Ausfluss beim Mann

Jucken, Brennen, Ausfluss: Das alles können Anzeichen einer Geschlechtskrankheit sein. Bild: vchalup - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Ausfluss beim Mann ist Flüssigkeit, die aus der Harnröhre sickert – aber kein Urin oder Spermien. Ein solcher Ausfluss zeigt oft eine sexuell übertragbare Krankheit an. Ein Arztbesuch ist unausweichlich.

Urethritis

Häufig hat sich nämlich die Harnröhre entzündet, wir sprechen dann von einer Urethritis. Die gonorrhoische Urethritis entsteht durch Gonokokken, Bakterien. Diese lösen den Tripper aus. Auch andere Bakterien, Viren und Pilzen verursachen eine Urethritis, darunter Chlamydien, Mykoplasmen, Herpes-Viren und Hefepilze.

Der Ausfluss ist oft weiß und durchscheinend, aber auch gelblich und bisweilen schmierig oder schleimig.

Jucken, Brennen, Ausfluss: Das alles können Anzeichen einer Geschlechtskrankheit sein. Bild: vchalup - fotolia
Jucken, Brennen, Ausfluss: Das alles können Anzeichen einer Geschlechtskrankheit sein. Bild: vchalup – fotolia

Symptome

Eine Harnröhrenentzündung zeigt sich auch an durch Schmerzen beim Urinieren oder ein Jucken im und am Penis, starken Harndrang in der Nacht, Schmerzen in den Lymphknoten, oder juckenden Ausschlag im Genitalbereich.

Andere Ursachen

Die Harnröhrenentzündung ist nur eine Ursache für Ausfluss beim Mann. Allergien auf Stoffe in der Unterwäsche, auf bestimmte Medikamente, oder auf Gleitcreme können ebenfalls Ausfluss bedingen.

Verletzungen gehen ebenfalls mit Ausfluss einher, dabei kann es sich ebenso um Blut wie um Wundsekret handeln. Solche (kleinen) Verletzungen können beim Pinkeln oder beim Geschlechtsverkehr entstehen, durch grobes Drücken und starkes Schütteln beim Onanieren, oder durch BDSM-Praktiken, die den Penis abschnüren. Sexuelle Handlungen, bei denen Gegenstände in die Harnröhre eingeführt werden, können ebenfalls zu einem Ausfluss führen.

Der Betroffene sollte keine Scham empfinden, sondern dem Urologen genau mitteilen, ob und wie er sich verletzt haben könnte. Ausfluss verweist nämlich bisweilen auf wesentlich gefährlichere Erkrankungen, und der Arzt sollte harmlose Auslöser kennen, um nicht überflüssigerweise aufwändige Untersuchungen durchzuführen, ob es sich vielleicht um Anzeichen eines Tumors in der Prostata oder Harnröhre handelt.

Ein geschwächtes Immunsystem geht oft ebenfalls mit Ausfluss beim Mann einher, insbesondere bei Diabetes mellitus oder AIDS.

Ein Harnröhrenkatheder, eine verengte Harnröhre oder Operationen können ebenfalls Ausfluss bewirken.

Selbstbehandlung und Prävention

Um Infektionen der Harnröhre vorzubeugen und bei ausgebrochenen Erkrankungen einer Ansteckung vorzubeugen, empfiehlt sich eine hinreichende Intimhygiene – sprich waschen. Viele Männer versäumen es, ihren Penis gründlich zu reinigen, und besonders der Eichelbereich unter der Vorhaut wird dann zum Nährboden für Bakterien, Viren und Pilze. Auch wenn es banal klingt, gehört dazu, täglich die Unterwäsche zu wechseln, was manche Männer ebenfalls nicht für wichtig erachten.

Wenn jemand an Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien leidet und Geschlechtsverkehr haben will, ist eine solche Vorbeugung zwingend notwendig, ebenso der Gebrauch eines Kondoms. Außerdem sollte der Geschlechtspartner über die Erkrankung Bescheid wissen. Bei Krankheiten, die relativ schnell vorüber gehen wie einem Pilzbefall, ist es ratsam, in der Zeit der Krankheit auf Sexualverkehr zu verzichten.

Wer unter einer Allergie leidet, sollte die Substanzen meiden, die die Reaktion auslösen, also zum Beispiel nach Alternativen zu bestimmten Gleitmittel oder Medikamenten suchen.

Die Körperabwehr zu aktivieren, hilft bei Urethritis wie generell bei Entzündungen. Ausgewogene Ernährung, leichter Sport, der Verzicht auf Nikotin, Alkohol und andere Drogen,sowie ausreichend Vitamine und Mineralien schwächen die Entzündung.

Hausmittel wie Brennesseltee helfen bei Infektionen der Harnröhre. Sie spülen erstens die Erreger hinaus und immunisieren zugleich die Schleimhäute. Insgesamt gilt: Viel trinken hilft, Wasser ebenso wie Kräutertee oder verdünnte Säfte.

Beschneiden oder nicht?

Bisweilen ist eine Vorhautverengung die Ursache für den Ausfluss. Erstens schmerzt eine solch verengte Vorhaut, wenn sie zurückgezogen wird, und Geschlechtsverkehr wie Onanieren werden im schlimmsten Fall zur Qual; zweitens begünstigt eine verengte Vorhaut Infektionen.

Eine Funktion der Vorhaut besteht darin, die empfindliche Eichel vor Reizen zu schützen, und insbesondere Verletzungen dieses Körperteils zu verhindern. Ist die Vorhaut aber verengt, kann sie diese Funktion nicht mehr erfüllen, da sie nicht mehr vor- und zurückgeschoben wird, sammeln sich Sekret und Fremdkörper an.

