Augenzucken – Ursachen und Therapie

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Lidzucken / Zucken der Augenlider

Unwillkürliches Augenzucken ist in den meisten Fällen ein harmloses Beschwerdebild, das von den Betroffenen jedoch als äußerst störend wahrgenommen wird, zumal das Lidzucken über Tage anhalten kann. Übermüdung und psychische Belastungen gelten als häufigste Auslöser der Beschwerden, allerdings verbirgt sich in seltenen Fällen auch eine durchaus ernstzunehmende körperliche Ursache hinter dem Augenzucken. Eine ärztliche Überprüfung ist daher bei lange anhaltenden Augenlidzuckungen und/oder bei starken Beeinträchtigungen der Patienten durch das unwillkürliche Lidzucken empfehlenswert.

Definition

Das Beschwerdebild des unwillkürlichen Lidzuckens ist von der gewöhnlichen Bewegung des Augenlids (Lidschlag) abzugrenzen, die zur Befeuchtung und Reinigung des Auges dient und in der Regel ebenfalls nicht bewusst gesteuert wird. Bei dem Lidzucken erfolgt kein kompletter Lidschlag, sondern das Augenlid beginnt unkontrolliert zu zittern beziehungsweise zu zucken. Ursache sind sogenannte Faszikulationen, unwillkürliche Muskelzuckungen, welche im Bereich des Augenlides auch als Benigne Faszikulationen bezeichnet werden, da die Beschwerden meisten gutartigen (benignen) Charakter haben. Im weiteren Sinne sind auch tickartige Zuckungen der Augenlider, die einen vollständigen Lidschlag – also das Zusammenpressen der oberen und unteren Augenlider – umfassen, dem Augenzucken zuzurechnen.

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Auch Kinder können von unwillkürlichem Lidzucken betroffen sein. (Bild: roboriginal/fotolia.com)

Symptomatik und Ursachen

Meist beschreibt das Augenzucken eine von außen kaum sichtbare Bewegung der Lidmuskeln, die von den Betroffenen deutlich ausgeprägter wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist. Lediglich minimale Zuckungen der Augenlider lassen sich in diesen Fällen bei genauem Hinschauen beobachten. Häufig konzentriert sich das Beschwerdebild auf ein Lid. Müdigkeit, massiver Stress und andere psychischen Belastungen sind hier als potenzielle Ursachen bekannt. Langes Arbeiten am Computer beziehungsweise das fortwährende Starren auf den Monitor wird ebenfalls in Zusammenhang mit dem Augenzucken gebracht, wobei die Beschwerden vermutlich auf die Ermüdungserscheinung des Auges zurückgehen.

Auch Beeinträchtigungen des Mineralhaushalts können das Muskelzucken im Augenlid hervorrufen. Als Beispiel sei Magnesiummangel erwähnt. Dieser führt nicht nur zu auffälligen Beschwerden wie Wadenkrämpfen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder dem Einschlafen der Hände und Füße, sondern kann auch Faszikulationen in unterschiedlichsten Muskeln beziehungsweise Muskelgruppen bedingen. Ein Mangel an Magnesium wird darüber hinaus in Zusammenhang mit Herzbeschwerden (zum Beispiel Herzrasen) und einem erhöhten Risiko von Herzkrankheiten bis hin zum Herzinfarkt gebracht. Besteht angesichts des Beschwerdebildes der Verdacht auf einen Magnesiummangel empfiehlt sich dringend eine ärztliche Überprüfung.

Ausgeprägtere unwillkürliche Bewegungen der Augenlider können ebenso im Rahmen einer sogenannten Tic-Störung (auch Tick-Störung) auftreten. Hier kneifen Betroffene zum Beispiel auffällig die Augenlider zusammen, Blinzeln oder Zwinkern mit einem Auge. Zu den Ursachen der möglichen motorischen und vokalen Tic-Störungen ist dabei bis heute wenige bekannt. Komplexere Formen sind zum Beispiel im Rahmen des Tourette-Syndroms zu beobachten, das nicht nur unkontrollierte Bewegungen, sondern auch nicht steuerbare Lautäußerungen bis hin zu ganzen Sätzen umfassen kann.

