Blähungen bei Babys – Ursachen und Hausmittel

Dr. Utz Anhalt
Gas entsteht im Körper bei Babys, wenn Bakterien in den Eingeweiden gasproduzierende Nahrung wie Bohnen verarbeiten. Gas bildet sich auch bei gestauter Luft, zum Beispiel, wenn das Kind an einer leeren Flasche saugt. Eltern sollten genau darauf achten, wie und warum das Baby weint. Babys weinen auch, um zu kommunizieren. Wenn das Kind jedoch Schmerzen wegen Gasbildung verspürt, ist das Weinen schärfer und intensiver. Es zeigt auch anderweitig, dass es sich unwohl fühlt, zum Beispiel, indem es mit den Beinen zappelt oder die Fäuste ballt.

Ursachen von Blähungen bei Babys

Die Ernährung der stillenden Mutter kann sich auf das Baby auswirken. Wenn die Mutter zum Beispiel Zitrusfrüchte wie Orangen, Pampelmusen, Zitronen oder Limetten isst, kann das kurzfristige Verdauungsstörungen beim Säugling auslösen. Die Säuren in diesen Früchten können den Verdauungstrakt eines Babys stören. Das gilt auch für Kiwis, Ananas, Erdbeeren, Kirschen und Pflaumen. Ebenso können Milchprodukte im Essen der Mutter zu Intoleranzen des Babys führen.

Vor allem in den ersten Lebensmonaten leiden Babys oft unter Blähungen. Erkennbar wird dies daran, dass die Säuglinge viel weinen, quengelig und unruhig sind. (Bild: S.Kobold/fotolia.com)

Das Problem liegt am Milchprotein in Milch, Käse, Butter, Joghurt, Eiscreme etc. Diese Milch-Intoleranz geht häufig einher mit einer Intoleranz gegenüber Soja und Erdnüssen.

Luftblasen können durch den Mund in den Magen des Babys kommen. Meist passiert das beim Saugen an der Mutterbrust. Deshalb sollte das Baby beim Saugen alle 3 bis 5 Minuten ein Bäuerchen machen. Beim Stillen mit der Flasche ist die Größe des Nippels entscheidend. Ist er nämlich zu groß, saugt das Baby zu schnell. Ist er zu klein, schluckt das Kind Luft.

Eine weitere mögliche Ursache für Gasbildung bei Säuglingen ist das Hyper-Laktations-Syndrom. Wenn eine Mutter sehr reichhaltig Milch produziert, kommt auch eine größere Menge an Vormilch zustande. Vormilch ist die wässrige Muttermilch, die das Kind zuerst in den Mund bekommt – mit einem geringeren Fett- und höherem Laktoseanteil. Diese Vormilch stillt den Durst des Babys und stimuliert die Entwicklung der Energie und das Gehirn. In großem Ausmaß kann die Vormilch jedoch Magenkrämpfe beim Säugling verursachen.

Nachmilch ist hingegen die cremige Milch mit einem höheren Fettanteil, die in den Milch produzierenden Zellen weiter oben in der Brust entsteht und hilft, das Wachstum des Babys zu stimulieren.

Ein Baby, das die fließende Milch zu schnell schluckt, nimmt ebenfalls leicht zu viel Luft auf. Weil und wenn das Baby nicht genug von der reichhaltigen Nachmilch bekommt, will es öfter trinken, und das vergrößert das Problem. Babys, die an Hyperlaktation leiden, wiegen mehr als gewöhnlich, und ihre Gasbildung steigt.

Ob fremde Geräusche, viele Menschen, grelle Lichter oder Lärm: Wenn Babys mit Reizen „überflutet“ werden, kann dies zu einer verstärkten Gasbildung führen. (Bild: Christian Müller/fotolia.com)

Überstimulation

Wird ein Baby überstimuliert, kann das ebenfalls zu gesteigerter Gasbildung führen. Zu viele Besucher, Lärm im Fernsehen, klingelnde Telefone etc. stimulieren das Baby. Zu viel Stimulation bedeutet Stress, und der kann Gasbildung auslösen, weil das Baby schneller atmet.

Zwar schreien alle Babys, aber wenn das Baby besonders häufig schreit, kommt zu viel Luft in den Verdauungstrakt. Sensible Säuglinge, die mit Geräuschen „bombardiert“ werden, und zudem mit Licht, Berührungen und multiplen Erlebnissen, werden gewöhnlich „abschalten“, um die Stimulierung zu reduzieren. Babys, die schnell mit Reizen überfrachtet sind, bilden mehr Gas und haben zudem Probleme, einzuschlafen.

Da ein Baby nicht sprechen kann, ist Schreien seine einzige Möglichkeit, sich zu verständigen. Deshalb ist ein gewisses Ausmaß an Schreien normal. Das Baby zeigt damit, dass es hungrig ist, sich allein fühlt, ihm zu warm, zu kalt oder unbequem ist. Beim Schreien schlucken Babys generell Luft. Diese Luftblasen können sich im Magen stauen oder den Darm passieren. Schmerzen können direkt auf das Schlucken der Luft während des Schreiens folgen.

