Daumenschmerzen: Ursachen, Erkrankungen und Behandlung

Fabian Peters

Schmerzen am Daumen

Daumenschmerzen können eine erhebliche Beeinträchtigung im Alltag darstellen, da der Daumen eine besondere Funktion beim Greifen übernimmt. Seine Sonderstellung spiegelt sich auch in der besonderen Beweglichkeit des Daumens und dem gegenüber anderen Fingern vergrößerten Hirnareal wider, das für die Koordination und Sensorik des Daumens verantwortlich ist.

Definition

Daumenschmerzen beschreiben allgemein sämtliche schmerzhaften Beschwerden im Bereich zwischen dem Daumensattelgelenk und der Daumenspitze. Dieser Artikel konzentriert sich jedoch auf Daumenschmerzen, die von Verletzung und Erkrankungen der Knochen, Sehnen, Muskeln, Bänder oder Gelenke ausgehen. Oberflächliche Verletzungen, wie beispielsweise durch Verbrennungen oder Schnittwunden, werden hier nicht berücksichtigt.

Daumenschmerzen können zum Beispiel als punktueller Schmerz im Bereich des Daumensattelgelenks oder als ein heftiges Ziehen im ganzen Finger wahrgenommen werden. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Schmerzen am Daumen: Symptome

Daumenschmerzen können sich zum Beispiel als punktueller Schmerz im Gelenk, schmerzhafte Schwellung mit deutlichem Druckschmerz oder ziehender Schmerz, der unter Umständen bis in den Unterarm reicht, äußern. Oft ist zudem die Bewegungsfähigkeit des Daumen eingeschränkt und die Betroffenen haben Probleme beim Zugreifen. So lassen sich beispielsweise Flaschen und Gläser nur schwer halten und auch ein Schraubverschluss bereitet erhebliche Schwierigkeiten.

Als Begleitsymptome können abhängig von den Ursachen der Beschwerden zum Beispiel ein vermehrtes Einschlafen der Hände, Unterarmschmerzen, Nackenverspannungen oder Rückenschmerzen auftreten.

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Erkrankungen als Ursache von Daumenschmerzen

Die möglichen Ursachen der Schmerzen am Daumen reichen von Frakturen und Bänderrissen über akute Entzündungen und Nervenleiden bis hin zu chronischen Gelenk- und Knochenerkrankungen. Entsprechend den unterschiedlichen Auslösern der Beschwerden, kann sich auch die Symptomatik deutlich unterscheiden.

Verstauchungen, Frakturen und Bänderrisse

Bei Unfällen oder anderen erhöhten Krafteinwirkungen können die Hand- und Fingerknochen gestaucht werden oder brechen, was zu einer schmerzhaften Schwellung und einer eingeschränkten Beweglichkeit führt. Brüche, die Daumenschmerzen bedingen, sind neben Frakturen im direkten Bereich des Daumens zum Beispiel sogenannte Bennett-Frakturen. Dieser Bruch an der Basis des ersten Mittelhandknochens verursacht in der Regel einen ziehenden Schmerz bis in das Daumensattelgelenk.

Bei einem Kahnbeinbruch ist das Zugreifen in der Regel ebenfalls mit erheblichen Schmerzen verbunden und die Beweglichkeit des Daumens deutlich eingeschränkt. Die meisten Betroffenen haben Schwierigkeiten, Zeigefinger und Daumen zusammenzuführen. Angesichts der Schmerzen gelingt einigen selbst diese einfache Bewegung nicht.

Infolge eines Kahnbeinbruchs treten meist starke Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Daumens auf. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Eine Ruptur des Seitenbandes am Daumen (Skidaumen) kann eine Schwellung und massive Schmerzen im Bereich des Daumens bedingen. Meist ereignet sich dieser Bänderriss bei einem Sturz auf die Hand. Der Daumen wird durch die Belastung zu stark abgespreizt und das Seitenband reist. Gelegentlich geht die Ruptur auch mit der Absplitterung eines kleinen Knochenfragments einher.

Schmerzen im Daumen durch Gelenkerkrankungen

Verschiedene Erkrankungen können zu Gelenkschmerzen im Bereich des Daumens führen. Hier ist an erster Stelle die Arthrose zu nennen. Betrifft der Gelenkverschleiß das Daumensattelgelenk, wird dies als Rhizarthrose bezeichnet. Die Betroffenen empfinden bei bestimmten Bewegungen tiefliegende Daumenschmerzen im Bereich des Gelenks.

Einen ähnlichen Schmerz verursachen akute Entzündungen der Gelenke, wie beispielsweise eine Reaktive Arthritis oder eine chronische Polyarthritis. Die reaktive Arthritis geht dabei in der Regel auf eine bereits überstandene bakterielle Infektionskrankheit des Darm- oder Harntraktes zurück. Die auch als Morbus Reiter oder Reitersche-Krankheit bekannte reaktive Arthritis folgt im Anschluss an die eigentliche Infektion.

