Beckenschmerzen: Ursachen und Behandlung

Beckenschmerzen sind oft auf Beeinträchtigungen der Knochenstruktur des Beckengürtels zurückzuführen. (Bild: luxpainter/fotolia.com)
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Mit dem Begriff „Beckenschmerzen“ werden üblicherweise all jene Beschwerden bezeichnet, die im Bereich zwischen dem Bauch und den Oberschenkeln auftreten. Häufig ist eine genaue Lokalisation jedoch schwierig, weshalb oft auch von Hüft- oder Bauchschmerzen die Rede ist. Während letztere jedoch eher im Zusammenhang mit den im Beckenraum befindlichen Organen (Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse etc.) auftreten, rühren Beckenprobleme meist vom knöchernen Beckengürtel her. Eine häufige Ursache sind dementsprechend Verletzungen wie Prellungen oder ein Beckenbruch, aber auch Fehlhaltungen, Osteoporose und ein Beckenschiefstand, welcher neben den typischen Becken- und Rückenschmerzen z.B. auch zu Beschwerden im Nacken und Kopf führen kann. Aufgrund der teilweise schwierigen Lokalisation, sollte bei Beckenschmerzen immer vorsorglich ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abklären und ernsthafte Erkrankungen ausschließen zu können.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Ursachen von Beckenschmerzen
Beckenschmerzen einseitig
Beckenschiefstand
Beckenringsyndrom
Beckenschmerzen in der Schwangerschaft
Behandlung
Hausmittel und Naturheilkunde bei Beckenschmerzen
Vorbeugung

Definition

Unter dem Begriff „Beckenschmerzen“ werden normalerweise sämtliche Beschwerden zusammengefasst, die im Bereich des Beckens, also dem Körperabschnitt zwischen dem Bauch (Abdomen) und den Beinen (Membrum inferius) auftreten. Das knöcherne Becken besteht dabei aus dem Kreuzbein (Os sacrum), dem Steißbein (Os coccygis) und den beiden Hüftknochen (Os coxae dextrum et sinistrum), wobei sich letztere wiederum aus Darm-, Sitz-, und Schambein zusammen setzen. Während der Raum zwischen den beiden Darmbeinschaufeln als „großes Becken“ (Pelvis major) bezeichnet wird, handelt es sich bei dem Raum darunter um das „kleine Becken“ (Pelvis minor), welches nach unten hin immer enger wird und daher den so genannten „Beckentrichter“ darstellt. Das Becken dient einerseits der Verbindung des Rumpfskeletts mit den Beinen, zudem ermöglicht es durch seine Struktur und Festigkeit dem menschlichen Körper Stabilität und eine aufrechte Haltung. Darüber hinaus schützt es die im Beckenraum befindlichen Organe wie z.B. Prostata, Gebärmutter und Blase und dient als Durchtrittpunkt des Kindes während der Geburt. Dementsprechend zeigen sich beim Aufbau deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, indem bei Frauen beispielsweise die Beckenschaufeln seitlich ausladender sind, ebenso ist der Winkel zwischen den beiden Schambeinästen deutlich größer als beim Mann.

Beckenschmerzen sind oft auf Beeinträchtigungen der Knochenstruktur des Beckengürtels zurückzuführen. (Bild: luxpainter/fotolia.com)
Beckenschmerzen sind oft auf Beeinträchtigungen der Knochenstruktur des Beckengürtels zurückzuführen. (Bild: luxpainter/fotolia.com)

Die Schmerzen im Becken können in ganz unterschiedlicher Intensität auftreten und zudem in andere Bereiche des Körpers ausstrahlen, wodurch es beispielsweise zu Leisten-, Bein- und/oder Gesäßschmerzen kommen kann. In vielen Fällen können die Beschwerden in diesem Bereich nicht eindeutig lokalisiert bzw. zugeordnet werden, sodass diese häufig auch als Unterleibs-, Bauch- oder Hüftschmerzen bezeichnet werden. Eine Abgrenzung fällt hier in der Tat häufig schwer, doch während Beckenschmerzen meist vom knöchernen Beckengürtel herrühren, treten Unterleibs- und Bauchschmerzenoft eher im Zusammenhang mit den dort befindlichen Organen (Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter etc.) auf. Dabei kommen zahlreiche Ursachen in Frage, wie z.B. Verstopfung, Darmverschluss, Blasen- oder Nierenbeckenentzündung, Reflux, Durchfall oder ein so genanntes „Reizdarmsyndrom“.

