt“ war, bestimmte sie.

Sie hatte fast jede Nacht Alpträume, in denen ihre 18 und 19 Jahre alten Kinder in einem Autounfall ums Leben kamen. Wenige Monate später zog zuerst die Tochter aus und dann der Sohn. Zuerst fiel sie in ein schwarzes Loch, wollte nicht mehr leben, riss Bilder von den Wänden und gab ihren Kindern die Schuld, für die sie alles getan hätte.

Ihr Sohn schrieb ihr einen Brief, dass sie ihm nie zugehört hätte. Sie stürzte sich wieder in diverse Projekte. Was sagte also der Traum? Unbewusst ahnte sie, dass ihre Kinder sich von ihr abwenden würden und damit die „Perfektion“ zusammen brach, die sie sich immer wieder aufbaute, um ihre eigene Angst, die Kontrolle zu verlieren, in Zaum zu halten – ein hilfloses Unterfangen.

Ihr Unbewusstes warnte sie davor, dass ihre Kinder weg gehen würden, wenn sie nicht auf deren Bedürfnisse einging. Sie nahm diese Warnung aber nicht an.
Sterben reale Menschen in unserem Umfeld im Traum immer wieder, sind aber im realen Leben da, dann deutet das darauf hin, dass der Träumende starke Verlustängste hat. Er fühlt sich ohne Unterstützung anderer hilflos.

Wichtig ist, das Selbstverständnis zu stärken und in einer Therapie das natürliche Geschehen des Todes durchzuarbeiten. Wir können es nicht verhindern, dass Beziehungen enden, Freundschaften auseinander gehen und Menschen sterben, aber wir können lernen, damit umzugehen.

Fallen

Träume vom Fallen haben fast immer eine symbolische Bedeutung. Wer einen bestimmten Punkt im Leben erklommen hat, also der Bergspitze seiner Ziele näher kommt, kann immer auch fallen. Hier ist es notwendig, die Details anzusehen: Falle ich im Traum ins Bodenlose oder falle ich in Richtung eines harten Bodens, an dem ich zu zerschellen drohe?

Häufig berichten Menschen davon, dass sie im Traum aus großer Höhe gestürzt bzw. gefallen sind. (Bild: ilcianotico/fotolia.com)

Psychische Ursachen für Angstträume

Alpträume haben einerseits eine stammesgeschichtliche Basis, andererseits spielt unsere eigene Erfahrung hinein. Oft wissen wir sehr genau, was der Traum ausdrückt, und wir ängstigen uns im Wachzustand, weil (!) wir es wissen, und das, was uns Angst macht, hilflos versuchen, zu vermeiden. Der Traum reibt uns dann dieses Vermeidungsverhalten unter die Nase.

Traumatisierungen

Das gilt für „Normalneurotiker“. Tiefer gehen die Albträume von Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie haben zum einen zwanghafte Flashbacks im Wachzustand, in denen sich das traumatische Erlebnis wiederspiegelt, zum anderen anderen leiden sie unter wieder kehrenden Alpträumen, in denen das Thema der Traumatisierung auftaucht.

Traumatisierte reagieren extrem körperlich auf Albträume, ihre Traumatisierung bedeutet ja, dass sie die wiederkehrenden traumatischen Erlebnisse erfahren, als wären sie real. Nach einem Alptraum wachen sie mit Herzrasen auf, können sehr schwer wieder einschlafen, und viel schwerer als gesunde Menschen zwischen dem Traum und der Wirklichkeit unterscheiden.

Alpträume durch Stress

Stress löst ebenfalls Alpträume aus. Ist dies der Fall geht es weniger um eine genaue Traumanalyse, sondern darum, den Stress zu reduzieren. Schließlich können auch Antidepressiva und Alkohol zu Alpträumen führen.

Substanzen

Hier gilt es, solche Alpträume, die Substanzen hervorrufen, stark zu trennen von denen, die unsere inneren Konflikte spiegeln: Alkohol wirkt auf die Botenstoffe unseres Gehirns ein. Gerade wenn wir regelmäßig zu viel trinken und Alpträume haben, dürfen wir nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Statt also nach der Bedeutung der Symbole zu suchen, sollten wir dringend den Alkohol reduzieren. Dann ändern sich schnell die Träume.

Das gilt sogar besonders, wenn Sie erstens eine Neigung zu Angstträumen haben, zweitens unter Ängsten leiden, drittens diese versuchen, mit Alkohol zu betäuben und viertens die Träume unter Alkoholeinfluss zunehmen.

