Blasenschmerzen – Ursachen, Symptome und Therapie

Blasenentzündung ist eine häufige Ursachen von Blasenschmerzen. Bild: absolutimages - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Wenn die Blase schmerzt, merken wir das meist direkt über dem Schmambein, oder, wesentlich unangenehmer, im gesamten Unterleib. Blasenschmerzen können unterschiedliche Gründe haben. Ebenso ist die Behandlung der Beschwerden vielfältig.

Die Blase liegt auf dem Beckenboden und sammelt den Urin. Bei mehr als 350 Millilitern spüren wir den Harndrang, jedoch speichert eine gesunde Blase auch bis zu einem Liter. Die Blase ist unterteilt in Blasenkörper, Blasenhals und Blasengrund.

Die Harnblase des Menschen. Bild: bilderzwerg - fotolia
Die Harnblase des Menschen. Bild: bilderzwerg – fotolia

Ein Harnleiter verbindet die Blase mit den Nieren, deren Abfallprodukte mit dem Urin in die Blase gelangen, um sie von dort über die Harnröhre zu entsorgen.

Die Blase funktioniert wie ein Luftballon. Wenn der Urin sie füllt, wird sie zur Kugel. Glatte Muskeln machen sie sehr dehnfähig.

Blasenschmerzen gehen einher mit einem brennenden Gefühl beim Pinkeln, Ist die Blase entzündet, fühlen wir auch bei geringen Mengen von Urin einen starken Druck, uns zu entleeren.

Ursachen

Blasenschmerzen lassen sich einfach diagnostizieren. Blut- und Urinuntersuchungen klären die Ursachen in vielen Fällen. Bleibt die Ursache unklar, hilft Ultraschall.

Häufig löst eine Blasenentzündung die Schmerzen aus. Wenn wir ständig auf Toilette müssen und das Pinkeln weh tut, ist eine solche Entzündung wahrscheinlich.

Blasenentzündung ist eine häufige Ursachen von Blasenschmerzen. Bild: absolutimages - fotolia
Blasenentzündung ist eine häufige Ursachen von Blasenschmerzen. Bild: absolutimages – fotolia

Frauen leiden besonders oft unter einer Blasenentzündung, vor allem in den Wechseljahren und während einer Schwangerschaft. Die Blase reagiert sensibel auf Kälte, und wir ziehen uns schnell eine Blasenentzündung zu, wenn wir auf kalten Flächen sitzen oder kalte Füße haben. Die Nerven, die die Blase versorgen, sitzen nämlich auch unter den Fußsohlen.

Blasensteine verursachen ebenfalls Schmerzen in der Blase und Beschwerden beim Wasserlassen. Eine so genannte Reizblase erhöht das Risiko von Blasenentzündungen und Blasensteinen.

Entzündet sich die Vagina oder die Gebärmutter, führt dies ebenfalls zu Schmerzen in der Blase. Auch eine nach unten gesenkte Gebärmutter zeigt sich in Problemen mit der Blase.

Männer, die unter Prostataproblemen leiden, sei es eine vergrößerte Prostata, Prostatakrebs oder eine entzündete Prostata, haben ebenfalls Beschwerden beim Wasserlassen und starke Schmerzen in Blase und Unterleib.

Krebs erfasst auch die Blase selbst, und das zeigt sich in brennenden Schmerzen, die chronisch werden.

Blasenentzündungen

Blaseninfektionen sind Entzündungen der Harnwege durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze. Diese Keime gelangen in der Regel von außen in die Blase, entzünden sie und reizen die Blasenwand. Wie bei der „Erkältung“ ist Kälte nicht die Ursache, aber Unterkühlung und ein labiles Immunsystem helfen den Erregern beim Eindringen.

Schwierig wird es, wenn die Betroffenen unter Risikofaktoren leiden, die die Infektion fördern.

