Brustschmerzen: Schmerzen in der Brust

Fabian Peters

Schmerzen in der Brust

Brustschmerzen sind ein durchaus verbreitetes Beschwerdebild, bei dem die meisten Menschen unwillkürlich an eine Herzerkrankung denken. Doch auch Verspannungen, Erkrankungen der Atemwege, des Magens und der Speiseröhre können sich als Schmerzen in der Brust bemerkbar machen. Bei starken und/oder wiederkehrenden Brustschmerzen sollte dringend eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um schwerwiegendere Gesundheitsrisiken auszuschließen.

Inhaltsverzeichnis:
Definition Brustschmerzen
Brustschmerzen als Symptom
Ursachen der Brustschmerzen
Diagnose bei Schmerzen der Brust
Behandlungsmöglichkeiten bei Brustschmerzen

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Definition Brustschmerzen

Brustschmerzen bezeichnen ein weites Feld möglicher schmerzhafter Beschwerden im Brustbereich. Zahlreiche Faktoren können diese bedingen, wobei jedoch zwischen Brustschmerzen, die sowohl Männer und Frauen betreffen, und Schmerzen, die ausschließlich in der weiblichen Brust auftreten (beispielsweise Milchstau bei stillenden Müttern), zu unterscheiden ist. Dieser Artikel befasst sich mit den nicht-geschlechtsspezifischen Brustschmerzen, die in der medizinischen Fachliteratur auch unter dem Begriff Thoraxschmerzen zusammengefasst werden.

Bestimmte Formen der Brustschmerzen betreffen ausschließlich Frauen, doch Thoraxschmerzen sind auch bei Männer ein durchaus verbeitetes Beschwerdebild. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Brustschmerzen als Symptom

Die Brustschmerzen können in unterschiedlicher Intensität und Lokalisation auftreten. Manche Patienten leiden unter stechenden, ziehenden Schmerzen auf lediglich einer Seite des Brustkorps, andere haben eher punktuelle Beschwerden im zentralen Brustkorbbereich und wieder andere leiden unter Schmerzen, die vom Zentrum her nahezu in den gesamten Brustkorb ausstrahlen. Das Auftreten der Brustschmerzen ist in erster Linie abhängig von den Ursachen der Beschwerden. So werden Beeinträchtigungen der Muskulatur, wie beispielsweise eine Myogelose, eher als punktueller Druckschmerz im Brustbereich wahrgenommen, während bei Lungenerkrankungen ein Atem-abhängiger Schmerz den gesamten Brustkorb durchzieht. Brustschmerzen, die auf eine Erkrankung der Speiseröhre zurückgehen, äußern sich in der Regel als brennender Schmerz im zentralen Brustbereich hinter dem Brustbein.

Sind Beeinträchtigungen des Skelettsystems Ursache der Brustschmerzen, so werden die Schmerzen häufig entlang einer Rippe oder punktuell als Druckschmerz an den Knorpelansätzen wahrgenommen. Bilden Erkrankungen des Herzens wie die Koronare Herzkrankheit oder gar ein Herzinfarkt den Auslöser der Brustschmerzen, so strahlen die Schmerzen vom zentralen Brustbereich oft auch in Hals, Rücken, Schulter, Bauch und die Arme aus. Bei einem Herzinfarkt sprechen Betroffene von einem vernichtenden Schmerz, der mit einem Engegefühl im Brustkorb, Atemnot, Schweißattacken und Todesangst einhergeht. Begleitet werden die Herzschmerzen oft von Herzrasen und Herzstolpern beziehungsweise Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern. Die einsetzende Panik der Patienten kann hier durchaus verstärkend auf die Symptome wirken.

Letztendlich lassen sich anhand der Symptomatik bereits einige Rückschlüsse auf die zugrundeliegende Erkrankung der Brustschmerzen ziehen, wobei die Begleitsymptome wichtige Anhaltspunkte für die Diagnose liefern. Werden die Schmerzen in der Brust beispielsweise von Husten begleitet, so spricht einiges für eine Erkrankung der Atemwege als Auslöser.