Als mögliche Ursache des unwillkürlichen Lidzuckens sind außerdem neurologische Ursachen, wie eine Kompression der versorgenden Nerven oder gar eine Erkrankung des Gehirns in Betracht zu ziehen. Das Augenlid wird von dem Gesichtsnerv, Nervus facialis oder Facialis-Nerv, versorgt. Einengungen der Nervenbahnen durch Veränderungen der Blutgefäße am Austritt des Nervs im Gehirn können ebenfalls die Weiterleitung von Reizen im Nerv stören, vermehrte nicht steuerbare Nervenentladungen des Facialis-Nervs begünstigen und so das Augenlidzucken auslösen. Dieses seltene Krankheitsbild wird als Hemispasmus facialis bezeichnet. Besteht eine strukturelle Schädigung des Gehirns, werden möglicherweise aus diesem Grund falsche Signale an die Nerven ausgesendet, was sich ebenfalls in Form des Lidzuckens äußern kann. Bei einigen seltenen neurologischen Erkrankungen ist die Signalübermittlung der Nerven derart beeinträchtigt, dass die Muskeln der Augenlider aus diesem Grund falsche Signale erhalten. Dauern die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, treten wiederholt auf und/oder sind begleitende Symptome zu beobachten, sollte daher dringend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Augenzucken kann nach dem Tauchen mit Sauerstoffflasche als Frühsymptom des sogenannten Paul-Bert-Effekts auftreten, der durch das Einatmen eines Atemgasgemisches mit hohem Sauerstoffpartialdruck hervorgerufen wird. Hierdurch erfolgt eine Vergiftung des zentralen Nervensystems, die neben Lidzuckungen auch eine beschleunigte Herzfrequenz, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohrensausen und Sehstörungen hervorruft. Im weiteren Verlauf zeigen sich schwere Muskelkrämpfe am gesamten Körper und die Betroffenen verlieren unter Umständen das Bewusstsein. Bei Normalisierung des Sauerstoffpartialdrucks im Atemgasgemisch lassen die Symptome in der Regel relativ schnell wieder nach.

Diagnose

Bei einer ärztlichen Überprüfung erfolgt zunächst eine intensive Befragung der Patienten zu den auftretenden Beschwerden, deren Intensität und möglichen Begleitsymptomen. Eine anschließende Blutuntersuchung kann Aufschluss über eventuelle Mangelzustände wie beispielsweise einen Magnesiummangel bringen. Für weitere Untersuchungen empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Facharztes (Neurologen), um schwerwiegendere Erkrankungen als Ursache des Augenzuckens auszuschließen. Moderne bildgebende Verfahren wie beispielsweise eine spezielle Magnetresonanztomographie dienen hier der Feststellstellung bestehender Beeinträchtigungen des Nervensystems beziehungsweise insbesondere dem Nachweis eines Hemispasmus facialis. Lassen sich keine körperlich Ursachen der Beschwerden feststellen, kann unter Umständen eine psychotherapeutische Untersuchung weiterhelfen und Zusammenhänge mit Stress oder innerer Anspannung aufzeigen.

Behandlung

Eine Behandlung gestaltet sich bei den Benignen Faszikulationen des Augenlids oftmals relativ schwierig, da keine konkrete körperliche Ursache der Beschwerden ermittelt und anschließend behoben werden kann. Aufgrund des Zusammenhangs mit psychischen Belastungen, lässt sich mit Hilfe der Psychotherapie bei unwillkürlichem Augenzucken jedoch oftmals eine deutliche Linderung beziehungsweise sogar ein vollständiges Abklingen der Beschwerden erreichen. Hier ist auch das Erlernen von Techniken zur Stressvermeidung beziehungsweise -bewältigung (zum Beispiel Autogenes Training) häufig Bestandteil der Therapie. Bei Augenzucken in Form einer Tic-Störung wird die sogenannte Verhaltenstherapie vielfach erfolgreich angewandt.

Ein Magnesiummangel und andere Mangelzustände lassen sich in der Regel durch eine Umstellung der Ernährung beheben, im Ernstfall stehen jedoch auch höher dosierte Präparate aus der Apotheke zur Verfügung. Wird eine neurologische Erkrankung als Auslöser der Beschwerden festgestellt, können verschiedene Arzneien zum Einsatz kommen, um eine Linderung des Lidzuckens zu erreichen. Hier wird zum Beispiel auch mit Botulinumtoxin-Injektionen (Botox-Spritzen) gearbeitet, die den versorgenden Nerv lähmen und so das Augenzucken verhindern sollen. Ist eine Erkrankung im Gehirn beziehungsweise ein Hemispasmus facialis Ursache des zuckenden Augenlids, bleibt eine Operation die letzte Möglichkeit der Behandlung.

Die Pflanzenheilkunde und die Homöopathie halten verschiedene Mittel gegen innere Unruhe, Nervosität und Anspannung bereit, die bei unwillkürlichem Augenzucken in Form der Benignen Faszikulationen einen äußerst positiven Effekt zeigen können. Erwähnenswert sind zum Beispiel Passionsblumen, Hopfen und Baldrian aus dem Bereich der Heilpflanzen, sowie Agaricus Muscarius und Kalium phosphoricum aus dem Bereich der Homöopathie. Welche Mittel angewandt werden, sollte dabei jedoch erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben und zuvor bedarf es einer eingehenden ärztlichen Untersuchung, um körperliche Ursachen des Augenzuckens auszuschließen. (fp)