Das sind:

1) Eine generelle Schwäche des Immunsystems

2) Harnstau bei vergrößerter Prostatat, Harnröhrenverengung, Harnsteinen oder Blasentumoren

3) Rückfluss von Urin aus der Blase in den Harnleiter

4) Nervenstörungen, die dazu führen, das das System Blase nicht mehr funktioniert

5) Wiederkehrende Blasenentzündungen

6) Schwangerschaft und Wechseljahre

7) Vorerkrankungen wie Diabetes

8) Dauerkatheder reizen die Blase permanent und verbinden sie mit der bakterienreichen Außenwelt.

Ohne diese Basisbeschwerden helfen Hausmittel. Generell sollten wie eine entzündete Blase warmhalten und Blasen- wie Nierentees trinken.

Ursachen

Die Hauptverantwortlichen für Blasenentzündungen sind Escherichia coli Bakterien. Diese Bakterien gehören zur natürlichen Lebensgemeinschaft des Darms. Meist infizieren wir uns selbst: Säubern wir den After nach dem Toilettengang von hinten nach vorne statt von vorne nach hinten, können die Bakterien vom After in die Harnröhre und in die Blase gelangen. Dies geschieht aus anatomischen Gründen bei Frauen einfacher als bei Männern.

Säubern wir uns nach dem Stuhlgang gar nicht oder unzureichend, verbreiten sich die Bakterien ebenfalls. Menschen, die sich nicht selbst säubern können wie Kranke oder Säuglinge, brauchen auch aus diesem Grund regelmäßig frische Windeln.

Auch beim Analverkehr und Wechsel vom Anal- zum Vaginalverkehr sollten wir unbedingt auf Sauberkeit achten.

Allerdings können auch eine Menge anderer Erreger eine Blasenentzündung auslösen: Staphylokokken, Streptokokken, Klebsiellen oder Candida albicans.

Blasenentzündungen sind häufig bei Stoffwechselstörungen, häufigem Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft: Bei einer Schwangerschaft weiten sich nämlich die Harnwege und öffnen sich so für Bakterien.

Folgen einer Blasenentzündung

Steigt die Entzündung über die Harnleiter auf, kann sie sich zu einer Nieren- und Nierenbeckenentzündung ausweiten und chronische Nierenschäden auslösen. In der Schwangerschaft kann eine Blasenentzündung vorzeitige Wehen verursachen und so zu einer Früh- oder sogar Fehlgeburt führen.

Deshalb gibt es für Schwangere einen Urintest, um eine Blasenentzündung frühzeitig zu erkennen.

Wann ist der Arzt gefragt?

Eine leichte Blasenentzündung ist kein Grund zum Arzt zu gehen. Sie ist nicht gefährlicher als eine Erkältung und geht vorüber, wenn wir die Blase warm halten und viel trinken.

Wir sollten aber unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn die Schmerzen länger als drei Tage anhalten, sich Blut im Urin befindet, wir fiebern, die Blasenentzündung immer wieder kommt, wir schwanger sind, unser Immunsystem geschwächt ist oder wir unter Diabetes leiden.

Diagnose

Der Arzt fragt zuerst nach den genauen Beschwerden und nimmt eine Urinprobe. Deshalb sollten wir den Intimbereich waschen, bevor wir zum Arzt gehen. Wir lassen etwas Urin in einem sauberen Becher ab, allerdings weder die ersten noch die letzten Tropfen, sondern den so genannten Mittelstrahl. Das heißt, wir pinkeln erst nach einigen Sekunden in den Becher.

Der Arzt erkennt in einem Harnstreifentest, welche Stoffe der Urin enthält. Weiße Blutkörperchen zeigen nämlich, ob eine Entzündung vorliegt. Sie sind die „Krieger“ unseres Immunsystems und sammeln sich dort, wo Keime eingedrungen sind, um diese zu bekämpfen. Nitrit sondern Bakterien ab. Da es sich gewöhnlich nicht im Urin befindet, ist der Stoff ein Indikator dafür, dass sich Keime angesiedelt haben.

Eine Laboruntersuchung zeigt, wie viele Bakterien sich im Harn aufhalten. Hält die Entzündung an, muss der Arzt Antibiotika verschreiben. Dazu züchtet er einen Bakterienstamm und ermittelt, welche Antibiotika am besten gegen die Plagegeister wirken.