Ursachen von Beckenschmerzen

Die Ursachen für Schmerzen im Bereich des Beckens sind vielfältig, gerade weil eine genaue Lokalisation häufig schwer fällt und es sich dementsprechend zum Beispiel auch um ausstrahlende Bauch- oder Rückenschmerzenhandeln kann. In vielen Fällen werden Beschwerden am Beckenknochen durch Verletzungen wie Prellungen oder Frakturen (Brüche) ausgelöst. Häufig liegt (vor allem bei älteren Menschen) auch eine Osteoporose (Knochenschwund) vor, wobei es sich um eine Erkrankung handelt, die durch eine Abnahme der Knochendichte infolge eines übermäßig schnellen Abbaus der Knochensubstanz und -struktur gekennzeichnet ist.

Bei Osteoporose sind Schmerzen im Bereich des Beckens eine mögliche Folge der Erkrankung. (Bild: peterjunaidy/fotollia.com)
Bei Osteoporose sind Schmerzen im Bereich des Beckens eine mögliche Folge der Erkrankung. (Bild: peterjunaidy/fotollia.com)

Neben dem können die Schmerzen im Becken auch durch die dort befindlichen Organe ausgelöst werden. Hier können dementsprechend zum Beispiel ein Prostataleiden, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane (Vulvitis, Adnexitis etc.) oder eine Blasenentzündung die Ursache sein. Möglich ist zudem, dass die Beschwerden zum Beispiel von einer Blinddarmreizung oder einem Tumor bzw. einer Tochtergeschwulst (Metastasen) herrühren, ebenso kommen chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsunverträglichkeiten wie z.B. eine Glutenallergie, eine falsche Ernährung oder Infektionskrankheiten in Betracht. Nicht zuletzt können die Schmerzen im Beckenbereich natürlich auch psychosomatischer Natur sein. In diesem Fall lässt sich für die Beschwerden keine organische Ursache finden, stattdessen sind sie Ausdruck einer seelischer Belastung wie zum Beispiel Stress, Anspannung, Überforderung oder Angst.

Einseitige Becken- bzw. Hüftschmerzen sind zum Beispiel häufig bei einer Arthrose festzustellen. (Bild: electrozebra.com/fotolia.com)
Einseitige Becken- bzw. Hüftschmerzen sind zum Beispiel häufig bei einer Arthrose festzustellen. (Bild: electrozebra.com/fotolia.com)

Beckenschmerzen einseitig

Eine sehr häufige Ursache von einseitigen Schmerzen im Hüft- und Beckenbereich sind Fehlhaltungen, die z.B. infolge von Verletzungen entstehen oder durch „schlechte Angewohnheiten“, wie sie im Zusammenhang mit der Haltung bei vielen Menschen zu beobachten sind. Ein typisches Beispiel ist hier die Verlagerung des Gewichts beim Stehen auf ein Bein, wodurch der ganze Körper in eine Schieflage gerät. Häufig liegt der Auslöser darin, dass versucht wird, Schmerzen (z.B. durch eine frühere Bein- oder Fußverletzung) zu vermeiden, indem die betroffenen Seite geschont und nur das „intakte“ Bein belastet wird. In der Folge ist dieses oft auch muskulöser und ausgeprägter als das andere, zudem wird die Fehl- bzw. Schonhaltung meist auch in anderen Positionen beibehalten, indem z.B. auch im Sitzen das Gewicht auf eine bestimmte Seite verlagert wird. Diese Verlagerung macht sich schließlich auch im Hüft- und Beckenbereich bemerkbar, denn da das Gewicht nur auf ein Bein verteilt ist, entsteht in der Hüfte auf dieser Seite eine dauerhafte Spannung, zudem ist das Becken verzogen und auf einer Seite nach oben geneigt.