Begleitend zu den Schmerzen im Daumen sind bei derartigen Fällen weitere Beschwerden wie beispielsweise eine Bindehautentzündung und/oder eine Harnröhrenentzündung zu beobachten. Die betroffenen Gelenke erscheinen – wie auch bei den übrigen Arthritis-Formen – gerötet, erwärmt und geschwollen.

Die chronische Polyarthritis (auch rheumatoide Arthritis) ist eine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen. Im Zuge der Krankheit führt die chronische Gelenkentzündung zu einer irreversiblen Zerstörung des Gelenks. Die Fingergrundgelenke und Handwurzelknochen erscheinen deutlich verschoben und die Gelenke schmerzen massiv.

Eine Arthritis kann allgemein auch durch Bakterien und Pilze ausgelöst werden, die über offene Wunden oder die Blutbahn in das Gelenk gelangen. Schlimmstenfalls droht in Folge der bakteriellen beziehungsweise mykogenen Gelenkentzündung eine Blutvergiftung, weshalb hier dringend therapeutische Gegenmaßnahmen erforderlich sind.

Gicht ist eigentlich ein Stoffwechselkrankheit und keine unmittelbare Gelenkerkrankung. Da sich im Zuge der Gicht jedoch vermehrt Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern, werden letztere in ihrer Funktion deutlich beeinträchtigt und schmerzen bei Bewegung. Die übrigen Schädigungen des Organismus in Folge der Gicht verlaufen meist relativ schmerzfrei, so dass die Gelenkschmerzen als Leitsymptom der Erkrankung gelten.

Gicht kann als akuter Anfall auftreten oder einen chronischen Verlauf annehmen. Plötzlich, ohne erkennbaren Grund einsetzende Gelenkschmerzen, begleitet von Rötungen und Schwellungen der Gelenke, sind ein mögliches Anzeichen für einen akuten Gichtanfall. Fieber kann dabei als Begleitsymptom auftreten.

Eine Sehnenscheidenentzündung des Daumens entsteht meist durch Überlastung der Hände und ständig wiederkehrende, monotone Bewegungen. (Bild: structuresxx/fotolia.com)

Daumenschmerzen durch Sehnenscheidenentzündungen

Besondere Formen der Sehnenscheidenentzündung können ebenfalls Auslöser der Beschwerden sein. Die sogenannte Quervain-Krankheit (Tendovaginitis de Quervain) beschreibt eine Reizung der Sehnen der Daumenmuskeln (Musculus abductor pollicis longus und des Musculus extensor pollicis brevis). Meist ist eine Überlastung durch häufige Bewegung dabei Ursache der Daumenschmerzen.

Die anlagebedingte Erkrankung Tendovaginitis stenosans, bei der die Beugemuskeln beziehungsweise -sehnen des Daumen in ihrer Funktion beeinträchtigt sind, kann in seltenen Fälle ebenfalls mit Schmerzen im Daumen verbunden sein.

Überbeine und weitere Ursachen für Daumenschmerzen

Bildet sich im Bereich des Daumens ein Überbein, kann dieses auf die umliegenden Bänder, Muskeln und Nerven drücken und auf diese Weise Schmerzen im Daumen bedingen.

In seltenen Fällen führt auch das Repetitive Strain Injury-Syndrom (sogenannter Mausarm) zu einem schmerzhaften Kribbeln im Daumenbereich. Die ständige Wiederholung bestimmter Bewegungen führt dabei zu Beschwerden, die von den Fingern bis in den Schulter-, Nacken- und Rückenbereich reichen können. Werden die versorgenden Nerven der Daumenmuskeln beispielsweise im Zuge eines Karpaltunnelsyndroms eingeklemmt, kann dies ebenfalls Empfindungsstörungen im Bereich des Daumens hervorrufen, die mitunter schmerzhaft wahrgenommen werden.

Eine weitere mögliche Ursache ist die aseptische Knochennekrose Morbus Preiser, bei der das Kahnbein langsam zerstört wird. In seltenen Fällen gehen die Daumenschmerzen auf ein Enchondrom (gutartiger Tumor aus Knorpelgewebe) zurück.

Diagnosestellung

Anhand der Beschreibung des Beschwerdebildes lassen sich in der Regel bereits Rückschlüsse auf die möglichen Ursachen der Daumenbeschwerden ziehen. Verstauchungen, Frakturen und Bänderrisse sind aufgrund der deutlichen großflächigen Schwellung im Daumen und Handbereich zu erahnen, es Bedarf jedoch einer Kontrolle des Befundes mit Hilfe bildgebender Verfahren (Ultraschall oder Röntgenaufnahmen), um die Diagnose einzugrenzen.