Hier lauern mehrere Gefahren. Die erste besteht darin, dass der Alkohol eine mögliche psychische Aussage der Träume verzerrt. Alkohol ist „Traumgift“. Alpträume unter Alkoholeinfluss sind so wirr wie die Eindrücke eines Betrunkenen. Sie müssen nicht ein inneres Leiden ausdrücken, doch kann das innere Leiden hinein spielen. Mit Alkohol behindern Sie also die Traumanalyse und ihre mögliche Heilung.

Zweitens werden die den Alpträumen zugrunde liegenden Ängste durch das Trinken schlimmer, und auch deswegen nehmen die bösen Träume zu.

Wer unter Ängsten leidet und/oder häufiger Alpträume hat, sollte dringend seinen Alkoholkonsum überdenken. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Ursache Biologie

Nicht nur Alpträume generell, sondern auch deren Häufigkeit und Intensität haben zum Teil eine genetische Basis: So leiden eineiige Zwillinge beide unter häufigen Alpträumen, wenn einer darunter leidet, im Unterschied zu zweieiigen Zwillingen.

Alpträume spiegel zudem archaische Situationen, die den elementaren Verhaltensformen entsprechen, die jedes Lebewesen beherrschen muss, um zu überleben: Wahrnehmen einer Bedrohung, Kampf oder Flucht, Fressen oder Gefressen Werden.

Ursache Medikamente

Nicht Götter, sondern unser Gehirn steuert die Träume. Wer Hemmer gegen die Aufnahme des „Glückshormons“ Serotonin nimmt, sorgt dafür, dass unser Gehirn beim Schlafen die guten Gefühle nicht ausschüttet.

Persönliche Veranlagung

Menschen, die zu Depressionen neigen, besonders ängstlich oder reizbar sind, haben häufiger Alpträume als psychisch stabilere Menschen. Menschen mit Süchten oder Angststörungen haben diese nicht nur wegen ihren Angstbildern, sondern auch wegen schlechtem Schlaf.

Schlafbeschwerden

Mangelnder Schlaf, unruhiger Schlaf, Schlaf unter Drogeneinfluss oder unregelmäßiger Schlaf müssen nicht, können aber Alpträume triggern.

Traumtherapie

Alpträume sind kein Schicksal, sondern lassen sich bearbeiten. Viele sind, wörtlich genommen, sinnlos – sie enstehen durch Alkohol, Drogen oder schlechten Schlaf. Andere aber zeigen schwierige Situationen, Belastungen und Konflikte und sind unsere „Verbündeten“.

Wenn im Leben „alles glatt läuft“, ohne das wir etwas tun, stimmt in der Regel etwas nicht. Wer aktiv lebt, setzt sich mit Problemen auseinander, löst sie und sieht kommenden Herausforderungen entgegen. Es gibt keine Lebensphase ohne Konflikte – ein Leben zu leben, bedeutet, diese Konflikte zu bestehen. So wie Jung die Monster unseres seelischen Schattens als diejenigen sah, die uns auf den Kern der Lebensfragen stoßen, zwingen uns Alpträume, im Schlaf schreckliche Situationen zu bewältigen.

Vom Opfer zum Regisseur

Treten in den Träumen Storylines auf, die im realen Leben eine Bedeutung haben könnten, dann geht es in der Therapie darum, die bedrohlichen Elemente unter die Lupe zu nehmen und durchzuarbeiten, wie sie sich entschärfen lassen. Wie im realen Leben gilt hier: Eine erkannte Gefahr lässt sich händeln.

Selbst wenn sich in der Therapie heraus stellt, dass die größte Bedrohung des Alptraumes sich nicht händeln lässt, ist das kein Grund zum Verzweifeln. Dann handelt es sich nämlich in der Regel um Ausdruck von etwas, das wir nicht lösen können wie den Tod von Menschen.

Therapeuten gehen inzwischen auch mit Patienten daran, alternative Geschichten zu entwickeln: Beide zusammen entwerfen eine neue Traumgeschichte, die der alten ihren Schrecken nimmt. Die Betroffenen können auch ein Traumtagebuch führen und selbst ihre Geschichte umstrukturieren.

Das Unbewusste entwirft unsere Träume, und wir sind es, die unser Unbewusstes mit Geschichten anreichern. Wir können die Muster der Geschichten unseres Gehirns auch verändern.

Wichtig ist, keine ganz andere Geschichte zu schreiben. Die Storyline selbst bleibt, das Drehbuch korrigieren wir nur an den wichtigsten Stellen. Der Tiger liegt immer noch vor dem Wald, doch statt uns zu bedrohen, schnurrt er und lässt sich streicheln.

Unser Gehirn lässt sich so manipulieren, und das „gute Ende“ verankert sich ebenso in den Synapsen wie die Horrorgeschichte. Alpträume haben auch etwas Positives: Sie ermöglichen uns, Angst auszuleben, der wir im Wachzustand nicht nachgeben können. (Dr. Utz Anhalt)