Besteht eine solche erhöhte Spannung in der Muskulatur, nehmen Betroffene die Fehlhaltung oft immer wieder „automatisch“ ein, was sich in vielen Fällen soweit entwickelt, dass diese als „normal“ betrachtet wird. Dementsprechend entstehen einseitige Beckenschmerzen bei Frauen häufig dadurch, dass sie gewohnheitsmäßig ihre Kleinkinder asymmetrisch auf der Hüfte tragen, was jedoch bedeutet, dass diese auf der entsprechenden Seite nach oben und außen geschoben werden muss. In der Folge kommt es oft zu unangenehmen und schmerzhaften Verspannungen, welche sich bei dauerhafter Belastung von alleine nicht mehr lösen lassen, sondern stattdessen durch den so genannten Beckenschiefstand kompensiert werden.

Beckenschiefstand

Zu einer der häufigsten Ursachen von Schmerzen im Becken- und Hüftbereich zählt der so genannte „Beckenschiefstand“. Hintergrund ist hier, dass das Becken eine wichtige Rolle für die gesamte Körperhaltung spielt und sich im Optimalfall in einer nahezu waagerechten Position befindet. Sind z.B. die Rückenmuskeln verspannt oder die Beine nicht gleich lang, kippt das Becken aus dieser Normalposition. Dies ist jedoch prinzipiell nicht ungewöhnlich ist, denn nur die wenigsten Menschen haben ein wirklich gerades Becken, stattdessen ist schätzungsweise jeder Zweite in den westlichen Industrienationen von einem Schiefstand betroffen. Ist dieser nur leicht vorhanden, kann der Körper das Ungleichgewicht meist selbst ausgleichen, sodass der Betroffene keine oder nur kaum Beschwerden bzw. Einschränkungen erlebt. Handelt es s ich jedoch um einen ausgeprägteren Beckenschiefstand, muss sich die Wirbelsäule zum Ausgleich stärker verkrümmen, wodurch eine dauerhafte seitliche Verbiegung (Skoliose) droht. In der Folge kommt es häufig zu Rückenschmerzen und Beschwerden im Becken- bzw. Hüftbereich, zudem kann sich das schiefe Becken auch auf andere Bereiche des Skeletts auswirken und dadurch z.B. Schulter- oder Knieschmerzen verursachen. Möglich sind ebenfalls Probleme mit dem Gebiss wie z.B. nächtliches Zähneknirschen oder ein starkes Aufeinanderpressen der Zähne, wodurch es wiederum zu einer verspannten Nackenmuskulatur und Kopfschmerzen vom Nacken ausgehend kommen kann.

Ein Beckenschiefstand kann viele Ursachen haben, wobei medizinisch zwischen zwei Kategorien unterschieden wird: Liegt ein so genannter „struktureller Schiefstand“ vor, handelt es sich um eine anatomische Gegebenheit, wodurch die Wirbelsäule nicht von alleine wieder in eine gerade Position zurückkehren kann. Auslöser können hier zum Beispiel Unfälle, Operationen oder eine genetische Veranlagung wie eine angeborene Skoliose sein, in den meisten Fällen ist jedoch eine Beinlängendifferenz verantwortlich. Dabei bereiten wenige Millimeter Unterschied meist gar keine Probleme, je größer dieser jedoch wird, desto stärker werden normalerweise auch die Beschwerden.

Neben dem kann der Schiefstand aber auch durch muskuläre Verspannungen der Gesäß- und der unteren Rückenmuskulatur entstehen, da das Becken in diesem Fall in eine schiefe Position wechselt, um den Schmerzen „auszuweichen“. Auch ein muskuläres Ungleichgewicht kann der Auslöser sein, welches z.B. durch einseitige Belastung im Sport oder Verletzungen am Bewegungsapparat entstehen kann. In der Folge gerät das Becken aus dem Gleichgewicht und kippt zu einer Seite, wodurch der Eindruck einer Beinlängendifferenz entsteht, obwohl beide Beine gleich lang sind („funktioneller Beckenschiefstand“).