In solchen Fällen beugt ein Durchtrennen der Vorhaut Entzündungen vor. Für die Entscheidung sollte unbedingt ein Urologe zu Rate gezogen werden.

Ein generelles Entfernen einer gesunden Vorhaut aus Krankheitsvorsorge ist indessen überflüssig und wegen den möglichen psychischen Folgen auch nicht ratsam. Die Vorhaut ist extrem reich an Nerven und entsprechend sensibel. Sie großflächig zu entfernen, raubt dem Betroffenen einen Teil seines Lustempfindens.

Zudem schützt sie die Eichel und beugt so, bei ausreichender Pflege, Infektionen vor. Wer also Infektionen vorbeugen will und nicht an einer Vorhautverengung leidet, für den sind Wasser und Seife die bessere Alternative zum Skalpell.

Ärztliche Diagnose

Ausfluss aus der Harnröhre, muss zwar nicht, kann aber auf ernste Krankheiten hindeuten. Deswegen sollte, wenn keine „harmlose“ Ursache bekannt ist, ein Urologe aufgesucht werden. Leider ist Ausfluss unter Männern immer noch ein Tabuthema, und vielen Männern fällt es schwer, unverkrampft über körperliche Beschwerden im Genitalbereich zu reden.

Dabei gehören die Genitalien ebenso zum Körper wie Augen, Zähne oder die Haut, und es gibt keinen Grund, sich zu schämen – erst recht nicht gegenüber einem Arzt, der sich auf solche Probleme spezialisiert hat.

Der Arzt nimmt einen Harnröhrenabstrich und untersucht, ob und wie viele weiße Blutkörperchen dieser enthält. Weiße Blutkörperchen zeigen, dass das Immunsystem eine Infektion abwehrt und deuten deshalb auf eine Urithritis hin.

Außerdem zeigt die Harnprobe meist auch den Erreger. Der Ausfluss allein hingegen weist nicht eindeutig nach, ob eine Gonorrhoe oder eine andere Entzündung vorliegt.

Unter dem Mikroskop erkennt der Arzt die Bakterien, die für eine Gonorrhoe verantwortlich sind. Chlamydien lassen sich ebenfalls im Abstrich nachweisen.

Gonorrhoische Urethritis

Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae überträgt die Gonorrhoe. Zwei bis acht Tage dauert es nach der Infektion, bis sich die ersten Symptome zeigen – vor allem in Form eines eitrigen Ausflusses.

Infektion am Penis. Bild: joshya - fotolia
Infektion am Penis. Bild: joshya – fotolia

Der Patient hat Schmerzen beim Wasserlassen, also ob sich kleine Splitter von innen in die Harnröhre bohren. Anfangs ist der Ausfluss schleimig, wird dann aber zu einer „käseartigen“ Creme. Drei von vier Betroffenen leiden unter eitrigem Ausfluss, bei jedem zehnten ist die Konsistenz flockig, bei jedem zwanzigsten klar. Eine Linderung zeigt sich daran, dass der Ausfluss von einer breiigen Creme wieder in Schleim übergeht.

Die Gonorhoee wird fast ausschließlich durch Genital-, Oral- und Analverkehr übertragen und hält sich Monate, wenn sie nicht geheilt wird. Der geschwächte Genitalbereich kann in der Folge auch andere Erreger schlecht abwehren; so kommt es häufig zu weiteren Infektionen.

Eine Gonorhoee ist nicht nur schmerzhaft; breitet sie sich zu den Nebenhoden aus, führt sie bisweilen zu Impotenz. Der Afterbereich kann ebenso betroffen sein, vor allem, wenn die Ansteckung über Analverkehr läuft. Selten, aber äußerst unangenehm, ist eine Gonokokkensepsis: Hier streut die Infektion in das Blut, es kommt zu einer Arthritis, einer Entzündung der Handgelenke, Knie und Hände, zu Fieberschüben und zu Schüttelfrost.

Die nicht-gonorrhoische Urethritis

Andere Entzündungen der Harnröhre zeigen sich meist durch einen durchscheinenden Ausfluss, Schmerzen beim Pinkeln und einen anhaltenden brennenden Schmerz in der Harnröhre. Geschlechtsverkehr gilt als Hauptweg, um die entsprechenden Krankheiten wie Chlamydien oder Herpes zu übertragen.

Handelt es sich um Chlamydien, dann helfen Antibiotika wie Doxycyclin, Fluocholone oder Makrolide.

Patient und Sexualpartner sollten mindestens zwei Wochen lang den Arzt zu Kontrolluntersuchungen aufsuchen, um zu sehen, ob weiterhin oder erneut eine Infektion vorliegt.

Der Patient sollte ehrlich über seine Sexualkontakte berichten, um zu verhindern, dass weitere Menschen infiziert werden, und um seine intime Beziehung nicht zu belasten. Wieder kehrende Entzündungen der Harnröhre setzen Patient und Partner nämlich einem erheblichen Druck aus. In manchen Fällen vermuteten Partner, dass der Infizierte sie anlog und sich in heimlichen sexuellen Affären infizierte. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, aber viel häufiger ist eine Neuinfektion durch einen unbehandelten Partner, der keine Symptome zeigt, oder die Heilung war nicht vollständig. Beide Partner sollten deshalb umfassend über die Erkrankung unterrichtet sein. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht. (Dr. Utz Anhalt)

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