Die bildgebenden Untersuchungsmethoden werden ebenfalls zur Untersuchung bei Verdacht auf eine Gelenkerkrankung eingesetzt, wobei hier auch die Magnetresonanztomographie und die Computertomographie eine wichtige Rolle spielen. Morbus Peiser und möglicherweise bestehende Ganglione oder Enchodrome werden mit den bildgebenden Diagnoseverfahren ebenfalls sichtbar. Eine Sehnenscheidenentzündung lässt sich im Zweifelsfall mit Hilfe der Sonographie (Ultraschall) eindeutig feststellen.

Eine Laboruntersuchung von Blutproben kann weitere wichtige Hinweise zur Diagnosestellung liefern. So lässt sich beispielsweise anhand einer Blutuntersuchung bei Gicht ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut nachweisen und bei Arthritis sind deutliche erhöhte Entzündungswerte im Blut zu erkennen.

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Die Daumenschmerzen lassen sich in den meisten Fällen mit Hilfe der Physiotherapie erfolgreich behandeln. (Bild: apops/fotolia.com)

Behandlung von Schmerzen im Daumen

Gehen die Fingerschmerzen auf eine Verstauchung, Fraktur oder einen Bänderriss zurück, ist vor allem eine Ruhigstellung mit Hilfe eines Gipses oder einer Orthese beziehungsweise Schiene erforderlich. Gebrochene Knochen müssen unter Umständen zuvor gerichtet werden, damit sie wieder angemessen zusammenwachsen können. Ist die akute Verletzung verheilt, empfiehlt sich Krankengymnastik für eine vollständige Rehabilitation. Bei einer Ruptur wachsen die Bänder jedoch unter Umständen nicht wieder richtig zusammen, so dass im Zweifelsfall eine Operation erforderlich wird, um eine Seitenbandruptur am Daumen zu beheben.

Ähnlich wie auch bei einer Sehnenscheidenentzündung erfolgt bei einer Rhizarthrose zunächst normalerweise eine Ruhigstellung, um ein Abklingen der entzündlichen Prozesse zu ermöglichen. Kühlenden Umschläge sowie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente sollen ebenfalls zur Linderung beitragen. Geht die Rhizarthrose im Zuge der konventionellen Behandlung nicht zurück, besteht die Möglichkeit einer Operation, wobei zum Beispiel das Gelenk gerichtet oder durch die Implantation einer Gelenkprothese ersetzt werden kann.

Bei Arthritis in Folge einer bakteriellen Infektion, wird ebenfalls ein chirurgischer Eingriff erforderlich, bei dem das befallene Gewebe entfernt wird, um eine Blutvergiftung zu vermeiden. Die Behandlung einer chronischen Polyarthritis erfolgt in der Regel medikamentös mit Schmerzmitteln, entzündungshemmenden Arzneien und Antirheumatika. Schreiten die Schädigungen der Gelenke zu weit voran, ist auch hier eine Operation mit Korrektur oder Ersatz des Gelenkes möglich.

Ein akuter Gichtanfall wird meist mit entzündungshemmenden Präparaten wie Cortisol oder NSAR therapiert. Um eine Verschlechterung der Symptome und die Entwicklung einer chronische Gicht zu vermeiden, raten viele Therapeuten begleitend zu einer Umstellung der Ernährung auf purinarme Kost. Auch können Medikamente zur Hemmung der Harnsäureproduktion (Urikostatika) zu Einsatz kommen.

Naturheilkunde bei Daumenschmerzen

Als alternative Behandlungsmethoden gegen Daumenschmerzen sind aus dem Bereich der manuellen Therapie vor allem die Osteopathie und das Rolfing zu nennen. Diese Verfahren betrachten nicht nur den Daumen und das umliegende Gewebe, sondern gehen gemäß ihrem ganzheitlichen Ansatz auch anderen Beschwerden, die im Zusammenhang mit den Schmerzen stehen könnten, nach. Zu diesen zählen beispielsweise Nackenverspannungen, Rückenschmerzen oder Schulterprobleme. Massagen und Akupunktur können insbesondere bei zugrunde liegenden Beschwerden der Muskeln und Bänder eine Linderung der Daumenschmerzen verschaffen.

Eine Behandlung mit Akupunktur kann dazu beitragen, die Schmerzen im Daumen zu lindern. (Bild: Alfred Wekelo/fotolia.com)

Bei Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder Arthritis stehen unterschiedliche naturheilkundliche Behandlungsansätze zur Verfügung, die neben den manuellen Therapien auch pflanzenheilkundliche Behandlungen auf Basis von Extrakten oder Urtinkturen aus Teufelskralle, Brennnesseln und Weide umfassen. Des Weiteren soll eine möglicherweise bestehende Übersäuerung des Körpers behoben beziehungsweise der Säure-Basen-Haushalt ausgeglichen werden.

Heilfasten als äußerst effektive Methoden zur Linderung der Beschwerden einer rheumatoiden Polyarthritis. Schüssler Salze und homöopathische Mittel können ergänzt eingesetzt werden, um Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. (fp, nr; zuletzt aktualisiert am 24.5.2017)