Beckenringsyndrom

Eine weitere mögliche Ursache besteht in dem so genannten „Beckenringsyndrom“. Dabei handelt es sich um krankhafte Störungen in den Bereichen Kreuzbein, Iliosakralgelenke (kurz: ISG, auch „Sakroiliakal-Gelenke“ genannt) und Hüftbeine, welche gemeinsam den so genannten Beckenring bilden. Hierfür kommen verschiedene Ursachen in Betracht, möglich sind zum Beispiel eine Blockade des Iliosakralgelenks oder Reizungen des Bandapparates. Auch ein so genanntes „Lendenwirbelsäulensyndrom“ (kurz: „LWS“) ist denkbar, womit all jene Schmerzen bezeichnet werden, die im unteren Rücken bzw. Lendenbereich auftreten. Ausgelöst werden kann dieses zum Beispiel durch degenerative Veränderungen (Bandscheibenschäden, Funktionsstörungen von Haltebändern etc.), angeborene Fehlbildungen der Wirbelsäule, Wachstumsstörungen oder entzündliche Erkrankungen, darüber hinaus können auch Frakturen oder Verletzungen (Traumata) zu einem LWS-Syndrom führen.

Entsprechend der Ursachenvielfalt können die Beckenschmerzen bei einem Beckenringsyndrom auch an ganz unterschiedlichen Orten mit unterschiedlicher Intensität auftreten und z.B. in das Gesäß, die Leisten oder die Beine ausstrahlen. Sind zudem periphere Nerven betroffen, kann es auch zu neurologischen Ausfällen kommen.

Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft an Beckenschmerzen. (Bild: lester120/fotolia.com)
Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft an Beckenschmerzen. (Bild: lester120/fotolia.com)

Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

Treten die Schmerzen im Becken während der Schwangerschaft auf, kann auch eine so genannte „Symphysenlockerung“ die Ursache sein, die bei etwa einer von 600 Schwangeren auftritt. Dabei handelt es sich um eine vor oder während der Entbindung auftretende Lockerung der Schambeinfuge (Symphyse), womit eine bandscheibenartige, knorpelige Verbindung der beiden Beckenhälften an der Vorderseite bezeichnet wird. Im Laufe der Schwangerschaft steigt durch das immer größer werdende Kind der Druck auf die Beckenknochen und damit auch auf die Symphyse, zudem wird das Bindegewebe durch die hormonellen Veränderungen in dieser Zeit lockerer und elastischer. Betroffen sind hier vor allem die Bänder der Schambeinfuge, wodurch sich diese während der Schwangerschaft weiten können, um den Weg des Babys durch das Becken so leicht wie möglich zu gestalten.

Auf der anderen Seite kann diese hormonbedingte Lockerung sowie die Dehnung der Symphysenbänder infolge des erhöhten Drucks auch zu Beschwerden führen, wobei diese oft im Schambereich und in der Leistengegend auftreten. Da der gesamte Beckengürtel betroffen ist, können die Beschwerden jedoch auch bis in den Rücken oder die Oberschenkel-Innenseiten ausstrahlen. Zudem sprechen Betroffene auch häufig von Hüftschmerzen. Möglich ist ein reibendes bzw. knirschendes Gefühl im Bereich der Symphyse, zudem werden die Beschwerden in den meisten Fällen bei Bewegung stärker. Hinzu kommt, dass die Schmerzen in einigen Fällen bereits vor der Entbindung beginnen und kontinuierlich zunehmen können. Andere Frauen erleben hingegen erst während oder sogar nach der Entbindung einen plötzlich einschießenden Schmerz, z.B. wenn ein sehr großes Kind zur Welt gebracht wurde oder die Geburt in Rückenlage stattfand. Die Auslöser für eine Symphysenlockerung sind bislang nicht vollständig geklärt, allerdings gelten Risikofaktoren wie frühere Rückenprobleme, Hüftverletzungen und arthritische Gelenkentzündungen als begünstigend für eine Symphysenlockerung.