Ursachen der Brustschmerzen

Ursache der Brustschmerzen können zum Beispiel Lungenkrankheiten wie Tuberkulose, eine Lungenembolie oder Lungenkrebs sein. Auch eine Brustfellentzündung führt mitunter zu massiven Brustschmerzen. Entzündungen der Speiseröhre sind als weiterer möglicher Auslöser für ein schmerzhaftes Stechen in der Brust zu nennen. Zudem kann das sogenannte Roemheld-Syndrom, eine Magenerkrankung, bei der Gasansammlungen im Darm und im Magen zu Herzbeschwerden führen, die Brustschmerzen bedingen. Des weiteren sind Fehlstellungen der Wirbelsäule unter Umstände mit Schmerzen im Brustbereich verbunden. Auch Frakturen oder Prellungen der Rippen führen zu heftigen Brustschmerzen. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie eine Arterienverkalkung und die Koronare Herzkrankheit sind ebenfalls mögliche Auslöser der Beschwerden. Schlimmstenfalls können die Brustschmerzen zudem auf einen Herzanfall beziehungsweise Herzinfarkt zurückgehen.

Zwar befürchten viele Betroffene bei Brustschmerzen umgehend eine Herzerkrankung als Auslöser, doch oft sind lediglich Verspannungen Ursache der Beschwerden. Können die oben beschriebenen Erkrankungen im Zuge der ärztlichen Diagnose ausgeschlossen werden, lohnt sich daher eine genauere Untersuchung der Muskulatur. So sind die Brustmuskeln – Musculus pectoralis major (Großer Brustmuskel) und Musculus pectoralis minor (Kleiner Brustmuskel) – bei vielen Menschen aufgrund der ungünstigen Körperhaltung im Alltag verspannt. Hier führt zum Beispiel das Sitzen am Computer mit leicht nach vorne geneigten Schultern zu einer Fehlbelastung der Muskulatur. Zudem kann auch übermäßiges Training der Brustmuskulatur die Brustschmerzen bedingen. Beispielsweise neigen Bodybuilder oft zu einem vermehrten Training der Brustmuskeln und vernachlässigen dabei die Rückenmuskulatur als deren Gegenspieler. Die Brustmuskeln verspannen und reagieren zunehmend druckempfindlich. Auch kann das exzessive Krafttraining schmerzhafte Reizungen im Bereich der Muskelansätze am Brustbein bedingen.

Zeigt sich eine druckschmerzhafte Schwellung im Bereich des Brustbeinansatzes auf Höhe der zweiten und dritten Rippe ohne begleitende Entzündungserscheinungen, so ist in der medizinischen Fachwelt vom sogenannten Tietze-Syndrom die Rede. Dessen Ursachen sind bis heute nicht abschließend geklärt, die Beschwerden heilen jedoch meist nach einigen Monaten wieder vollständig ab.

Nervenschmerzen entlang der Zwischenrippennerven werden von den Betroffenen ebenfalls als Brustschmerzen wahrgenommen. Die Schmerzen steigern sich typischerweise beim Husten oder Lachen und ziehen sich gürtelartig entlang der Rippen. Diese als Interkostalneuralgie bezeichneten Nervenschmerzen gehen meist auf eine Erkrankung der Lunge, Wirbelsäule, Rippen oder des Rippenfells zurück. Allerdings kann auch eine Gürtelrose (Herpes Zoster) die Beschwerden bedingen. Schließlich kommt auch eine sogenannte Herzneurose in Betracht, wenn alle anderen organischen Ursachen durch verschiedene Ärzte ausgeschlossen wurden. Betroffene fixieren ihre Aufmerksamkeit auf das körperliche Geschehen im Bereich der Brust. Jede Abweichung und jedes leichte Stechen wird als starker Schmerz empfunden. In der Medizin wird diese Form von Schmerzen auch unter der Bezeichnugen Funktionelle Herzbeschwerden zusammengefasst.

Diagnose bei Schmerzen der Brust

Am Anfang der ärztlichen Untersuchung sollte eine ausführliche Anamnese stehen, bei der die Patienten nicht nur zu dem Auftreten, der Dauer, Intensität und Lokalisation der Brustschmerzen befragt werden, sondern auch über mögliche Vorerkrankungen berichten. Hier ergeben sich idealerweise bereits erste Hinweise darauf, welche Ursache die Brustschmerzen haben. Zudem lässt sich bei Rippenprellungen beziehungsweise -frakturen und Beeinträchtigungen der Brustmuskulatur durch Abtasten des Brustkorbbereichs meist schon eine relativ zuverlässige Diagnose stellen. Bei anderen Grunderkrankungen werden weitere Diagnosemethoden, wie beispielsweise eine Blutuntersuchung oder bildgebenden Verfahren (Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Ultraschall) fällig. Gehen die Brustschmerzen auf eine Erkrankung des Herzens zurück, so lässt sich dies mit Hilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) feststellen.