Natürliche Hausmittel gegen Gasbildung bei Babys

An der Brust gestillte Kinder müssen nach jeder Mahlzeit rülpsen. Bei den meisten Babys entfernt das Rülpsen beim Füttern und danach sämtliche Luftblasen. Versuchen Sie, ihr Baby während der natürlichen Pausen beim Stillen ein Bäuerchen machen zu lassen – zum Beispiel, wenn es langsamer wird, weil es die erste Brust geleert hat.

Zwar müssen einige Babys regelmäßiger zum Rülpsen gebracht werden müssen. Jedoch machen viele Eltern den Fehler, das Essen zu unterbrechen, damit das Baby rülpsen kann. Das streckt die Fütterungszeit in die Länge, frustriert ein hungriges Baby und kann dazu führen, dass das Baby hektisch Luftblasen einatmet.

Gestaute Luft verursacht unmittelbares Leiden, das Baby fühlt sich voll, ohne seine Mahlzeit beendet zu haben, oder die Luft gelangt in den Darm und verursacht Blähungen, die schmerzen.

Eine gute Möglichkeit, um dem Baby zu helfen, ist das „Fahrradfahren“ mit den Beinchen. (Bild: Oksana Kuzmina/fotolia.com)

„Fahrrad fahren“ mit Babybeinen

Übungen mit den Babybeinen, die die Bewegung des Pedaltretens nachahmen, drücken auf den Magen und helfen dem Baby, das Gas auszustoßen. Außerdem hält diese Methode das Baby glücklich, aktiv und spielerisch.

Massage mit Senföl

Eine Massage mit warmem Senföl und ein Bad in warmem Wasser kann Gasprobleme lindern. Warme Bäder machen das Baby zudem schläfrig. Massagen mit Senföl fördern die Durchblutung und machen den Körper flexibel, und so kann das Gas entweichen. Senföl stärkt außerdem die Knochen und führt zu einem ruhigen Schlaf.

Asafötida

Dieses getrocknete Gummiharz ist nützlich, um Blähungen und Magenprobleme zu beseitigen. Um es Säuglingen zu verabreichen, stellen Sie eine Paste mit Wasser und dem Harz her und reiben sie diese auf den Bauch des Kindes. Das Harz wirkt gegen Entzündungen und hilft effektiv gegen Blähungen. Es dauert allerdings einige Minuten, bis es seine Wirkung entfaltet.

Warme Kompressen

Warme Kompressen auf dem Bauch des Kindes entspannen Magen und Darm, erleichtern das Entweichen der Gase und beruhigen das Kind.

Fenchel

Fenchel ist außerordentlich zu empfehlen, wenn Babys unter Schmerzen aufgrund von Gasbildung leiden. Er fördert die Verdauung und beugt der Gasbildung vor.

Lauwarmer Fenchel-Tee aus der Flasche wirkt wohltuend bei Bauchweh und Blähungen. (Bild: Oksana Kuzmina/fotolia.com)

Basilikum

Basilikum hat sowohl antispasmische wie sedative Effekte, ausgelöst durch eine Substanz namens Eugenol. Deshalb ist Tee mit Basilikumblättern hilfreich, um Koliken zu behandeln, die dem Baby im Darmtrakt Schmerzen bereiten. Ein Teelöffel getrocknetes Basilikum in einer Tasse heißem Wasser, zehn Minuten gezogen, ist die übliche Dosis. Auch stillende Mütter können Basilikumtee trinken, um so die wohltuenden Effekte mit der Milch auf das Baby zu übertragen.

Kamillentee

Kamille wirkt antispasmisch und hilft gegen innere Krämpfe. Es hat auch einen betäubenden Effekt und hilft dem Körper, sich zu entspannen. Kamille dient in der traditionellen Medizin seit Jahrtausenden gegen Bauchschmerzen und die Geschichte der Kamille als Heilpflanze lässt sich bis ins alte Ägypten zurückverfolgen.

Pfefferminze

Mit Pfefferminze versetztes Wasser wird seit vielen Jahrhunderten gegen Koliken verwendet. Minze enthält antispasmische Stoffe, die die inneren Spasmen des Kindes lindern, welche die Koliken verursachen. Pfefferminze hilft, Blähungen und andere Verdauungsstörungen zu beheben. Sie entspannt die Muskeln im Magen und erlaubt dem schmerzenden Gas zu entweichen. Wenn Pfefferminze kombiniert wird mit Kamille und Fenchel als Kräutertee, hilft es noch besser gegen Koliken.

Kolikwasser

Kolikwasser ist ein natürliches, sehr schnell wirkendes Hausmittel bei Blähungen und Koliken. Wir stellen es mit natürlichen Pflanzen wie Ingwer und Fenchel her. Diese werden lediglich in das Wasser gelegt und ziehen dort circa zehn Minuten. Außer gegen Koliken hilft es auch gegen Zahnschmerzen und Blähungen.

Die Mutter sollte aber aufpassen, dem Baby nicht zu viel zu geben, denn im Körper gestautes Kolikwasser zieht Bakterien an, die Krankheiten auslösen können. (Dr. Utz Anhalt)

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