Behandlung

Bei unspezifischen Beckenschmerzen sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, vor allem wenn die Ursache nicht eindeutig erkennbar ist und/oder die Beschwerden stark ausgeprägt sind. Dieser kann mithilfe einer umfassenden Anamnese sowie einer gründlichen Untersuchung oft bereits eine Diagnose stellen, teilweise werden zudem unterstützend bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Treten die Schmerzen plötzlich und massiv auf oder bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen, sollte zudem eine Überweisung in eine Klinik erfolgen, um ernstere oder sogar lebensbedrohliche Erkrankungen wie z.B. einen Darmverschluss oder einen Blinddarmdurchbruch ausschließen zu können.

Die Behandlung der Schmerzen erfolgt dann in Abhängigkeit der Ursache und kann dementsprechend von Fall zu Fall ganz unterschiedliche Zeiträume, Maßnahmen und Verfahren bedeuten. Liegt z.B. eine schwangerschaftsbedingte Symphysenlockerung vor, erfolgt die Behandlung zwar generell ebenfalls entsprechend dem Beschwerdebild, wobei der wichtigste Schritt zunächst in der Stabilisierung des Beckenringes besteht. Dies kann häufig recht einfach durch einen Beckengurt erreicht werden, welcher durch das Zusammendrücken der Darmbeine eine Entlastung und Linderung der Schmerzen bewirkt. Hinzu kommen weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen wie Wärmetherapien, Langwellenbehandlung oder eine spezielle Beckenbodengymnastik, in seltenen Fällen ist jedoch auch ein operativer Eingriff zur Stabilisierung der Symphyse angezeigt.

Liegt ein leichter Beckenschiefstand vor, ist zumeist keine spezielle Behandlung notwendig, da dieser normalerweise vom Körper selbst ausgeglichen werden kann. Ist die Krümmung jedoch stärker ausgeprägt und/oder entstehen durch den Schiefstand Beschwerden, ist eine Therapie durchaus empfehlenswert, wobei die konkreten Maßnahmen von der Ursache, dem Alter des Betroffenen und dem Ausmaß der Fehlstellung abhängen. Ist der Auslöser bei Erwachsenen z.B. eine „echte“ Beinlängendifferenz („struktureller Beckenschiefstand“) können Ferseneinlagen (bis zu einem Zentimeter Unterschied) oder eine Absatz- bzw. Sohlenerhöhung (bis zu drei Zentimeter) zum Einsatz kommen.

Die sogenannte Wirbelsäulentherapie nach Dorn und Breuss kann zur Korrektur von scheinbaren Beinlängenunterschieden („funktioneller Beckenschiefstand“) hilfreich sein. Handelt es sich hingegen um eine Muskeldysbalance, sind spezielle Kraft- bzw. krankengymnastische Übungen hilfreich, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Besteht der Grund für den Schiefstand in einer Verspannung, können überdies Übungen zum Stressabbau sehr wohltuend und schmerzlindernd sein, wobei sich zum Beispiel Yoga und progressive Muskelrelaxation (PMR) besonders gut eignen.

Hausmittel und Naturheilkunde bei Beckenschmerzen

Alternativ bzw. ergänzend zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden können je nach Ursache in einigen Fällen auch natürliche Heilverfahren eingesetzt werden. In Frage kommen hier zum Beispiel Akupunktur, Magnetfeldtherapie oder physikalische Kälte- oder Wärmeanwendungen, ebenso haben sich in vielen Fällen Massagen, Schüssler Salze und entsprechende Mittel aus dem Bereich der Homöopathie bewährt. Welche Verfahren hier im Einzelfall angezeigt und geeignet sind, sollten Betroffene jedoch im Vorhinein immer mit einem Heilpraktiker oder naturheilkundlich ausgerichteten Arzt besprechen, ebenso wie die genaue Dosierung, Anwendungsdauer oder mögliche Wechselwirkungen.