Insbesondere bei einem Herzinfarkt bleibt in der Regel nur wenig Zeit für eine Diagnose, so dass hier die richtige Deutung der oben beschriebenen Symptome besonders wichtig ist. Zunächst muss das Leben der Patienten gerettet werden, bevor Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen können. Typische Hinweise auf einen Herzinfarkt sind heftige stechende Brustschmerzen im zentralen Brustkorbbereich, die in den linken Arm ausstrahlen. Manche Patienten beschreiben den Schmerz auch so: „Als würde eine große Last auf der Brust liegen“. Doch nicht alle Patienten zeigen entsprechende Beschwerden. Eine Kontrolle des Puls und Blutdrucks sowie das Abhören des Brustkorbs mittels Stethoskops müssen hier im Notfall als Basis für erste Gegenmaßnahmen ausreichen. Ein Anzeichen ist zum Beispiel der Abfall der Blutdrucks. In jedem Fall sollte der Notruf verständigt werden, da bei einem Infarkt jede Minute zählt, um Leben zu retten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Brustschmerzen

Entsprechend den unterschiedlichen Grunderkrankungen, die als Auslöser der Brustschmerzen in Betracht kommen, sind zahlreiche verschiedene Therapien verfügbar, die zum Teil in Behandlungsleitlinien dargestellt werden. Bei Erkrankungen der Lunge, der Speiseröhre oder des Magens als Ursache der Beschwerden, sind die therapeutischen Maßnahmen meist relativ eindeutig festgelegt und versprechen in der Regel eine zuverlässige Behandlung. Mit Behandlung der Grunderkrankungen verschwinden so schließlich auch die Brustschmerzen. Lungenkrebs bildet hier eine Ausnahme, da die Heilungschancen auch auf dem Stand neuester medizinischer Erkenntnisse eher gering ausfallen.

Bei einem Herzinfarkt spielt die medizinische Erstversorgung eine besondere Rolle. Ist bereits ein Herzstillstand eingetreten, sollte umgehend eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgen. Mittels Defibrillatoren kann von den Rettungskräften auch ein bestehendes Kammerflimmern gestoppt und der Herzrhythmus wieder stabilisiert werden. Anschließend ist die Einleitung einer Lysetherapie oder einer Katheterbehandlung vorgesehen, um die Blutversorgung des Herzens wieder im erforderlichen Maße sicherzustellen. Die medikamentöse Behandlung eines Herzinfarkt basiert in der Regel zunächst auf der Verabreichung eines Nitroglycerin-Sprays und von Morphinpräparaten zur Schmerzlinderung. Darüber hinaus kommt eine breite Mischung weiterer Präparate zum Einsatz, die – je nach individuellen Krankheitsbild – zum Beispiel den Blutfluss erleichterten, Schmerzen beheben oder zur Beruhigung dienen sollen. Des Weiteren ist unter Umständen ein operativer Eingriff erforderlich, um beispielsweise einen Bypass zu legen oder einen Herzschrittmacher zu implantieren.

Gehen die Brustschmerzen vom Skelettsystem oder der Muskulatur aus, bieten Behandlungsmethoden wie Krankengymnastik, Massage, Akupunktur oder die Osteopathie vielversprechende Therapieansätze. Auch stehen einige homöopathische Mittel und die sogenannten Schüssler Salze zur naturheilkundlichen Behandlung von Verspannungen im Brustkorbbereich zur Verfügung. Die Auswahl der geeigneten Präparate sollte jedoch dringend erfahrenen Therapeuten überlassen werden. Eine begleitende Ernährungstherapie kann der möglicherweise bestehenden Übersäuerung des Organismus entgegenwirken und so die Behandlung muskelbedingter Brustschmerzen positiv unterstützen. Einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt wird in der Naturheilkunde bei der Vermeidung von Muskelbeschwerden allgemein eine hohe Bedeutung zugeschrieben. (fp)