Ist die Blasenentzündung kompliziert, dann ist eine Ultraschalluntersuchung nötig. Mit ihr erkennt der Arzt, ob sich die Nieren oder Harnwege oder Nieren verändern, was passiert, wenn die Prostata sich vergrößert, ein Tumor wächst oder Blasensteine den Harnfluss blockieren.

Der Arzt untersucht auch den Restharn und stellt so fest, ob Urin in der Blase zurück bleibt. Wenn sich zu viel Urin in der Blase staut, deutet das auf eine Entleerungsstörung.

Liegt der Verdacht auf eine komplizierte Blasenentzündung vor, ist der Urologe gefragt. Der untersucht mit Röntgen und misst den Harnfluss und erkennt so, ob de Urin in den Harnleiter zurück fließt.

Bei Verdacht auf Blasenkrebs führt der Facharzt ein Endoskop in die Blase ein. Er sieht so die Blase von innen und sieht, ob Tumore wachsen.

Hausmittel

Eine leichte Blasenentzündung können wir mit einfachen Mitteln selbst behandeln. Eine Wärmflasche, warme Sitz- oder Vollbäder und feuchtwarme Umschläge am Unterleib lindern die Symptome, denn sie entspannen die Blasenmuskeln. Viel Trinken von Kräutertees und Wasser wird empfohlen. Dadurch wird die Blase „gespült“. Auch die Toilettengänge sind dann weniger schmerzvoll. In der Apotheke gibt es spezielle „Blasentees“ zu kaufen.

Spezielle Kräutertees bei leichten Infekten spülen und bekämpfen die Erreger. Bild: Heike Rau - fotolia
Spezielle Kräutertees bei leichten Infekten spülen und bekämpfen die Erreger. Bild: Heike Rau – fotolia

Bakterien als Ursache von Schmerzen der Blase

Sind Bakterien die Ursache, dann verschreibt der Arzt Antibiotika wie Cotrimoxazol, Fosfomycin oder Nitrofurantonin.

Wie bei allen Antibiotika sollten sie diese nicht zu früh absetzen, auch wenn die Symptome sich verbessern. In der Regel nehmen die Schmerzen bereits nach einem Tag ab.

Kehren die Schmerzen immer wieder, sind die Bakterien gegen das gewählte Antibiotikum möglicherweise resistent. Dann müssen die Ärzte ein neues Antibiogramm entwerfen, also alternative Antibiotika einsetzen.

Vorsorge

Gegen leichte Blasenentzündungen können wir uns einfach schützen.

1) Ausreichend trinken. Wenn wir die Blase mit Flüssigkeit versorgen, spült sie die Erreger mit dem Urin hinaus.

2) Nicht erst auf Toilette gehen, wenn sich die Blase prall gefüllt hat. Das hilft auch als „Notfallprogramm“, wenn wir, zum Beispiel auf Reisen, die übliche Intimhygiene nicht einhalten oder die Unterwäsche nicht täglich wechseln können.

3) Von vorne nach hinten säubern und nicht umgekehrt. So verhindern wir, dass Bakterien aus dem Darm in die Harnröhre kommen.

4) Unterwäsche aus Baumwolle tragen, diese regelmäßig wechseln und bei 60 Grad waschen.

5) Die Genitalien regelmäßig mit warmem Wasser waschen.

6) Kondome schützen vor Bakterien, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Allerdings sollten wir sie wechseln, insbesondere nach dem Analverkehr.

7) Füße warm halten und feuchte Unterwäsche wechseln, besonders nach dem Schwimmen, um eine Unterkühlung zu vermeiden.

8) Cranberries helfen gegen Kolibakterien

Chronische Blasenentzündung

Wenn wir ständig unter Blasenschmerzen leiden, ohne dass uns Keime im Urin zu schaffen machen, bezeichnen die Ärzte das als Reizblase. Diese kann verschiedene Ursachen haben, und diese bleiben oft nach jahrelangen Untersuchungen unbekannt.

Eine Blasenspiegelung ist angesagt, da die chronischen Beschwerden Anzeichen für einen Tumor sein können. (Dr. Utz Anhalt) 

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