Die Osteopathie kann bei Schmerzen im Hüft- und Beckenbereich helfen und für mehr Beweglichkeit sorgen, indem durch spezielle Grifftechniken z.B. Muskelverspannungen, blockierte Gelenke oder ein Beckenschiefstand korrigiert werden. Im Falle eines schiefen Beckens können Betroffene jedoch oft auch einiges selbst tun, um die Beschwerden zu lindern. Denn dieser entsteht häufig durch eine muskuläre Verspannung oder Dysbalance, z.B. infolge ständiger Belastung einer Körperhälfte beim Tragen von Kleinkindern oder beim Sport. Hier kann jedoch meist schon mit speziellen Kraftübungen oder Krankengymnastik eine Besserung erzielt werden, indem das Gleichgewicht wieder hergestellt und dadurch eine aufrechte symmetrische Haltung gefördert wird. Gerade bei Verspannungen können zudem Entspannungstechniken sehr hilfreich und wohltuend sein, in Frage kommen unter anderem Yoga, autogenes Training, Massagen oder meditative Bewegungsformen wie Qigong und Tai-Chi.

Auch im Falle einer schwangerschaftsbedingten Symphysenlockerung können Betroffene einiges selbst tun, um die Schmerzen zu lindern. In Frage kommen zum Beispiel regelmäßig durchgeführte Übungen zur Stärkung von Beckenboden-, Gesäß- und Rumpfmuskulatur, um das Becken zu entlasten. Hier eignet sich zum Beispiel ein Training, für welches sich die Frau auf den Rücken legt und die Beine etwa im rechten Winkel und hüftbreit aufstellt. Nun wird beim Ausatmen der Beckenboden sowie die untere Bauchmuskulatur angespannt, dann werden die Füße fest in den Boden gedrückt, bis sich das Becken leicht erhebt. In dieser Position wird die Spannung nun über mehrere Atemzüge gehalten und schließlich wieder gelöst. Diese Übung sollte sechs Mal wiederholt werden, dabei gilt es jedoch immer darauf zu achten, das kein Hohlkreuz entsteht.

Neben der Beckenbodengymnastik können sanfte Sportarten wie Schwimmen, leichte (Wasser-)Gymnastik oder eine individuell abgestimmte Physiotherapie hilfreich sein. Frauen sollten bei einer Symphysenlockerung bestimmte Tätigkeiten wie schweres Heben oder Tragen unbedingt vermeiden. Ungünstig sind zum Beispiel häufiges Treppensteigen oder das Sitzen im Schneidersitz. Stattdessen kann ein Stillkissen zwischen den Beinen während des Schlafens eine wahre Wohltat sein. Am Tage helfen unter anderem regelmäßige Pausen, in denen sie die Betroffene auf einen großen Gymnastikball setzt und langsam die Hüften kreisen lässt, zudem kann auch der so genannte „Vierfüßlerstand“ für eine angenehme Entlastung des Beckens sorgen.

Vorbeugung

Um Schmerzen im Bereich des Beckens vorzubeugen, sollte generell darauf geachtet werden, den Rücken zu stärken und eine aufrechte Haltung zu bewahren. Hierfür ist vor allem regelmäßige Bewegung unabdingbar, gerade, wenn z.B. täglich über Stunden in sitzender Position gearbeitet wird. Um die Muskulatur zu trainieren, muss niemand gleich in ein teures Fitnessstudio eintreten. Vielmehr kann im Alltag an vielen Stellen für etwas mehr Bewegung gesorgt werden, indem beispielsweise statt des Autos das Fahrrad oder die Treppe anstelle des Aufzugs genutzt wird. Neben der Bewegung ist für einen gesunden und schmerzfreien Rücken ausreichend Ruhe und Entspannung notwendig, denn wer ständig unter negativem Stress, Druck und „Hochspannung“ steht, riskiert schnell gesundheitliche Auswirkungen. Möglich sind hier neben einem Beckenschiefstand durch Verspannungen unter anderem auch Kopf- und Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Arterienverkalkung oder eine Verdauungsstörung, aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. (nr)

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